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„Eine Katastrophe“: Putin schickt hochrangigen General in die Ukraine

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Von: Nail Akkoyun

Der Ukraine-Krieg läuft aus der Sicht von Wladimir Putin schleppend voran, jetzt soll sich einer seiner Top-Generäle ein Bild von der Situation machen.

Moskau/Washington D.C. – Einem Bericht US-amerikanischer Geheimdienste zufolge, der Präsident Joe Biden vorliegen soll, plant Wladimir Putin seinen ranghöchsten General künftig vermehrt im Ukraine-Krieg einzusetzen. Bereits in der vergangenen Woche soll Valery Gerassimow im Südosten der Ukraine gewesen sein, um die russischen Truppen anzuspornen. Dabei könnte sich der General bei einem ukrainischen Angriff verletzt haben.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, sorge der Krieg im Nachbarland für zunehmend mehr Frustration bei dem russischen Staatsoberhaupt. Zudem fürchte Putin, dass Waffenlieferungen und ein stärkeres Engagement aus dem Westen doch noch eine herbe Niederlage im Ukraine-Konflikt herbeiführen könnten, berichtet das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek.

Ukraine-Krieg: Angriffe der russischen Streitkräfte erzielen nicht gewünschte Wirkung

Nahe Isjum in der Oblast Charkiw sollen sich die beiden Generäle Valery Gerassimow und Alexander Dwornikow, dem neu ernannten Befehlshaber der Donbass-Operation, zusammengesetzt haben. Die russische Armee kam vor Ort weiterhin nur langsam oder gar nicht voran, während die ukrainische Streitkräfte die russischen Angreifer teilweise sogar zurückdrängen konnten. Gegenangriffe der Invasoren hatten indes weitaus geringere Auswirkungen als von Moskau zunächst angenommen, heißt es weiter in dem US-amerikanischen Exposé.

Wladimir Putin und General Valery Gerassimow während eines Meetings des russischen Verteidigungsministeriums. (Archivfoto)
Wladimir Putin und General Valery Gerassimow während eines Meetings des russischen Verteidigungsministeriums. (Archivfoto) © Sergei Guneyev/Imago Images

Tote und verletzte Soldaten, Ausrüstungsverluste sowie unzuverlässige Versorgungslinien sowie schiere Erschöpfung hätten für ineffektive Angriffe der russischen Streitkräfte gesorgt. Selbst Luftangriffe hätten nicht die gewünschte Wirkung erzielt, da Russland seinen Vorrat an präzisionsgelenkter Munition erschöpft haben soll. Das Militär habe daher auf ungelenkte Freifallbomben zurückgreifen müssen. Die Tatsache, dass für einen Angriff auf einen Militärflugplatz bei Odessa russische Onyx-Schiffsabwehrraketen verwendet wurden, spricht ebenso für Engpässe auf russischer Seite.

US-Geheimdienstmitarbeiter bezeichnet Ukraine-Krieg als „Katastrophe“ für Russland

Während Wladimir Putin den russischen Gesetzgebenden, die sich am 27. April in St. Petersburg trafen, erklärte, dass „alle Ziele definitiv erreicht werden“, sehen Fachleute des US-Militärs die Lage kritisch. Generell sei fraglich, auf welche Ziele sich der russische Präsident beziehe: Die Aussicht auf einen Führungswechsel in Kiew scheinen unwahrscheinlich, die Offensive im Donbass laufe schleppend. Einzig die Einnahme der Hafenstadt Cherson sowie des inzwischen beinahe vollbesetzten Mariupols könne als Fortschritt betrachtet werden.

„Russland hat das Ziel, Charkiw einzunehmen, aufgegeben, da die ukrainischen Streitkräfte sie zurückdrängen“, sagte ein US-Geheimdienstmitarbeiter im Gespräch mit Newsweek. Nichts, was Russland unternehme, schwäche die Ukraine, sondern stärke nur ihre Moral. „Gerassimow mag das Schlachtfeld besucht haben, um die Truppen anzuspornen, aber ich hoffe, er hat auch ein paar Wodka-Shots gekippt und beklagt, dass Putins Krieg eine scheiß Katastrophe epischen Ausmaßes ist.“

Doch damit nicht genug: Wie mehrere britische Medien berichten, soll Gerassimow bei einem Angriff in der Ukraine verletzt worden sein. Noch in Isjum sei der General von einem Schrapnell, einer Artilleriegranate, am rechten Oberschenkel getroffen worden sein. Russischen Quellen zufolge seien die Splitter schnellstmöglich operativ entfernt worden, es habe keine Lebensgefahr bestanden. Die Angaben ließen sich unabhängig jedoch nicht überprüfen. (nak)

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