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Supermärkte sollen um 20 Uhr schließen – um Energie zu sparen

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Von: Oliver Schmitz

Energiekrise: Tegut bringt kürzere Öffnungszeiten für Supermärkte ins Gespräch. Supermärkte sollen um 20 Uhr schließen. Bayern soll dabei Vorbild sein.

Fulda – Im Zuge der Energiekrise steht die Lebensmittel-Branche enorm unter Druck. Auch Supermärkte und Discounter könnten dadurch Probleme bekommen. Um im Zuge der steigenden Strom- und Gaskosten Energie einzusparen, hat die Supermarkt-Kette Tegut grundsätzlich kürzere Öffnungszeiten für die Branche gefordert. In einem Brief an die 16 Landesregierungen schlug Geschäftsführer Thomas Gutberlet vor, diese erstmal für drei Monate zu reduzieren – und das deutschlandweit. Das erklärte ein Unternehmens-Sprecher gegenüber 24RHEIN von IPPEN.MEDIA.

Aldi Nord verkürzt Öffnungszeiten wegen Energiekrise

Als erste deutsche Supermarkt-Kette hat Aldi Nord angekündigt, die Öffnungszeiten seiner Filialen im Winter 2022/23 zu verküzen.

Tegut
EigentümerMigros
HauptsitzFulda (Hessen)
LeitungThomas Gutberlet (Geschäftsführer)
Gründung1947
Filialen311
Anzahl der Beschäftigtencirca 7700 (2021)
Umsatz1,25 Mrd. € (2021)

Tegut fordert kürzere Öffnungszeiten: Supermärkte nur noch bis 20 Uhr geöffnet?

Nach der Idee von Tegut sollen sich die Supermarkt-Öffnungszeiten in den kommenden Monaten „am Beispiel Bayern“ orientieren. Heißt konkret: Lebensmittel-Geschäfte sollten nicht länger als 20 Uhr geöffnet haben. In zahlreichen andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen dürfen Supermärkte bis 24 Uhr öffnen.

Ladenöffnungszeiten der Bundesländer im Überblick

Montag – Samstag rund um die Uhr: Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein

Montag - Freitag rund um die Uhr, Samstag bis 22 Uhr: Mecklenburg-Vorpommern

Montag - Freitag rund um die Uhr, Samstag bis 20 Uhr: Thüringen

Montag – Samstag 6 bis 22 Uhr: Rheinland-Pfalz, Sachsen

Montag – Samstag 6 bis 20 Uhr: Bayern, Saarland

„Das ist ein Impuls, den wir geben wollten. Die Energiekrise war dafür der Auslöser“, sagt ein Unternehmens-Sprecher. Dabei gehe es erstmal darum, wie die Branche ihren Anteil am Energiesparen leisten kann. Mit seinen Mini-Filialen fährt Tegut derweil ein komplett entgegengesetztes Konzept. Die „Teo“-Märkte haben rund um die Uhr geöffnet, sie funktionieren ohne Personal.

Supermarkt-Szene, Uhr zeigt auf 8 Uhr (IDZRW-Montage).
Haben Supermärkte in Deutschland bald nur noch bis 20 Uhr geöffnet? (IDZRW-Montage). © allOver-MEV/Imago & Martin Wagner/Imago

Doch grundsätzlich möchte Tegut mit dem Vorschlag eine generelle Debatte über kürzere Öffnungszeiten für Lebensmittel-Geschäfte anstoßen. Die Idee: Die Branche wieder attraktiver zu gestalten. Denn laut Unternehmens-Sprecher gibt es ein wachsendes Personalproblem. Durch attraktivere Arbeitszeiten erhofft man sich also wieder mehr Bewerbungen. Zudem geht es laut Tegut um das Thema Nachhaltigkeit, da man so Ressourcen schonen würde – auch über die Energiekrise hinaus. Die Reaktionen auf die vorgeschlagenen kürzeren Öffnungszeiten fielen danach sehr unterschiedlich aus. Von „Schwachsinn“ bis „Wird auch Zeit“ ist alles dabei.

Kürzere Supermarkt-Öffnungszeiten: Verdi unterstützt Tegut-Vorschlag

Die Forderung für kürzere Öffnungszeiten hat Tegut komplett eigenständig initiiert. Doch könnten schon bald zahlreiche Discounter und Supermärkte in Deutschland ihre Öffnungszeiten verkürzen? Wie reagieren Rewe, Aldi, Lidl, und Co. auf den Vorschlag? Rewe zum Beispiele plane keine verkürzten Öffnungszeiten, berichtet wa.de. Bereits vor kurzem hatte ein Edeka-Händler im LZ-Interview gefordert, dass man „die langen Öffnungszeiten überdenken“ müsse. Und auch an den großen Einkaufszentren in NRW geht die Diskussion nicht spurlos vorüber. Der Ruhr Park Bochum reagiert mit Änderungen bei den Öffnungszeiten auf die Energiekrise, berichtet Ruhr24.

Die Gewerkschaft Verdi bezieht auf Anfrage klar Stellung. „Grundsätzlich sind wir natürlich dafür“, sagt ein Sprecher gegenüber 24RHEIN. Bereits „seit über 20 Jahren“ würde sich die Arbeitnehmerorganisation für verkürze Öffnungszeiten einsetzen. Laut Verdi-Sprecher würde der „Verdrängungswettbewerb“ in den Innenstädten „immer größer“, weshalb man den Vorschlag von Tegut unterstützt. Verdi möchte aber zu der Thematik zeitnah noch eine größere Stellungnahme veröffentlichen.

Supermarkt-Öffnungszeiten verkürzen: Bundesländer haben noch nicht reagiert

Und was sagt die Politik? Bisher noch gar nichts. Denn Tegut hat laut eigenen Angaben noch von keiner Landesregierung eine Antwort auf den Brief und somit den Vorschlag für kürzere Öffnungszeiten erhalten. Und das, obwohl dieser bereits Ende August abgesendet wurde. (os)

Lebensmittel-Branche warnt: Wegen Energiekrise drohen leere Supermarkt-Regale

Vor allem Lebensmittel-Hersteller haben stark mit den steigenden Strom- und Gaspreisen zu kämpfen. „Tausenden Betrieben“ droht nun sogar das Aus, warnte der Verband der Ernährungswirtschaft (VdEW) jüngst. Wenn der Worst-Case eintreffen würden, würden etliche Supermarkt-Regale leer bleiben. So oder so steigen die Lebensmittel-Preise bereits rapide an.

Dieser Text wurde am 22. September um 16:16 Uhr inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Stellungnahme von Verdi.

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