„Bin es wirklich leid“

Nach Merkels Auftritt bei „Anne Will“ platzt Ramelow der Kragen - „Das könnt ein Praktikant machen!“

  • Florian Naumann
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  • Anna-Katharina Ahnefeld
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Kanzlerin Angela Merkel hat bei „Anne Will“ im TV gegen einige Länder ausgeteilt. Nach dpa-Informationen verteidigen CDU-Spitzenpolitiker nun ihre Maßnahmen.

  • Am Sonntagabend stellte sich Angela Merkel (CDU) den Fragen von Anne Will.
  • Dabei kritisierte sie auch das Vorgehen in NRW* (Update vom 28. März, 22.20 Uhr) - Laschet soll sich am Montag nun intern verteidigt haben (Update vom 29. März, 11.05 Uhr).
  • Merkel machte im Interview auch klar, dass sie nicht mehr lange tatenlos zusehen werde, wenn die Zahlen ohne entsprechende Gegenmaßnahmen weiter steigen (Update vom 28. März, 22.05 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 29. März, 15.25 Uhr: Angela Merkels Kanzleramts-Chef Helge Braun (CDU) hat am Montag nochmals den Druck auf die Ministerpräsidenten erhöht - und die Deutschen auf weitere Wochen verstärkter Corona-Einschränkungen eingestimmt.

„Ich poche sehr darauf, dass alle energisch daran arbeiten, dass die Zahlen runtergehen. Wir sehen in manchen Bereichen, dass die Notbremse nur halbherzig umgesetzt wird“, bekräftigte Braun im Podcast „Unter 3“ des TV-Senders Phoenix. Merkel hatte am Sonntag bei „Anne Will“ (ARD) eine fast gleichlautende Einschätzung geäußert. „Wenn es in den nächsten Wochen nicht gut funktioniert - und das liegt ja in der Luft -, darf man da nichts ausschließen“, sagte er mit Blick auf weitere Maßnahmen.

Gelinge es, das Virus nun einzudämmen, gebe es aber Anlass zu Optimismus für den Sommer: „Ich hoffe, dass wir es in den kommenden zwei Monaten schaffen, diese Pandemie gut am Zügel zu halten und dann in eine Phase eintreten, in der es sich deutlich entspannt und dann auch Öffnungsschritte gibt, die man nicht mehr revidieren muss“, sagte Braun.

Merkel rüffelt Laschet bei „Anne Will“: Konter aus NRW folgt - Vize stichelt gegen Kanzleramt

Update vom 29. März, 14.38 Uhr: Aus Armin Laschets Bundesland Nordrhein-Westfalen gibt es weiteren Unmut über Schuldzuweisungen von Kanzlerin Angela Merkel: Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) hat Merkels Vorwürfe zurückgewiesen. „Angesichts der Mängel bei der Impfstoffbeschaffung, der langen Dauer der Zertifizierung von Tests und der traurigen Bilanz der Corona-Warn-App, für die der Bund verantwortlich ist, sollte sich die Kritik des Bundeskanzleramts auf die eigenen Versäumnisse konzentrieren und diese Mängel beheben“, sagte Stamp der Welt.

„Kontaktreduzierung ist weiterhin richtig und dringend notwendig“, unterstrich der NRW-Familienminister. „Mittlerweile gibt es aber weitere Instrumente zur Eindämmung der Pandemie.“ Dazu zählten personalisierte Schnelltests, die Einkäufe vor Ort ermöglichten. „So wird ein Anreiz zum Testen und damit verbunden auch eine verstärkte Entdeckung von symptomatischen Infektionen ermöglicht“, sagte Stamp. Genau das setze NRW um.

Unterdessen gibt es Anzeichen, dass sich Merkels Drohung, die Corona-Gipfel zumindest teilweise zu entmachten, verselbstständigen könnte: Landeschefs, Minister Horst Seehofer aber auch mehrere Bundestags-Abgeordnete begrüßten den Vorstoß, wie Merkur.de* berichtet - Seehofer drang zudem auf schnelle Maßnahmen.

Merkel-Schelte bei „Anne Will“: Laschet kontert Vorwürfe öffentlich

Update vom 29. März, 13.43 Uhr: Zuerst intern (siehe Update von 11.05 Uhr), nun auch öffentlich: Die CDU-Ministerpräsidenten Armin Laschet und Tobias Hans haben sich gegen Vorhaltungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Corona-Bekämpfung gewehrt.

