Bundestagswahl: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich eine heftige Debatte mit Corona-Impfgegnern geliefert (Symbolbild).
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Bundestagswahl: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich eine heftige Debatte mit Corona-Impfgegnern geliefert (Symbolbild).

Bundestagswahl

Spahn bei heftiger Debatte mit Corona-Impfgegnern: „Herrgott Leute, bleiben wir doch bei der Wahrheit“

  • Jan-Frederik Wendt
    VonJan-Frederik Wendt
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Bei einer Bundestagswahl-Veranstaltung hat sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine hitzige Debatte mit Corona-Impfgegnern geliefert.

Kirchen - Kurz vor der Bundestagswahl 2021* hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei einem Wahlkampfauftritt im rheinland-pfälzischen Kirchen am Freitag (17.09.2021) eine heftige Debatte mit Corona*-Impfgegnerinnen und -gegnern geliefert. Davon zeugen mehrere Twitter-Videos.

Spahns Wahlkampfrede vor dem lokalen Krankenhaus wurde immer wieder mit Buhrufen, Pfeifkonzerten und Zwischenrufen gestört, berichtet der Altenkirchener Kurier.

Bundestagswahl: Spahn widerspricht Corona-Impfgegnern energisch

Als der CDU-Politiker, dessen Partei sich weiter im Umfragetief* befindet, um Fragen aus dem Publikum bat, meldete sich eine Frau namens Lilli. Sie trug bei der Veranstaltung zur Bundestagswahl ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Impfen kannst du dir Spahn“.

Ihre Kritikpunkte: Die Corona-Impfstoffe hätten keine Kanzerogenitätsstudien durchlaufen (Studien zu Langzeiteffekten und krebsauslösendem Potenzial - Anm. d. Red.), es bestehe das Risiko von Herzmuskelentzündungen und nur wenige Corona-Infizierte im Alter von zehn bis 19 Jahren seien verstorben. „Wieso sollte ich mich impfen?“, fragte sie Spahn.

Im Video: Spahn fordert „Impf-Ruck“

Spahn zu Corona-Impfstoffen: „Herrgott Leute, bleiben wir doch bei der Wahrheit“

Seine Antwort: Die Corona-Impfstoffe seien in einem Verfahren der Europäischen Medizin-Agentur (EMA) zugelassen worden. Nach nur wenigen Sätzen wurde der Christdemokrat wieder von Zwischenrufen unterbrochen. Die Störer behaupteten, die Impfstoffe seien nur „bedingt zugelassen“. Hier widersprach Spahn energisch: „Herrgott Leute, bleiben wir doch bei der Wahrheit“, rief er. Denn: In den USA und Großbritannien habe es eine Notfallzulassung gegeben - in der EU aber eine ordentliche Zulassung.

Im Dezember habe Spahn viel Kritik dafür einstecken müssen, dass die Corona-Impfstoffe damals schon woanders eine Notfallzulassung bekommen hätten. „Wir haben genauer hingeguckt, haben eine ordentliche Zulassung gemacht, das war der Grund. Also: Bleiben wir bei den Fakten“, so Spahn. „Der Impfstoff an sich ist nach wenigen Tagen oder Wochen gar nicht mehr im Körper“, so der Bundestagsabgeordnete weiter. Sofort brach wieder Gejaule und Gelächter aus. Eine Person rief: „Auf einmal“.

Daraufhin wurde Spahn lauter: „Nicht auf einmal! Der Impfstoff ist weg, die Immunantwort ist noch da. Wir haben mittlerweile auf der Welt hunderte Millionen Impfungen durchgeführt. Wenn all das, was in den Whatsapp-Gruppen immer behauptet wird, wirklich passieren würde, dann hätte es schon längst passieren müssen. Wann akzeptieren Sie endlich: All das, was den ganzen Tag behauptet wird, von der Unfruchtbarkeit bis dahin, dass Bill Gates und Jens Spahn Ihnen irgendwelche Chips einpflanzen wollen - nichts davon ist passiert. Schauen wir einmal auf die Fakten, statt auf das, was in der Whatsapp-Gruppe steht“.

Bundestagswahlkampf: Spahn verweist bei Corona-Impfung für Jugendliche auf RKI-Daten

Bezüglich der Corona-Impfung bei Jugendlichen verwies Spahn bei der Bundestagswahlkampf-Veranstaltung auf die Datenauswertung durch die Ständige Impfkommission (Stiko) - auch mit Daten aus anderen Ländern: „Auf www.rki.de, da finden Sie 30 Seiten, mit allen Verweisen auf die entsprechenden Studien. Das ist keine Vermutung oder Behauptung, das ist durch wissenschaftliche Studien hergeleitet. Evidenz, die sehr klar zeigt, dass mit der Delta-Variante die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass jeder Ungeimpfte sich in den nächsten sechs Monaten anstecken wird“. Anhand der Daten habe die Stiko eine Risikoabwägung durchgeführt.

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Spahn betonte, dass er die Corona-Impfungen mit Astrazeneca* ausgesetzt hatte, als Berichte über die Gefahren von Hirnvenenthrombosen aufkamen. „Im Zweifel gehen wir auf Nummer sicher“, sagte der Minister und weiter: „Wenn man schaut, was die Infektion anrichten kann und wie die Risiken der Impfung sind, dann ist eben das Risiko einer Infektion um ein Vielfaches höher. Also: Lassen Sie sich impfen“.

Spahns Argumente konnten Lilli offenbar nicht überzeugen. Sie meinte: Spahn habe in der Vergangenheit mit Prognosen zu Inzidenzen und einem Lockdown falsch gelegen habe. Daher stellte sie sich die Frage, wieso sie ihm beim Impfen glauben sollte. Spahns Antwort: „Sie müssen gar nicht mir glauben, tun Sie eh nicht. Einfach auf die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ärzte und Forscher hören. Das würde schon reichen“. (Jan Wendt) *Hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Trotz der nicht ausreichenden Impfquote fordert die Kassenärztliche Bundesvereinigung die Aufhebung aller Corona-Maßnahmen.

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