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Virologe Stöhr geht auf Lauterbach los: „Letzter Versuch, Menschen zu ängstigen“

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Von: Lukas Einkammerer

Die bundesweite Corona-Inzidenz sinkt weiter. Karl Lauterbach erntet scharfe Kritik für seine „Killervarianten“-Prognose. Alle News im Ticker. 

Update vom 20. April, 7.18 Uhr: Die bundesweite Inzidenz steigt am Mittwoch wieder. Mehr in unserem aktuellen News-Ticker zur Corona-Pandemie in Deutschland.

Update vom 19. April, 14.34 Uhr: Zu den Kritikern Lauterbachs wegen seiner „Killer-Varianten“-Äußerungen gesellt sich jetzt auch der Virologe Klaus Stöhr. „Für mich sieht das gegenwärtig aus wie ein letzter Versuch, die Menschen weiterhin zu verängstigen“, twitterte Stöhr an diesem Dienstag.

Besser sei es, die Ampel-Koalition legt eine Strategie vor, wie man sich in der Pandemie* „umfassend“ auf den Herbst vorbereite, schrieb Stöhr außerdem. Stöhrs ungebetene Ratschläge an Karl Lauterbach* hören hier nicht auf. Die Bundesregierung solle auf den „internationalen wissenschaftlichen Konsens“ bauen, meinte Stöhr in einem weiteren Tweet und berief sich dabei auf die Weltgesundheitsorganisation WHO. Ihr zufolge sei das Szenario wahrscheinlich, dass sich Sars-CoV-2* nach dem Sommer abschwäche, so Stöhr.

Der SPD*-Gesundheitsminister* hatte der Bild am Sonntag gesagt, es „durchaus möglich, dass wir eine hochansteckende Omikron-Variante bekommen, die so tödlich wie Delta ist“. Dies wäre „eine absolute Killer-Variante“, warnte er (siehe heutiges Update von 9.31 Uhr).

Der Virologe Klaus Stöhr sitzt auf einem Stuhl.
Klaus Stöhr (Archivbild) in einem Talk von Markus Lanz © Imago

Dauerhafte Immunität vor Corona? Experte mit konkreter Einschätzung

Update vom 19. April, 11.39 Uhr: Geimpft und genesen – sogenannte Hypridgenesene entwickeln offenbar einen besonders guten Schutz vor einer erneuten Infektion mit dem Coronavirus. Von „Hybrider Immunität“ oder „Super-Immunität“ ist in jüngster Zeit die Rede. Infektiologe Christoph Spinner erklärt, warum Menschen, die geimpft und genesen sind*, vor einer Reinfektion nicht zu 100 Prozent sicher sein können.

Intensivmediziner: Keiner weiß, wie sich Corona entwickelt

Update vom 19. April, 9.31 Uhr: Lauterbachs Warnung vor einer möglichen „Killervariante“ im Herbst sorgt bei Experten weiter für Kritik. „Keine Expertin und kein Experte kann derzeit sicher sagen, welche Variante wir im Herbst bekommen“, sagte Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Stefan Kluge, der Funke Mediengruppe. „Wir sollten aber darauf vorbereitet sein, dass noch einmal eine Variante kommen kann, die zu einer höheren Krankheitsschwere führt, als dies derzeit bei der Omikron-Variante der Fall ist.“

Eine Corona-Variante als „Killervariante“ zu bezeichnen, hält Intensivmediziner für „unpassend“

Eine Corona-Variante als „Killervariante“ zu bezeichnen, hält Kluge für „unpassend“. Es gebe andere Infektionen, bei denen die Sterblichkeit deutlich höher liege, als dies bei Covid-19 bisher der Fall gewesen sei. Dazu zähle etwa eine schwere bakterielle Sepsis (Blutvergiftung). „Die Variante Omikron führt derzeit zu sehr wenigen schweren Covid-19-Verläufen“, erklärte Kluge. „Wir haben aktuell bei Omikron eine Sterblichkeit von unter 0,1 Prozent, vergleichbar mit der Grippe.“

Fehlanzeige: RKI fehlen Corona-Zahlen aus sieben Bundesländern

Update vom 19. April, 8.36 Uhr: Aus sieben Bundesländern liegen offenbar auch um 8.39 Uhr keine Corona-Zahlen beim RKI vor: Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, Saarland, Sachsen und Thüringen meldet keine neuen Corona-Fälle und Todesopfer. Schon über die Osterfeiertage haben viele Gesundheitsämter in Deutschland keine Angaben übermittelt.