Laschet verteidigte sein Vorgehen als NRW-Ministerpräsident. „Nordrhein-Westfalen hat die Notbremse flächendeckend verpflichtend für alle Landkreise umgesetzt“, sagte Laschet am Montag nach einer CDU-Präsidiumssitzung. Darüber hinaus sei eine Terminvereinbarung in Geschäften mit einem Corona-Test möglich. Zu möglichen Initiativen des Bundes in der Corona-Pandemie sagte Laschet, wenn die Lage dramatischer werde, sei er für jeden Vorschlag offen. 

Laschet forderte als Konsequenz aus dem vergangenen Bund-Länder-Gipfel, dass die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder und die Bundeskanzlerin nicht mehr nur per Videokonferenz beraten. Die Ministerpräsidentenkonferenz solle in Präsenz tagen, forderte der CDU-Chef. Wenn 60 oder 70 Menschen an einer solchen Konferenz beteiligt seien, trage das nicht zur Effektivität bei. Der Teilnehmerkreis müsse wieder begrenzt werden.

Hans‘ Saarland will unterdessen offiziell an seinem geplanten Modellprojekt für Lockerungen durch massenhaftes Testen festhalten. „Wir werden diese Strategie weiterverfolgen“, sagte der Ministerpräsident. Es handele es sich „im Übrigen um eine sehr vorsichtige Strategie“, die ab dem 6. April schrittweise umgesetzt werden solle. „Wir sorgen mit dem Saarland-Modell dafür, dass Aktivitäten, die im Moment drinnen stattfinden, im Verborgenen, ins Freie kommen“, sagte er.

Nach Merkels Auftritt bei „Anne Will“ platzt Ramelow der Kragen: „Das könnte ein Praktikant machen“

Update vom 29. März, 11.30 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel brachte bei „Anne Will“ am Sonntagabend ins Spiel, das Infektionsschutzgesetz anzupassen, um weitere Corona-Maßnahmen vorzuschreiben. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) betonte am Montag, seine Landesregierung erwarte seit Wochen von der Bundesregierung, dass ein deutschlandweit einheitlicher Stufenplan beschlossen werde. Dies sei dem Bund auch schriftlich mitgeteilt worden. „Das Kanzleramt ist seit Februar gefordert, den Rahmen- und Stufenplan einfach abzuschreiben. Das könnte ein Praktikant machen - die bestehenden Stufenpläne aus Deutschland übereinanderlegen und dann gucken, ob das den Regeln entspricht, die das Kanzleramt sich wünscht“, sagte Ramelow der dpa. Er forderte den Bund mit Nachdruck zum Handeln auf. „Im Februar habe ich gefordert, dass das gemacht wird. Ich sage im März und April immer noch: Dann macht es doch endlich! Es geht um das Tun und nicht um das Reden“, sagte Ramelow.

Der Linke-Politiker kritisierte Merkels Auftritt bei „Anne Will“ in Teilen. „Wenn man schon mit den Ministerpräsidenten ins Gericht geht, dann sollte man wenigsten den Mut haben und Rosse und Reiter nennen“, sagte Ramelow. Bayern etwa habe die Baumärkte ohne jegliche Rücksprache mit seinen Nachbarländern geöffnet. „Das war ein Affront gegen Baden-Württemberg und ein Affront gegen Thüringen“, sagte Ramelow.

„Ich fordere schon seit langem einen Stufenplan und einheitliche Regeln für ganz Deutschland“, sagte Ramelow. Er unterstütze die Kanzlerin in ihrem Ansinnen mit einheitlichen Regeln. „Ich bin nur irritiert, dass sie das jetzt als Drohkulisse aufbaut“, sagte der Linkspolitiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er ärgere sich „ein bisschen über die Tonart“. Und er sei es „wirklich leid, mir anhören zu müssen, was man hätte tun müssen, aber selbst tatsächlich nichts getan hat.“

Merkel im TV: Laschet betont intern, in NRW gebe es eine landesweite „Notbremse“

Update vom 29. März, 11.05 Uhr: Angela Merkel hat am Sonntagabend deutliche Kritik an den Ländern geäußert. Einigen würden die beschlossenen Maßnahmen nicht konsequent genug umsetzen. Doch nun verteidigten mehrere CDU-Spitzenpolitiker ihre Maßnahmen. Nach Informationen der dpa aus Teilnehmerkreisen bekannte sich Parteichef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Montag in Online-Beratungen des CDU-Präsidiums klar zu mehr Tests als Instrument in der Krise. Er habe betont, dass es in Nordrhein-Westfalen eine landesweite „Notbremse“ gebe.

