Der Bundeskanzler von Österreich, Sebastian Kurz, spricht während eines Pressestatements in Wien zur aktuellen Lage hinsichtlich der Corona-Pandemie..
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Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich

„Für Antisemitismus darf es keinen Platz geben“

Mann geht mit Baseballschläger auf jüdischen Gemeindepräsidenten los - Sebastian Kurz „erschüttert“

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Auf eine Synagoge in Österreich hat es eine schwere Attacke gegeben. Die Regierung sprach ihre Solidarität mit Juden und Jüdinnen aus - der Täter wurde noch nicht gefasst.

  • Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Graz ist angegriffen worden.
  • Auch an der Synagoge der Stadt wurde randaliert.
  • Österreich verzeichnete im vergangenen Jahr hunderte antisemitische Vorfälle.

Wien - Nach Angriffen auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Graz , Elie Rosen, und die dortige Synagoge hat die österreichische Regierung mehr Polizeischutz für jüdische Einrichtungen zugesagt. Rosen war am Samstagabend vor der Synagoge von einem Mann mit einem Holzprügel attackiert worden. Rosen blieb unverletzt. Der Täter floh. Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigte sich „erschüttert“. Er versprach eine rasche Suche nach dem Täter.

Attacke auf jüdischen Gemeindepräsident in Graz (Österreich) - mit Baseballschläger

Rosen sagte der Nachrichtenagentur APA, er sei bei seiner Ankunft vor dem Gemeindezentrum auf einen Mann auf einem Fahrrad aufmerksam geworden, der einen Stein in der Hand gehalten habe. Als er ihn gefragt habe, was er vorhabe, sei der Mann mit einem Prügel auf ihn losgegangen.

Die Jüdische Gemeinde erklärte, Rosen habe sein Auto verlassen und sei dann angegriffen worden. Er habe sich „sich in letzter Minute in den PKW zurückflüchten“ können. Der Angreifer habe noch mit dem Baseballschläger auf das Fahrzeug eingeschlagen.

Prügel-Angriff in Graz: Gemeindepräsident beklagt zunehmenden Antisemitismus in Österreich

In der Nacht zum Samstag waren ein Fenster des Gemeindezentrums eingeschlagen und mehrere weitere beschädigt worden. Bereits am Mittwoch war die Synagoge mit pro-palästinensischen Parolen beschmiert worden. „Ein Zusammenhang mit den letzten Vorfällen rund um die Grazer Synagoge liegt nahe“, teilte die Polizei mit. Rosen sagte österreichischen Medien in dieser Woche, Graz habe es zunehmend mit linkem und israelfeindlichem Antisemitismus zu tun.

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Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen verurteilte die Attacke auf Rosen und die Schmierereien an der Synagoge. „Judenhass und Antisemitismus haben keinen Platz in unserer Gesellschaft. Meine Solidarität gilt allen in Österreich lebenden Jüdinnen und Juden“, twitterte er.

Antisemitische Vorfälle in Österreich: 550 im Jahr 2018 - die Hälfte von Rechtsextremen

Die Jüdische Synagoge in Graz wurde in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört. Nach mehr als 70 Jahren wurde die wiedererrichtete Synagoge im November 2000 auf den übrig gebliebenen Mauern am ursprünglichen Standort wiedereröffnet. Die jüdische Gemeinde in Österreichs zweitgrößter Stadt hat 150 Mitglieder.

Im vergangenen Jahr waren in Österreich 550 antisemitische Vorfälle gemeldet worden. Fast die Hälfte von ihnen ging nach offiziellen Angaben von Rechtsextremen aus. (AFP/dpa/frs) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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