Britta Haßelmann (r) im Austausch mit den Grünen-Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck.
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Britta Haßelmann (r) im Austausch mit den Grünen-Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck. Die 59-Jährige möchte neue Fraktionschefin werden.

Zweite Kandidatur bekannt

Nachfolge von Hofreiter und Göring-Eckardt: Grüne setzen auf Frauen-Doppelspitze in der Fraktion

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
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Die Bundestagsfraktion der Grünen soll fortan von zwei Frauen geführt werden. Nach Katharina Dröge gab nun auch Britta Haßelmann ihre Kandidatur bekannt.

Berlin - Die Grünen wollen sich nach der Bundestagswahl personell neu aufstellen. Das betrifft auch das Amt des Fraktionsvorsitzes. Wie nun bekannt wurde, will sich Britta Haßelmann für das Amt bewerben. Die Grünen setzen damit fortan wohl auf eine weibliche Doppelspitze.

Haßelmann und Dröge: Grüne planen weibliche Doppelspitze in der Fraktion

Haßelmann gab ihre Kandidatur nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in einem Schreiben an die Grünen-Abgeordneten bekannt: „Ich biete Euch meine Erfahrung an; als Kommunalpolitikerin, als Landespolitikerin und als Bundespolitikerin - und einfach als Eure Britta“, heißt es in dem Text der bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag. Die Wahl ist für den kommenden Dienstag (7. Dezember) geplant.

Vor Haßelmann hatte bereits die Wirtschaftsexpertin Katharina Dröge ihre Kandidatur erklärt*. Sie wolle das Team „gerne in den nächsten Jahren leiten, als eine von zwei Fraktionsvorsitzenden“, steht in einem Schreiben, das dem Münchner Merkur vorliegt. Dröge gehört dem linken Flügel an, Haßelmann zählt zu den Realos. Damit wären beide Parteiflügel in der Führungsspitze vertreten. Es wäre erst das zweite Mal seit dem Einzug der Grünen in den Bundestag 1983, dass die Fraktion von zwei Frauen geführt wird. Zwischen 2002 und 2005 waren Krista Sager und Katrin Göring-Eckardt Fraktionschefinnen. Nach der Geschäftsordnung der Fraktion muss mindestens eine der beiden Vorsitzenden eine Frau sein.

Linke und Realos - die zwei Flügel der Grünen

Innerhalb der Grünen gibt es zwei ausgeprägte Flügel. Der fundamentalistische Flügel (Linke) vertritt antikapitalistischere und systemkritischere Positionen. Die Realos gelten als „gemäßigter“ und wollen das politische System von innen heraus reformieren. Sie haben etwa weniger Probleme, mit der konservativen CDU/CSU zusammenzuarbeiten, während die „Fundis“ in den 1990er Jahren sogar einer generellen Regierungsbeteiligung kritisch gegenüber standen. Robert Habeck, Annalena Baerbock oder der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann werden den Realos zugeschrieben. Früher gab es intensive Streitigkeiten zwischen den beiden Positionen. Mittlerweile sind die Flügelkämpfe weniger geworden und nahezu beiseite gelegt. Unterschiede gibt es lediglich in einzelnen politischen Positionen.

Grüne: Was passiert mit Göring-Eckardt und Hofreiter?

Die bisherigen Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter wollen derweil nicht mehr kandidieren. Göring-Eckardt ist als Bundestagsvizepräsidentin im Gespräch. Eigentlich wurde Claudia Roth Ende Oktober ins Amt der stellvertretenden Bundestagspräsidentin gewählt. Die frühere Parteichefin ist allerdings als Kulturstaatsministerin im Kanzleramt vorgesehen. Hofreiter droht indes in die zweite Reihe der Partei zu verschwinden. Der gebürtige Münchner verlor das interne Duell um den Posten als Landwirtschaftsminister gegen Cem Özdemir. Hofreiter muss sich wohl mit einem Ausschussvorsitz begnügen*. (as) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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