Merkel sprach demnach in der Sitzung mit Blick auf die jüngste Ministerpräsidentenkonferenz erneut von einer Zäsur (siehe Update vom 28. März, 21.52 Uhr). Das Verfahren müsse sich ändern. Nach diesen Informationen sprachen sich der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther und dessen Amtskollege aus dem Saarland, Tobias Hans, dafür aus, das nächste Mal in der Runde der Ministerpräsidenten in Präsenz mit der Kanzlerin zu tagen.

Nach Merkels Auftritt bei „Anne Will“: Hans und Laschet verteidigen ihre Maßnahmen im Saarland und NRW

Hans erklärte laut Teilnehmerangaben im CDU-Präsidium, im Saarland würden nicht Beschränkungen durch Lockerungen ersetzt. Stattdessen würden Testauflagen an die Stelle von Beschränkungen gesetzt. Damit bringe man die Menschen dazu, im Freien getestet zusammenzukommen, statt im Verborgenen ohne Tests und Maßnahmen. Es handele sich nicht um ein Experiment, das Infektionen in Kauf nehme, sondern im Gegenteil um ein Modell zur Entdeckung von Infektionen. Natürlich gebe es einen klaren Exit, wenn exponentielles Wachstum mit hohen Belegungszahlen in den Krankenhäusern eintreten werde. Merkel hatte auch das saarländische Modellvorhaben bei ihrer Kritik in den Blick genommen (siehe Update vom 28. März, 22.15 Uhr).

Der niedersächsische CDU-Chef Bernd Althusmann plädierte demnach im Präsidium ebenfalls für die Erprobung testgestützter Modelle. Gesundheitsminister Jens Spahn habe zudem darauf hingewiesen, dass die Länder nun massiv beim Impfen zulegen müssten, nachdem viele Chargen Impfstoff geliefert würden.

Merkel bei „Anne Will“: Ausgangsbeschränkungen als „ganz wirksames Mittel“

Update vom 29. März, 6.45 Uhr: Ein besseres Corona-Krisenmanagement: Das fordern Kritiker immer lauter. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) setzte sich am Sonntagabend zu Anne Will* ins Talk-Studio und las angesichts immer steiler steigende Infektionskurven den Bundesländern mit Öffnungsabsichten die Leviten und kündigte mögliche bundeseinheitliche Regelungen an (siehe Update vom 28. März, 22.05 Uhr). Sie übte massiven Druck auf die Länder aus, um diese zum Umsetzen der Notbremse und noch schärferer Maßnahmen zu bewegen (siehe Update vom 28. März, 22.25 Uhr). Bund und Länder müssten zusammen handeln, betonte die Kanzlerin immer wieder. „Wir können nichts ohne einander beschließen“. Aber: „Wir sind verpflichtet, qua Gesetz, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Und im Augenblick ist die Eindämmung nicht da.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stellte anschließend in den ARD-„Tagesthemen“ klar, dass er sich mehr Kompetenzen in Bundeshand vorstellen kann. Er habe schon immer gesagt: „Ich hätte mir mehr Kompetenzen des Bundes über das Infektionsschutzgesetz vorstellen können, das die Länder auch zu klaren Regeln zwingt. Ich bin da sehr dafür und offen“, sagte der CSU-Chef in den ARD-Tagesthemen.

Konkret wurde Söder bei den nächtlichen Ausgangssperren, die es unter anderem in Bayern schon seit längerem gibt. Diese seien rechtlich bundesweit nicht durchsetzbar, sagte Söder. Aber: „Wenn die Kanzlerin die Initiative ergreifen würde, eine Initiative auf nationaler Ebene, Recht zu ändern und klare Vorgaben zu machen, hätte sie meine Unterstützung.“ Merkel nannte Ausgangsbeschränkungen in Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen am Sonntagabend als ausdrücklich vorstellbar, diese „können ein ganz wirksames Mittel sein.“

Merkel bei „Anne Will“: Union habe „kein Abo auf das Kanzleramt“

22.45: Kostet die Pandemie der Union sogar das Kanzleramt, will Anne Will am Ende wissen. Angela Merkel verweist zunächst darauf, dass die Union „kein Abo auf das Kanzleramt“ habe. Das Kanzleramt sei eine Ehre, das sei ihr in jedem Wahlkampf bewusst gewesen. Natürlich drängten aber auch andere in die Regierungsverantwortung. Die Union brauche ein gutes Programm.

