Konkurrenten: Grünen-Frontmann Robert Habeck (li.) und FDP-Chef Christian Lindner wollen beide Nachfolger von Bundesfinanzminister Olaf Scholz werden.
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Zweikampf: Grünen-Frontmann Robert Habeck (li.) und FDP-Chef Christian Lindner wollen beide Nachfolger von Bundesfinanzminister Olaf Scholz werden.

„Vorsintflutliche Agenda“

Finanzminister Lindner? Wirtschaftsnobelpreisträger warnt mit großen Worten - und empfiehlt Kontrahent

  • Thomas Schmidtutz
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Bei den Ampel-Sondierungen beginnt das Postengeschacher. FDP-Chef Christian Lindner spekuliert vor allem das wichtige Finanzministerium. Doch jetzt erhält er Gegenwind.

Berlin/München – Das Rennen um den Posten des künftigen Bundesfinanzministers hat in den vergangenen Wochen mächtig Fahrt aufgenommen. Gleich mehrfach hat FDP*-Chef Christian Lindner deutlich gemacht, dass er sich für die beste Wahl an der Spitze des wichtigsten Ministeriums im künftigen Bundeskabinett hält. Doch jetzt kommt Gegenwind von einflussreicher Seite.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und sein Kollege Adam Tooze haben davor gewarnt, dem FDP-Chef den Posten des Bundesfinanzministers zu überlassen. „Das Problem besteht nicht nur darin, dass Lindners Wirtschaftspolitik - sei es bei der Schuldenbremse oder den Haushaltsregeln für Europa - eine Anhäufung konservativer Klischees ist“, schreiben die beiden Ökonomen in einem am Mittwoch veröffentlichten Gastbeitrag für die Wochenzeitung Die Zeit. „Viel wichtiger ist, dass es sich um Klischees einer vergangenen Ära handelt, nämlich um die der Neunzigerjahre.“

Angesichts der europäischen und globalen Herausforderungen seien „große Investitionen der öffentlichen Hand von zentraler Bedeutung“ - nicht eine Rückkehr zu einem Sparkurs, wie er der FDP vorschwebe, schreiben die Wissenschaftler. „Um seiner selbst willen sollte Lindner die unmögliche Aufgabe erspart werden, seine vorsintflutliche haushaltspolitische Agenda auf die finanzielle Situation von heute übertragen zu müssen.“

Wirtschaftsnobeipreisträger: Berufung Lindners wäre „Crashtest für Europa“

„Diese Art Crashtest kann sich weder Deutschland noch Europa erlauben“, so der Wirtschaftshistoriker Tooze und der Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises von 2001 weiter. Die Grünen hätten mit Robert Habeck* als Minister und dem Europapolitiker Sven Giegold als Staatssekretär ein „plausibles Führungsduo“ im Angebot.

Sowohl Linder als auch Habeck haben Interesse an dem Posten an der Spitze des Finanzministeriums signalisiert. Allerdings betonen die möglichen Ampel-Koalitionäre regelmäßig, dass Personalentscheidungen erst ganz zum Schluss der laufenden Koalitionsverhandlungen geklärt werden sollten. Sie sollen bis Ende November abgeschlossen werden. (AFP/utz) *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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