Corona in Deutschland: Bundesweite Inzidenz jetzt bei 670

Update vom 19. April, 6.18 Uhr: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen liegt am Dienstagmorgen bei 22.483. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 669,9. Zudem wurden sieben weitere Todesfälle gemeldet. Das geht aus den Daten des Covid-Dashboards des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor.

Das RKI weist jedoch ausdrücklich auf seiner Webseite daraufhin, dass die Werte lückenhaft sind:

„Bei der Interpretation der aktuellen Fallzahlen ist zu beachten, dass es aufgrund der Feiertage und Ferien und der damit verbundenen geringeren Test-, Melde- und Übermittlungsaktivität kurzfristig zu einer erhöhten Untererfassung der Fälle im Meldesystem kommen kann.“

Schon vergangenes Jahr waren die Corona-Zahlen nach Ostern rapide gesunken. Damals wurde von der sogenannte trügerischen „Oster-Delle“ gesprochen. Erst nach dem Beginn der Schule wurde dann wieder mehr getestet und gemeldet.

Auf den Intensivstationen in Deutschland werden derzeit 1.739 Covid-Patienten versorgt. Davon müssen 692 künstlich beatmet werden. Das geht aus den Daten des DIVI-Intensivregisters hervor (Stand: 19. April, 6.05 Uhr).

Update vom 18. April, 15.59 Uhr: Die USA, Deutschland und weitere Staaten laden im Mai zu einem zweiten internationalen Online-Gipfel zur Corona-Pandemie. Man rufe Staats- und Regierungschefs, Mitglieder der Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen und den privaten Sektor auf, neue Verpflichtungen einzugehen, um die Welt zu impfen, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses am Montag. Zu den Gastgebern des Gipfels zählen neben den USA und Deutschland, das in diesem Jahr die G7-Präsidentschaft inne hat, auch Belize, Indonesien und Senegal. Der Gipfel soll am 12. Mai stattfinden.

Sieben-Tage-Inzidenz sinkt bundesweit unter 1000

Erstmeldung: München – Auch am Ostermontag liegt die Sieben-Tage-Inzidenz* bundesweit unter 1.000. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI*) am Morgen mitteilte, wurden zum Wochenstart 20.482 Neuinfektionen mit dem Coronavirus* sowie elf Todesfälle gemeldet – was einem Inzidenzwert von 808,0 entspricht. Fast die Hälfte aller neuen Ansteckungen kommt dabei aus Bayern, wo das RKI 10.008 Corona-Erkrankungen* und eine Inzidenz von 939,6 nachweisen konnte. Die bayern- und bundesweit höchste Inzidenz besteht mit einem Wert von 2724,3 im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz.

Zusätzlich zu den aktuellen Zahlen wird außerdem vor einer möglichen Dunkelziffer gewarnt. Denn laut einem Hinweis auf dem Online-Dashboard des RKI wird an Feiertagen allgemein weniger getestet und gemeldet. Der eigentliche Wert dürfte also noch um einiges höher sein.

Corona-Pandemie: Lauterbach erntet Kritik für „Killervarianten“-Prognose

Nachdem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Osterwochenende von einer möglichen „Killervariante” des Coronavirus sprach*, die im Herbst 2022 auftreten könnte, erntet er nun scharfe Kritik. Die Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit von den Universitäten Bonn und Hamburg äußerten sich im Gespräch mit BILD zu der bedrohlichen Prognose. „Der Begriff ‚Killervariante’ ist unwissenschaftlich und führt zu nichts als Verunsicherung in der Bevölkerung”, so Jonas Schmidt-Chanasit laut bild.de, „Das Auftreten einer ‚Killervariante’ im Herbst ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO ein sehr unwahrscheinliches Szenario.”

Auch Hendrik Streeck betonte gegenüber der Zeitung, dass der Begriff unpassend gewählt ist: „Die Entwicklungen von Varianten kann man nicht hervorsagen. Anstatt daher von Szenarien wie ‚Killervarianten’ zu warnen, wäre es wichtig, sich auf den Herbst und Winter vorzubereiten.” Dass Experten Lauterbachs drastische Prognose abzulehnen scheinen, dürfte für viele Besorgte sicherlich beruhigend sein. (le mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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