„Können Sie mit einem guten oder erschöpften Gefühl abtreten?“, will Anne Will wissen. „Ich werde jeden Tag mit Entschlossenheit etwas dafür tun, dass ich zum Guten dieses Landes beitrage“, betont Angela Merkel. Wie es sich anfühlen werde, abzutreten, wisse sie noch nicht. Und macht damit deutlich: Davor ist für sie noch einiges zu tun. Und damit ist die Sendung beendet.

Masken-Affäre, Oster-Ruhe und Notbremse: Angela Merkel steht Anne Will heute Rede und Antwort

22.45: Es geht nun um die Masken-Affäre, die Korruptionsvorwürfe gegen einzelne Abgeordnete. Das sei „empörend“, so Merkel und völlig inakzeptabel. Dass es Mitglieder ihrer Fraktion seien, schmerze besonders.

Ich werde jeden Tag mit Entschlossenheit etwas dafür tun, dass ich zum Guten dieses Landes beitrage.

Angela Merkel

Merkel geht nun wieder auf das Homeoffice ein, das eigentlich, so verweist sie, ja rechtlich geregelt sei. Nun werde man wieder nachlässig, das müsse wieder durchgesetzt werden. Testen müsse eventuell ebenfalls gesetzlich durchgesetzt werden, wenn dem nicht freiwillig nachgekommen werde.

Corona in Deutschland: Merkel erhält Impfversprechen bis Ende des Sommers aufrecht

22.40: „Wir haben eine schwierige Situation, aber schauen Sie sich mal unsere Nachbarn an“, verweist Merkel. Zu sagen, das alles schlecht laufe, sei so nicht richtig. Es sei vieles besser zu machen, aber es gebe „keinen Grund für Deutschland in Sack und Asche zu gehen“, so Merkel.

22.35: „Finden Sie noch immer, das nicht viel schiefgelaufen ist?“, konfrontiert Will die Bundeskanzlerin mit eines ihrer eigenen Zitate, dass bei der Impfstoffbeschaffung im Großen und Ganzen nichts schiefgegangen sei. Merkel sagt, sie glaube, wenn bis Ende des Sommers jedem ein Impfgebot gemacht werden könne, habe man etwas hinbekommen. Das Konzentrieren auf sich selbst sei ein gefährlicher Weg, sie unterstütze aber die Strategie Ursula von der Leyens.

„Beschützen Sie sie?“, will Anne Will wissen. „Ich beschütze sie nicht, ich unterstütze sie. Ursula von der Leyen braucht meinen Schutz nicht“, entgegnet Merkel. Sie wehre sich gegen den Vorwurf, die EU habe bei der Impfstoff-Bestellung blauäugig gehandelt. Insgesamt habe man gut gehandelt, man komme an keinen Impfstoff heran, der nicht in Europa entstehe und man sei in den Lieferketten von anderen abhängig.

Die Grundentscheidungen, für Europa zu bestellen, zweimal so viel wie benötigt zu bestellen und in Deutschland ein zweites Biontech-Werk zu bauen, seien richtig gewesen. Dabei sage sie nicht, dass alles gut gelaufen sei. Das Impfversprechen bis Ende des Sommers erhalte sie aufrecht, so Merkel, als Anne Will auf das senkende Vertrauen der Bevölkerung in die Erfüllung des Versprechens verweist. Bei der Impfreihenfolge herrsche ein „deutscher Hang zum Perfektionismus“, so Merkel.

Durchsetzen der Notbremse: Merkel gibt sich mit Armin Laschets Vorgehen unzufrieden

22.25: „Schauen Sie, ich wäre ja wirklich glücklich, würden sich meine trüben Prognosen nicht erfüllen. Ich bin letztendlich ein sehr optimistischer Mensch, daher liegt mir nicht daran, recht zu haben“, führt Merkel an. Das Durchsetzen der Notbremse sei jedoch wichtig gewesen. Es geht nun um Schulen: Zweimal die Woche zu testen sei ein Beitrag und die Kinder könnten wieder in die Schule, so Merkel. Jetzt stellt Will die Vertrauensfrage: „Vertrauen Sie den Ministerpräsidenten noch?“, will sie wissen. Vertrauen sei die Grundlage, so Merkel. Sie tue es noch, aber es sei aktuell eine „kritische Zeit“. Die Rollenverteilung, das strenge Kanzleramt und der weniger strengen Bundesländer, sei keine gute Entwicklung. Das meinte sie auch mit Zäsur, so Merkel.

