Corona-Impfquote falsch

„Von Fehlereinsicht keine Spur“ – FDP und Grüne kritisieren RKI-Chef Wieler

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
    schließen

Politiker der FDP und Grünen fordern, dass das RKI politisch unabhängig wird. Präsident Lothar Wieler sei „zu nah dran an der Linie der Bundesregierung“.

Kassel/Berlin – Politiker von FDP und Grünen beklagen politische Einflussnahme auf das Robert-Koch-Institut (RKI) und üben Kritik an Instituts-Chef Lothar Wieler. Anlass ist das Eingeständnis des RKI vom Donnerstag (07.10.2021), dass die Zahl der gegen Corona* geimpften Menschen in Deutschland lange zu niedrig angegeben worden sei. Bei Wieler gebe es „von Fehlereinsicht keine Spur“, sagte die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) der Bild-Zeitung vom Samstag.

Wieler sei „zu nah dran an der Linie der Bundesregierung“, kritisierte sie. Die FDP wolle, dass die Behörde nicht länger dem Bundesgesundheitsministerium, derzeit von Jens Spahn (CDU) geführt, untersteht: „Wir machen uns dafür stark, dem RKI künftig politische Unabhängigkeit zu garantieren.“

Corona: Grüne und FDP kritisieren RKI wegen falscher Impfzahlen – „Deutschland mal wieder überfordert“

Die FDP-Politikerin sagte weiter: „Wir haben schon vor Monaten geahnt, dass die Impfrate zu niedrig ausgewiesen wird.“ Doch die Bundesregierung habe dies stets bestritten. „Jetzt haben wir Oktober, und Herr Wieler korrigiert die Quote um fünf Prozent nach oben*. Und es wird so getan, als wäre das ein Erfolg.“

Der Grünen-Politiker Dieter Janecek kritisierte in der Bild-Zeitung: Andere Länder „kennen solche Probleme mit der Erfassung der Impfquote nicht: Deutschland ist mal wieder überfordert.“ Janecek sieht auch eine Mitverantwortung Wielers für die langen Schulschließungen in Deutschland: „Das RKI hat einen Kurs mitgetragen, der auf Kinder als angebliche Infektionstreiber* ein besonderes Augenmerk gelegt hat.“

Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, muss sich scharfer Kritik stellen.

Das RKI hatte in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht mit Blick auf die bislang offiziell bekannt gegebene Impfquote geschrieben, es müsse hier eine „Unterschätzung von bis zu fünf Prozentpunkten für den Anteil mindestens einmal Geimpfter beziehungsweise vollständig Geimpfter angenommen werden“.

Corona-Impfung: RKI nennt Grund für falsche Impfzahlen

Es sei „in der Erwachsenenbevölkerung von einem Anteil mindestens einmal Geimpfter von bis zu 84 Prozent und einem Anteil vollständig Geimpfter von bis zu 80 Prozent auszugehen“. Die bislang offiziell dem RKI gemeldeten Zahlen dagegen ergaben bei den Erwachsenen aktuell eine Impfquote von 79,1 Prozent für mindestens einmal gegen Corona-Geimpfte und 75,4 Prozent für vollständig Geimpfte.

Als Grund für die Verzerrung der Zahlen nannte das RKI, dass manche Impfstellen nicht alle Corona-Impfungen an das Institut melden würden. Um die gemeldeten Zahlen zu überprüfen, ließ das Institut eine Telefonumfrage unter mehr als 1000 Bürgerinnen und Bürgern erstellen. Das Ergebnis wies auf eine deutlich höhere Impfquote hin. (lrg/afp) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

Das könnte Sie auch interessieren