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Wohnungsbau auf Talfahrt: Keine schnelle Trendwende erwartet 

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Die Bauindustrie hat noch immer mit den Folgen des Ukraine-Krieges zu kämpfen. Erst ab dem nächsten Jahr hofft man auf Erholung.
Die Bauindustrie hat noch immer mit den Folgen des Ukraine-Krieges zu kämpfen. Erst ab nächstem Jahr hofft man auf Erholung. © Julian Stratenschulte / dpa

Gestiegene Zinsen und hohe Kosten machen der Baubranche zu schaffen. Die Nachfrage schwächelt und eine Trendwende ist der Branche zufolge noch nicht in Sicht.

Wiesbaden – Das deutsche Baugewerbe rechnet nach rückläufigen Aufträgen in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres nicht mit einer schnellen Trendwende. Gestiegene Zinsen und hohe Baukosten bremsen die Nachfrage. „Seit Juli sind die Order im Wohnungsbau auf Talfahrt und das mit zunehmender Geschwindigkeit, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa, am Mittwoch. „Mit Blick auf die in der letzten Woche gemeldeten Baugenehmigungen wird sich bei den Auftragseingängen in den nächsten Wochen auch keine Trendumkehr ergeben.“

Bauindustrie erwartet für 2023 Umsatzminus

In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres sank der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum kalender- und preisbereinigt um 8,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Einschließlich Preiserhöhungen (nominal) stiegen die Bestellungen um 6,6 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Umsatz mit einem realen Rückgang von 5,3 Prozent und einem nominalen Anstieg um 10,5 Prozent. Die Bauindustrie erwartete zuletzt auch für das laufende Jahr real ein Umsatzminus.

Im November setzte sich der negative Trend fort. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verringerte sich der Auftragseingang preisbereinigt (real) um 12,7 Prozent. „Wir brauchen jetzt dringend Anschlussaufträge, damit der Orderrückgang nicht auf den Beschäftigtenstand durchschlägt“, warnte Pakleppa.

Baubranche fordert Neubauförderung

Die Bundesregierung hat eigentlich das Ziel, dass in Deutschland jährlich 400.000 Wohnungen gebaut werden sollen. Die Branche geht allerdings davon aus, dass es im vergangenen Jahr 280.000 Wohnungen waren und in diesem Jahr 245.000 sein dürften. „Der Wohnungsmarkt ist eingebrochen – die Ziele der Bundesregierung wurden 2022 gerissen und sind für 2023 und 2024 nicht zu schaffen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller.

Für eine Trendwende ist aus Sicht der Branche auch eine entsprechende staatliche Neubauförderung erforderlich. Bauherren sollen ab März wieder Anträge auf Neubauförderung nach neuen Kriterien stellen können. Das gesamte Volumen für die Neubauförderung liegt künftig bei 1,1 Milliarden Euro, geknüpft an hohe Standards für energieeffizientes Bauen. An diesem Mittwoch soll es dazu mehr Details geben. (dpa/lf)

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