„Ich werde jetzt nicht tatenlos 14 Tage zusehen und es passiert nichts, was eine Trendumkehr verspricht.

Angela Merkel

22.20: „Ich hab mir die Notbremse, egal in welchem Bundesland, nicht so gedacht“, sagt Merkel zu Laschets Ansatz, die Notbremse nur selektiv zu ziehen. Es gebe keinen Ermessensspielraum über einer Inzidenz von 100. Mehrere Bundesländer würden jedoch eine weite Interpretation wählen, das mache sie nicht glücklich, betont Merkel. Anne Will möchte es jetzt wissen: „Verstößt Armin Laschet...?“ bohrt sie nach. „Ja“, antwortet Merkel, er sei aber nicht der Einzige. Es belaste sie, dass die Bundesländer leichte Schritte schnell umsetzen würden, Verschärfungen jedoch langsamer. Eine klare Kritik an Laschet, wie auch das Portal msl24.de aus Nordrhein-Westfalen urteilt.

22.15: „Wir haben im Grunde eine neue Pandemie“, so Merkel mit Verweis auf die britische Mutation. Daher müsse nun nochmals Kraft aufgebracht werden mit den Mitteln, die man kenne. „Es wird durchgesetzt werden. Es wird dazu kommen, dass wir das richtige tun, dafür stehe ich ein und dafür werde ich arbeiten“, sagt Merkel. Es sei nicht so, als habe die Politik nichts gemacht, es gehe voran. „Ich werde jedenfalls nicht zuschauen, dass wir hunderttausende Infizierte haben.“

Anne Will schwenkt zum Modellprojekt Saarland um, die zusätzliche Lockerungen ausprobieren wollen. Zwar habe das Saarland eines der geringsten Inzidenzen, die Fallzahlen seien jedoch nicht stabil, führt Merkel an. Es sei nicht der Zeitpunkt so etwas - sich als Modellregion zu versuchen - ins Auge zu fassen. Merkel gibt zu, sie sei darüber nicht so glücklich gewesen. „Eigentlich soll das Testen der Senkung der Fallzahlen dienen und es wird immer mehr zu einem Anreizinstrument, sich mehr Öffnungen zu erlauben.“ Testen alleine - mit Öffnung - werde das Problem nicht lösen. Dabei verweist die Bundeskanzlerin abermals auf die Mutante.

Angela Merkel zu der umstrittenen Oster-Ruhe: „Deshalb glaube ich, dass es ein Fehler war unterm Strich“

22.10: Umfragen würden zeigen, dass die Menschen mehrheitlich weitere Lockerungen gar ablehnen würden, so Anne Will. Das sollten die Länder im Augen behalten, so Merkel. Anne Will möchte nochmal auf Merkels Fehler-Eingeständnis zurückkommen und bohrt nach. War es gar ein Autoritätsverlust? „Es war eine Handlung, die aus guten Gründen getan wurde und die so nicht umsetzbar war. Deshalb glaube ich, dass es ein Fehler war unterm Strich“, sagt Angela Merkel nochmals. Sie halte auch nichts von einer vorgezogenen MPK, betont sie weiter.

22.05 „Das Infektionsdurchschnittsalter ist viel geringer“, sagt Merkel - im Vergleich zum Beginn der Pandemie, da nun viele Ü-80-Jährige bereits geimpft wären. Wie man das bundeseinheitlich eindämmen könne, wenn nicht alle Bundesländer mitziehen, darüber denke sie noch nach. Eine Möglichkeit wäre das Infektionsschutzgesetz nochmal anzupacken. Bund und Länder würden einander brauchen, die gleiche Überzeugung haben müssen. Eine Demokratie werde nicht durch die „Order des Muftis“ verfügen, sondern durch Übereinstimmung.

