ARD-Moderator Frank Plasberg posiert im „Hart aber fair“-Studio und schaut in die Kamera.
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Diesmal ging es um Sprache: Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen über Regulierungen bei lange bekannten Wörtern.

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„Hart aber fair“ ohne Corona: Was darf man noch sagen? Heftige Diskussion um Pippi Langstrumpf

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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  • Marcus Giebel
    Marcus Giebel
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Ein Polit-Talk ohne Corona-Bezug - „Hart aber fair“ nahm sich diesmal einem anderen heiß diskutierten Thema an. Verbale Aussetzer nicht ausgeschlossen.

  • Immer montags diskutiert Frank Plasberg in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ mit seinen Gästen über ein aktuelles Thema.
  • Diesmal ging es um die deutsche Sprache - und speziell um verpönte Wörter.
  • Ein Begriff in den Pippi-Langstrumpf-Büchern sorgte für eine hitzige Debatte.

Update vom 5. Oktober, 22.14 Uhr: Am Montagabend wurde in der ARD heftig über Sprache debattiert: „Streit um die Sprache: Was darf man noch sagen und was besser nicht?“ lautete der Titel der Sendung. Frank Plasberg diskutierte dabei mit seinen Gästen auch über diskriminierende Begriffe. Bei einem Thema erhitzten sich die Gemüter.

Plasberg nahm Bezug auf den „Negerkönig“, der in Pippi Langstrumpf thematisiert wird. Die Autorin Astrid Lindgren wollte damit den Vater von Pippi beschreiben. Bereits vor einigen Jahren entfachte dann eine Debatte über die Rechtmäßigkeit des Begriffes. Forderungen wurden laut, das Wort aus den Kinderbüchern zu streichen. In der Runde herrschte in dieser Frage Uneinigkeit:

  • Stephan Anpalagan (Journalist und Theologe): „Ich würde den Begriff durch das Wort „Südseekönig“ ersetzen, weil wir ansonsten einen Begriff weiterleben lassen, der höchst problematisch ist.“
  • Stefanie Lohaus (Feministin und Publizistin): „Es kann gerne eine Fassung für Historiker geben, aber ansonsten sollte es geändert werden. Ich will nicht einem vierjährigen Kind diesen problematischen Begriff vorlesen.“
  • Svenja Flaßpöhler (Philosophin, Chefredakteurin „Philosophie Magazin“): „Ich finde es wichtig, darüber zu reden, womöglich sogar in den Ausgaben selber. Als historischer Beleg oder als Zitat sollte es möglich sein, dieses Wort zu nennen. Weil es eben ein historischer Begriff war.“
  • Jan Weiler (Schriftsteller und Kolumnist): „Unbedingt drin lassen. Wenn wir damit anfangen, Kunstwerke wie Literatur durchzustreichen, können wir auch der Venus von Milo (freizügige Skulptur der Göttin Aphrodite, d. Red.) einen Badeanzug umziehen, weil sie nackt ist. Man kann hinten im Buch eine Anmerkung einfügen.
  • Jürgen von der Lippe (TV-Moderator und Komiker): „Natürlich drin lassen. Ein Buch ist ein Zeitzeuge. Man kann das alles natürlich mit den Kindern bereden und sagen: Damals war das nicht so schlimm, heute sagen wir das nicht mehr. Aber ich kann doch nicht einfach in Büchern rum...“

Die Stimmlage der Diskussionsrunde wurde kontinuierlich lauter, sodass Plasberg einschreiten musste und das Thema wechselte. Auch fr.de berichtet über die Sendung. Es scheint sich um eine kontroverse Angelegenheit zu handeln. Was denken Sie? Stimmen Sie ab.

Hart aber fair: Bei Plasbergs Thema könnte manches verpönte Wort fallen - Twitter-User zitiert Interview von 2014

Erstmeldung vom 5. Oktober, 15.06 Uhr: München - Die Corona-Pandemie* überschattet aktuell im Grunde alles. Spätestens seit der Erkrankung von Donald Trump auch den US-Wahlkampf. So kommt seit Monaten auch kaum ein Polit-Talk* ohne einen Bezug zum neuartigen Virus Sars-CoV-2 aus. „Hart aber fair“ unternimmt an diesem Montag (5. Oktober) zumindest einen Versuch. Die ARD-Sendung mit Moderator Frank Plasberg stürzt sich auf ein Thema, das ebenfalls die Gemüter erhitzt: unsere Sprache. Beziehungsweise die steigende Zahl an verpönten Wörtern - sei es im Zusammenhang mit der aus den USA herübergeschwappten Rassismusdebatte* oder der Aufforderung zur Nutzung von geschlechtergerechter Sprache.

