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Kanzleramts-Bau wird 177 Millionen Euro teurer als geplant

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Kanzleramt Berlin
Das Bundeskanzleramt soll erweitert werden. Der Anbau wird dabei teurer als bisher geplant. © Christophe Gateau/dpa

Das Bundeskanzleramt gilt schon jetzt als eine der größten Regierungszentralen der Welt. Weil die Mitarbeiterzahl sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt hat, soll es nun noch größer werden. Für den Steuerzahler wird das teuer.

Berlin - Der geplante Erweiterungsbau des Kanzleramts wird nach einer neuen Schätzung etwa 177 Millionen Euro mehr kosten als ursprünglich geplant. Nach Angaben aus Regierungskreisen vom Donnerstag werden für den Sandsteinbau mit etwa 400 Büros inzwischen 777 Millionen Euro inklusive einer „Risikovorsorge“ für weitere Kostensteigerungen veranschlagt. Bei der Entscheidung für den Neubau 2019 seien es noch 600 Millionen Euro gewesen.

Damit wird der Neubau deutlich teurer als das eigentliche Kanzleramtsgebäude, das 2001 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bezogen wurde. Im Bundeshaushalt waren damals ursprünglich 398,5 Millionen Mark veranschlagt worden, die tatsächlichen Kosten betrugen dann 513 Millionen Mark. Dies entspricht nach Regierungsangaben 542,9 Millionen Euro hochgerechnet auf den Preisstand Anfang 2022.

Damals zogen 410 Mitarbeiter in das Gebäude ein, das wegen seiner kantigen Architektur mit einem kreisrunden Bogen am zentralen Gebäude im Volksmund auch Bundeswaschmaschine genannt wird. Inzwischen ist die Belegschaft der Regierungszentrale auf 770 angewachsen, von denen sich 600 in das für nur 400 Mitarbeiter ausgelegte Gebäude zwängen. Die restlichen 170 verteilen sich auf drei weitere Standorte in Berlin.

Entscheidung für Erweiterung 2019 gefallen

Um alle Mitarbeiter an einem Ort zu konzentrieren, fiel 2019 die Entscheidung für den Erweiterungsbau - noch unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Im Kanzleramt spricht man von einer „Campuslösung“. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) entschied sich nach seiner Vereidigung im Dezember vergangenen Jahres, die Planungen fortzuführen.

Im ZDF-Sommerinterview verteidigte er den Neubau am vergangenen Wochenende. „Ich glaube, dass so eine lange vorbereitete Planung, die jetzt sehr weit fortgeschritten ist, auch zu Ende geführt werden muss“, sagte er. „Ich glaube es passt ein bisschen zu dem, was das Kanzleramt jetzt auch ausmacht.“ Es sei ein helles und freundliches Gebäude, ein Ort, zu dem die Bürger „auch gerne mal hinkommen können um zu sehen, wie hier gearbeitet wird“.

Im Kanzleramt ist man sich sicher, dass sich die Kosten auszahlen werden, weil die Konzentration der Arbeitsplätze an einem Ort die Produktivität steigere. Außerdem würden Kosten für die Auslagerung der Arbeitsplätze gespart, heißt es. Man habe sich angesichts der derzeitigen Krise zwar angeschaut, was ein Ausstieg aus dem Bauvorhaben bedeuten würde, „das aber nicht als Alternative gesehen“. Kritik, der Bau falle zu protzig aus, weist man in der Regierungszentrale zurück. „Das ist kein Protzbau. Es gibt keine goldenen Wasserhähne, keinen Swimmingpool“, heißt es in Regierungskreisen.

Kita, Hubschrauberlandeplatz, anhörsicheres Gebäude

Die Kostensteigerungen seien nicht auf neue Anforderungen des Kanzleramts zurückzuführen, sondern unter anderem auf die Erschließung eines Tunnels durch das Land Berlin. Im derzeitigen Kanzlergarten sollen auch eine Kindertagesstätte, ein Hubschrauberlandeplatz und ein abhörsicheres Gebäude für die Mitarbeiter entstehen, die für den Bundesnachrichtendienst zuständig sind.

Die Bauarbeiten werden bereits vorbereitet und sollen im kommenden Jahr beginnen. 2028 soll das bogenförmige Gebäude fertig sein. Es soll im derzeitigen Kanzlergarten auf der anderen Spreeseite vom Hauptgebäude aus gesehen entstehen und das sogenannte „Band des Bundes“ nach Westen abschließen. Zu diesem Gebäudeensemble gehören auch zwei Bauten des Bundestags, die sich im Osten an das Kanzleramt anschließen.

Vor diesem Hintergrund sieht Scholz in der Erweiterung des Kanzleramts auch eine gewisse Symbolik. Sie sei „mit einer ganz wichtigen demokratischen Geste“ verbunden, da das Band des Bundes „einmal quer zu all den Planungen (liegt), die Nazi-Deutschland hatte“, sagte er. Die Nazis wollten Berlin damals zu einer Reichshauptstadt „Germania“ mit gigantischen Bauten entlang von zwei Achsen machen. dpa

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