„Ich werde jetzt nicht tatenlos 14 Tage zusehen und es passiert nichts, was eine Trendumkehr verspricht“, betont Merkel. „Wir brauchen keine MPK, wir brauchen Handeln in den Ländern. Und dann werde ich mir anschauen, ob das reicht. Es sind nicht viele Tage, die man da zuschauen kann, aber es ist einiges in Bewegung.“

Angela Merkel zu Gast bei Anne Will heute: Nach Corona-Gipfel erklärt Bundeskanzlerin ihre Entschuldigung

21.55: Merkel: „Testen und bummeln, wie es sich derzeit in Berlin abspielt“ - ein Verweis auf den Weg Berlins Regierendes Bürgermeisters Michael Müller, die Pandemie durch eine umfassende Teststrategie eindämmen zu wollen. „Wir haben eine Notbremse, da haben wir uns Stein und Bein geschworen, sie einzuhalten“, so Merkel. Auch, wenn sie leider noch nicht überall eingehalten werde. Man müsse mehr tun. Für wichtig halte sie ständiges Testen an Schulen und in der Wirtschaft sowie erweiterte Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen.

21.52: Der Montag sei für sie eine „Zäsur“ gewesen, so Merkel. Es sei klar, dass sich etwas ändern müsse. „Heißt das, dass sie die Macht an sich ziehen wollen?“, will Anne Will wissen. Merkel verneint das entschieden und verweist auf bestehende klare Regeln wie das Infektionsschutzgesetz, den Bundesrat und die Rechte der Ministerpräsidenten. „Es ist immer ein Miteinander von Bund und Ländern“, so Merkel.

21.50: „Für die Verunsicherung“ habe sie sich bei den Bürger:innen entschuldigt, erklärt die Bundeskanzlerin zu Beginn. Anne Will hakt direkt nach: „Es hätte andere Anlässe zum Entschuldigen gegeben“, und zählt die Probleme in der Bekämpfung der Corona-Pandemie auf. Warum jetzt für einen „handwerklichen Fehler“? „Hier war es so, wir hatten uns vielleicht mit guten Gründen etwas überlegt, aber es hat Millionen von Menschen verunsichert und war in der Kürze der Zeit nicht realisierbar“, antwortet Merkel. Man habe mit einem „Angebot der Ruhe“ das Land in große Unruhe versetzt. In diesem Fall sei die Schuldfrage klar zuweisbar gewesen.

Update vom 28. März, 21.45 Uhr: Der Politik-Talk „Anne Will“ mit Bundekanzlerin Angela Merkel hat begonnen.

Update vom 28. März, 21.30 Uhr: In 15 Minuten ist es soweit! Ab 21.45, ARD, wird die Bundeskanzlerin Anne Will Fragen zur Corona-Politik beantworten.

Update vom 28. März, 21.15 Uhr: Ab 21. 45 Uhr auf ARD wird heute Abend das Live-Interview der Bundeskanzlerin im Politik-Talk „Anne Will“ übertragen. Nach der zurückgenommenen Oster-Ruhe im Verlauf dieser Woche wird es für die zwei Frauen allerhand Themen zu besprechen geben. Bereits im Jahr 2009 war die Bundeskanzlerin zu Gast bei Anne Will. 2015 hatte sie zum Höhepunkt der Fluchtmigration aus Syrien gleich zwei Auftritte.

Update vom 28. März, 20.55 Uhr: In einer knappen Stunde wird sich Bundeskanzlerin Angela Merkel heute den Fragen Anne Wills stellen. Während ihrer langjährigen Kanzlerschaft waren Auftritte dieser Art selten. Seit der Corona-Pandemie nehmen jedoch die Medienauftritte der Kanzlerin zu. Ihre Entscheidung, am Sonntag zu Gast bei „Anne Will“ zu sein, verkündete die ARD am Freitag.

Angela Merkel heute zu Gast bei „Anne Will“: Einzelinterview zu Corona-Politik

Update vom 28. März, 20.20 Uhr: Der vergangene Corona-Gipfel endete in einem heftig umstrittenen Vorschlag: Oster-Ruhe. Um das Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland auszubremsen, sollte das Land über die Oster-Feiertage weitmöglichst heruntergefahren werden. Sofort wurde Kritik laut, Bundeskanzlerin Merkel machte schließlich die Kehrtwende und stoppte die Osterruhe. Für ihre Entschuldigung und Bereitschaft, für die Entscheidung die volle Verantwortung zu nehmen, zollten viele ihr Respekt. Bei „Anne Will“ wird Merkel heute Abend zu Gast sein. Ihr aufsehenerregendes Fehlereingeständnis wird dabei sicherlich Thema sein. Keine weiteren Gäste werden laut ARD vor Ort sein. Die Bundeskanzlerin war bereits mehrere Male zu Besuch im Talk-Format von Anne Will, zuletzt 2018.