Der Titel der Ausgabe, die um 21.20 Uhr ausgestrahlt wird*, lautet: „Streit um die Sprache: Was darf man noch sagen und was besser nicht?“ Dazu zeigt der Sender eine Zigeunersauce, die derzeit um ihre lange Zeit bekannte Bezeichnung bangen muss. Mancherorts wurde sie schon in „Sauce ungarischer Art“ umbenannt. Zu sehen ist auf dem Foto auch das Schild des Berliner U-Bahnhofs Mohrenstraße.

Hart aber fair: Mehrere Hersteller bieten keine Zigeunersauce mehr an

Hart aber fair: Philosophin, Feministin und Komiker von der Lippe sind unter den Gästen

Als Gäste dieser Ausgabe von „Hart aber fair“* eingeladen sind der TV-Moderator und Komiker Jürgen von der Lippe - für seine Scharfzüngigkeit bekannt -, die Publizistin Stefanie Lohaus, die das feministische „Missy Magazine“ gegründet hat und mitherausgibt, der Journalist und Theologe Stephan Anpalagan, Mitbegründer der Unternehmensberatung „Demokratie in Arbeit“, der Schriftsteller und Kolumnist Jan Weiler, der den Begriff Emilismus als Umschreibung der Neigung von Eltern, ihren Kindern traditionelle Vornamen zu geben, erfunden hat, und die Philosophin Svenja Flaßpöhler, Chefredakteurin des Philosophie Magazin.

Zudem bittet Plasberg* den Koch Andrew Onuegbu, Inhaber des Restaurants „Zum Mohrenkopf“ zum Einzelgespräch. Dieser verteidigt den Namen seines Lokals gegen die gerade in dieser Zeit zunehmenden Widerstände. Im Interview mit dem norddeutschen Portal moin.de erklärte er seine Beweggründe: „Das stammt aus dem Mittelalter und bezeichnete damals einfach Menschen mit dunkler Hautfarbe. Ich bin selbst ein Mohr - und stolz darauf. Ich habe mir das nicht ausgesucht, ich bin so geboren.“

Zu Gast bei Frank Plasberg: Jürgen von der Lippe will sich in seiner Wortwahl nicht groß einschränken lassen.

Hart aber fair: Bei diesem Thema gibt es keinen Graubereich

Die ARD bewirbt ihre Sendung mit dem Hinweis auf die verschiedene Positionen - im Grunde gibt es bei dieser Thematik keinen Graubereich: „Man darf nicht mehr alles sagen, warnen die einen und wittern Zensur! Die anderen meinen: Von wegen, Begriffe wie Zigeunersauce oder Mohrenstraße sind rassistisch, müssen weg! Wer hat Recht? Und wer zensiert da wen, grenzt aus, schafft Tabus und Verbote?“

Bevor der verbale Schlagabtausch im Studio gesendet wird, ging es auf Twitter bereits rund. So befürchten mehrere User, dass die ARD mit der Diskussion vor allem am rechten Rand für leuchtende Augen sorgen dürfte. „Bei ‚Hart aber fair‘ darf man also heute mit einem Zwinkern das N- oder Z-Wort sagen. Das dürfte neben dem Moderatorenteam noch den Einen oder Anderen vor den Fernsehern aufgeilen“, befürchtet User „Human, Mensch, Insan“. Und „ferenc“ mutmaßt: „Ein Thema, das ewig Gestrigen unter den Nägeln brennt. (...) Als hätte man keine brennenden Themen 2020.“

Derweil ist „Bodo M.“ besonders gespannt auf die Wortwahl von Komiker von der Lippe. Er erinnert an einen Satz des 72-Jährigen aus einem „Spiegel“-Interview im Jahr 2014, dessen Hintergrund und Polarisierungs-Potenzial an Aktualität scheinbar nichts eingebüßt hat: „Wenn ich ‚Mit-Glieder‘ sage, müsste ich politisch korrekt doch auch ‚Mit-Mösen‘ sagen.“ Vielleicht darf sich die geeignete Zielgruppe am Abend an ähnlichen Ergüssen laben. (mg) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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