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Coronavirus: Teil-Lockdown soll zweite Infektionswelle brechen - „Gesundheitsnotlage vermeiden“

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Um das sich rasant ausbreitende Coronavirus zu stoppen, soll das öffentliche Leben für einen Monat stark heruntergefahren werden. Einzelne Wirtschaftszweige wird es wieder schwer treffen.

Berlin - Bund und Länder wollen mit scharfen Kontaktbeschränkungen für die Bürger sowie Schließungen fast aller Freizeiteinrichtungen die zweite Corona-Infektionswelle in Deutschland aufhalten. Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten verständigten sich aufgrund der inzwischen exponentiellen Ausbreitung des Virus auf die strengsten Corona-Auflagen seit dem vollständigen Lockdown im Frühling.

Beispielsweise Restaurants, Hotels, Theater und Kinos müssen ab dem kommenden Montag für den gesamten Monat November schließen. In dieser Zeit dürfen sich auch nur wenige Menschen privat treffen. Merkel rief zu einer „nationalen Kraftanstrengung“ auf und betonte: „Wir müssen handeln, und zwar jetzt. Und zwar müssen wir handeln, um eine akute nationale Gesundheitsnotlage zu vermeiden.“ Schulen, Kitas und Geschäfte sollen aber anders als im Frühjahr offen bleiben.

Coronavirus-Fälle verdoppeln sich innerhalb einer Woche - immer mehr Intensivpatienten

Vor der Videokonferenz von Bund und Ländern hatten die Gesundheitsämter nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 14 964 Corona-Neuinfektionen* binnen eines Tages gemeldet - beinahe doppelt so viele wie am Mittwoch vergangener Woche. Die absoluten Zahlen sind mit jenen aus dem Frühjahr nur bedingt vergleichbar, da inzwischen deutlich mehr getestet wird und dadurch auch mehr Infektionen* entdeckt werden. Merkel wies darauf hin, dass die Zahl der Menschen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser immer mehr zunehme. Ihre Zahl habe sich in den vergangenen zehn Tagen verdoppelt.

Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) sprach von einem „harten und bitteren Tag“. Es gehe aber schlichtweg um die Rettung von Menschenleben. „Wenn wir jetzt zugucken, werden wir vielen Menschen nicht helfen können.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nannte die Beschlüsse eine „bitteren Pille“ für die Menschen. „Es ist jetzt eine nicht einfache Zeit. Wir verordnen eine Vier-Wochen-Therapie. Wir hoffen, dass die Dosis richtig ist, dass es erfolgreich ist.“ Drei Viertel der Kontakte müssten runter, betonte der CSU-Vorsitzende. „Letztlich ist das das entscheidende Motto: Kontakte reduzieren, Kontakte reduzieren, Kontakte reduzieren.“

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Coronavirus in Thüringen: Schießt Ramelow quer?

Thüringen stimmte den massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens nur bedingt zu. Das Land trage nur „diejenigen Maßnahmen mit, die für eine wirksame Eindämmung des Infektionsgeschehens* durch wissenschaftliche Erkenntnisse geeignet und verhältnismäßig“ seien, heißt es in einer Protokollerklärung der Staatskanzlei. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) betonte zugleich: „Es gibt keine Verweigerung Thüringens.“ Er werde die Beschlüsse aber dem Thüringer Landtag und seinem Kabinett zur Bestätigung vorlegen.

Die ersten Reaktionen auf die Beschlüsse fielen gemischt aus. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach twitterte: „Die Beschlüsse von heute sind ein großer Erfolg und ein Meilenstein gegen das Coronavirus* in Deutschland.“ Mit dem „Wellenbrecher Shutdown“ werde man die zweite Welle der Pandemie brechen und aus dem exponentiellen Wachstum heraus kommen.

Die AfD reagierte empört. „Es ist alles völlig überzogen“, sagte die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel. „Wir müssen lernen mit Corona zu leben“, fügte sie hinzu. Co-Fraktionschef Alexander Gauland kritisierte, dass die Beschlüsse erneut in einer Runde der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten fielen: „Wir haben inzwischen eine Art Kriegskabinett“, sagte er. Er habe das Gefühl, der Bundestag sei nur noch dazu da, um „das gefälligst abzunicken“. (dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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