Update vom 28. März, 19.40 Uhr: In zwei Stunden ist es so weit. Im Einzelinterview wird Bundeskanzlerin Angela Merkel sich als einziger Gast den Fragen von Anne Will heute stellen. Dabei wird es um die Corona-Politik gehen. Folgende Fragen werden laut ARD unter anderem erörtert: Was bedeutet das Fehlereingeständnis für das weitere Krisenmanagement von Bund und Ländern? Wie soll die dritte Corona-Welle nun gebrochen werden? Wo steht Deutschland gegenwärtig im Kampf gegen das Virus?

Angela Merkel nach Oster-Chaos heute im Einzelinterview bei „Anne Will“ - Kanzlerin stellt sich der Öffentlichkeit

Erstmeldung vom 28. März, 17.30 Uhr:

Berlin - Nach nur einem Tag nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel den Vorschlag einer Oster-Ruhe wieder zurück. „Dieser Fehler ist einzig und allein mein Fehler“, betonte sie in ihrem Statement und übernahm damit die volle Verantwortung für die umstrittene Regelung. „Denn am Ende trage ich für alles die letzte Verantwortung. Qua Amt ist das so“, argumentierte sie weiter. Und stellte sich mit ihrer Entschuldigung an die Bürger:innen nicht zuletzt vor die Ministerpräsident:innen. Bei „Anne Will“* (ARD) wird die Bundeskanzlerin ab 21.45 Uhr zu Gast sein.

Live-Ticker: Angela Merkel bei Anne Will (ARD): Kanzlerin stellt sich live im TV

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast bei Anne Will

ARD, ab 21.45 Uhr

In dem Einzelinterview soll es nach Angaben der ARD unter anderem um die Folgen ihres Eingeständnisses auf das Krisenmanagement in der Corona*-Krise gehen. Auch die Fragen, wo Deutschland aktuell in der Bekämpfung der Pandemie stehe und wie die sogenannte dritte Welle gebrochen werden solle, stehen auf der Agenda. In Formaten dieser Art war Angela Merkel in den Jahren ihrer Kanzlerinnenschaft selten zu sehen. Seit Ausbruch der Pandemie nahmen ihre Medienauftritte jedoch zu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei „Anne Will“ (ARD): Im TV-Talk geht es um Corona-Politik und Krisenmanagement

Eine aufreibende politische Woche neigt sich dem Ende zu. Ein weiterer Höhepunkt wird der Besuch Merkels bei der Moderatorin Anne Will* sein. In dem Sonderformat wird die Kanzlerin Stellung zu ihrer Corona-Politik beziehen. Aufregung gab es zuletzt um den Vorschlag einer Osterruhe. Nach zwölfstündiger Beratung bis in die Nacht hinein, endete der Corona-Gipfel mit der Idee eines sechstägigen Herunterfahrens des öffentlichen, wirtschaftlichen und privaten Lebens über die Osterfeiertage hinweg. Dabei sollten der Gründonnerstag und Karsamstag einmalig zu Ruhetagen erklärt werden. Dies führte in der praktischen Umsetzbarkeit in der Wirtschaft und Politik zu Verwirrung. Schließlich ruderte die Bundeskanzlerin zurück.

Ihre Kehrtwende legte sie folgendermaßen dar: „Die Idee eines Oster-Shutdowns war mit bester Absicht entworfen worden, denn wir müssen es unbedingt schaffen, die dritte Welle der Pandemie* zu bremsen und umzukehren. Dennoch war die Idee der sogenannten Oster-Ruhe ein Fehler. Sie hatte ihre guten Gründe, war aber in der Kürze der Zeit nicht gut genug umsetzbar, wenn sie überhaupt jemals so umsetzbar ist, dass Aufwand und Nutzen in einem halbwegs vernünftigen Verhältnis stehen.“ Zu viele Fragen seien offen gewesen. Als Zäsur sehen viele dieses Eingeständnis Merkels - in der Corona-Politik, aber auch in ihrer Amtszeit.(aka) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Screenshot: ARD/Anne Will

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