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Null-Covid-Strategie bremst Chinas Wirtschaft stark

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China
Chinas Volkswirtschaft leidet unter den strengen Corona-Maßnahmen. © Chen Jianli/Xinhua/dpa

Millionenstädte im Lockdown, Lieferketten unterbrochen, Betriebe stehen still: Die strengen Null-Covid-Maßnahmen in China lassen Industrieproduktion und Konsum einbrechen.

Peking - Die Beschränkungen durch die Null-Covid-Strategie bremsen in China die zweitgrößte Volkswirtschaft viel stärker als erwartet.

Die Industrieproduktion fiel im April überraschend um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt am Montag in Peking berichtete. Auch die Einzelhandelsumsätze brachen deutlicher als vorhergesagt sogar um 11,1 Prozent ein. „Es sind die schlimmsten Daten seit März 2020“, sagte der Vorsitzende der EU-Handelskammer, Jörn Wuttke, mit Blick auf den Beginn der Pandemie.

„Was passiert als nächstes?“

Wie alle leiden auch deutsche und andere europäische Unternehmen unter den ständigen Lockdowns, dem Rückgang des Güterverkehrs, der Stilllegung oder Verringerung der Produktion und der daraus folgenden Unterbrechung der Lieferketten. Auch die Unberechenbarkeit der Lage und die Willkür übervorsichtiger Behörden machen ihnen zu schaffen. „Die Unsicherheit macht alles sehr schwierig. Was passiert als nächstes? Wann wird der nächste Lockdown umgesetzt?“, sagte Wuttke. Unternehmen hassten Unberechenbarkeit und bräuchten Vorhersehbarkeit.

Vertreter der EU-Handelskammer aus einzelnen Regionen schilderten, dass unter ihren Mitgliedsunternehmen ein Umdenken stattfinde. Die Zahl derer, die China „weniger attraktiv“ finden, nehme zu, berichtete Massimo Bagnasco aus Chengdu in Südwestchina. Die Profitabilität leide. Reisen im Land seien riskant. Fachkräfte könnten nur schwer nach China geholt werden. China schotte sich ab. Unternehmen seien froh, wenn sie ihre Leute halten könnten, von denen immer mehr China verlassen wollten. Investitionen würden ausgesetzt. Verstärkt werde überlegt, außerhalb Chinas zu investieren. „Die Welt wartet nicht darauf, bis China wieder aufmacht“, sagte Wuttke.

Weiterhin keine Zulassung für westliche Impfstoffe?

Um das Blatt zu wenden, sei jetzt eine Impfkampagne wichtig, um die mehr als 100 Millionen nicht oder nur unzureichend geImpften Menschen in China über 60 Jahre zu schützen, forderte der EU-Kammerpräsident. Auch müssten westliche Impfstoffe zugelassen werden. „Aber anstatt die Impfungen der älteren Menschen zu beschleunigen, haben sie sich in Wirklichkeit verlangsamt“, schilderte Wuttke. „China ist weit von Herdenimmunität entfernt.“ Das erkläre auch die drakonischen Maßnahmen der Null-Toleranz-Politik.

Der wirtschaftliche Preis ist hoch. So deuten der Rückgang der industriellen Tätigkeit und des Konsums im April nach Ansicht von Experten darauf hin, dass der Abschwung in diesem Jahr stärker als erwartet ausfällt. „Die Daten für die Aktivitäten im April haben den Schaden durch die Lockdowns in Shanghai und anderen Teilen des Landes offengelegt“, schrieben Chang Shu und Eric Zhu in einer Analyse der Finanzagentur Bloomberg. „Die Auswirkungen sind viel breiter und tiefer als erwartet.“ Nach Angaben von Experten bekommt auch Deutschland die Lieferengpässe über höhere Preise zu spüren.

Millionen müssen im Homeoffice arbeiten

War China knapp zwei Jahre lAng recht gut durch die Pandemie gekommen, stellt die Ankunft der sich schnell verbreitenden Omikron-Variante die Null-Covid-Strategie auf eine harte Probe. Aus einem viertägigen Lockdown mit Ausgangssperren im 26 Millionen Menschen zählenden Wirtschafts- und Finanzzentrum Shanghai wurden bisher sechs Wochen. Millionen steckten auch in anderen Metropolen in ihren Wohnungen fest. In Peking sind zahlreiche Nachbarschaften abgeriegelt. Die meisten Geschäfte und viele U-Bahnhöfe der Hauptstadt sind geschlossen. Millionen müssen im Homeoffice arbeiten.

Trotz der schlechten Wirtschaftsdaten versuchte der Sprecher des Statistikamtes, Fu Linghui, vor der Presse in Peking aber eher Optimismus zu verbreiten: „Der Covid-Ausbruch im April hatte große Auswirkungen auf die Wirtschaft, aber die Folgen werden kurzfristig sein.“ Die guten langfristigen Grundlagen der chinesischen Wirtschaft seien unverändert. Wenn die Covid-Maßnahmen Fortschritte machten und die Politik zur Stabilisierung der Wirtschaft ihre Wirkung zeige, sei zu erwarten, dass sich die Konjunktur wieder schrittweise erhole.

Ob das Wachstumsziel der chinesischen Regierung von 5,5 Prozent aber noch erreicht werden kann, wird immer unsicherer. Die Vorgabe war zu Beginn schon optimistisch. Dann kamen die neuen Covid-Ausbrüche und die strikten Kontrollmaßnahmen hinzu, während die Weltwirtschaft durch Russlands Krieg in der Ukraine neue Rückschläge hinnehmen muss. dpa

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