SPD-Mann nennt erstes Ziel

„Pandemie wird länger dauern, als viele denken“: Lauterbachs erste Worte als Gesundheitsminister haben es in sich

  • VonBedrettin Bölükbasi
    schließen

Karl Lauterbach soll Gesundheitsminister werden. Neben einer düsteren Prognose zur Pandemie verdeutlichte er auch das zukünftige Vorgehen im Kampf gegen Corona.

Berlin/München - Der künftige Bundeskanzler Olaf Scholz* (SPD) hat die Minister der Sozialdemokraten in der Ampel-Koalition vorgestellt. Sechs Ministerien gehen dabei in der neuen Bundesregierung an die SPD: Innen und Heimat, Arbeit und Soziales, Verteidigung, Gesundheit, Bauen so wie Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Doch inmitten der kritischen vierten Welle der Corona*-Pandemie und der hohen Belastung des Gesundheitssystems wurde kein anderes Ministerium mit so viel Spannung erwartet, wie das Gesundheitsministerium. Nun steht fest: der Epidemiologe Karl Lauterbach* wird Gesundheitsminister in der neuen Bundesregierung. Seine ersten Worte direkt nach der Vorstellung durch Scholz hatten es in sich.

Lauterbach: Neuer Gesundheitsminister geht von langer Corona-Pandemie aus - „werden es aber schaffen“

Kurz und knapp begründete der designierte Bundeskanzler Scholz bei der Vorstellung Lauterbachs seine Entscheidung. Man müsse im Blick haben, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei sei, so Scholz. „Und deshalb haben sich - anders kann man das nicht sagen - bestimmt die meisten Bürger und Bürgerinnen dieses Landes gewünscht, dass der nächste Gesundheitsminister vom Fach ist, das wirklich gut kann und dass er Karl Lauterbach heißt. Er wird es”, sagte der künftige Bundeskanzler.

Mit Beifall trat schließlich Lauterbach in den Vordergrund und bedankte sich zunächst „für das Vertrauen der Partei und diese wichtige Aufgabe” zusammen mit den „vielen zustimmenden Worten” aus der Bevölkerung. Ohne weiteres äußerte er sich zur Corona-Pandemie. Sie müsse bekämpft werden, sagte der neue Gesundheitsminister und stellte hierzu eine finstere Prognose auf: „Die Pandemie wird länger dauern, als viele denken”.

Karl Lauterbach (SPD), designierter Bundesminister für Gesundheit, spricht bei der Vorstellung der SPD-Minister und -Ministerinnen durch den designierten Bundeskanzler Scholz (SPD), im Willy-Brandt-Haus.

Gleichzeitig zeigte sich der SPD-Politiker allerdings auch zuversichtlich. „Wir werden es aber schaffen”, hieß es von Lauterbach. Zwar werde Impfen dabei eine zentrale Rolle spielen, doch dies sei nicht die einzige Aufgabe. Daneben werde man auch das Gesundheitssystem stärken. „Mit uns wird es keine Leistungskürzungen im Gesundheitswesen geben. Ganz im Gegenteil, wir werden das System wieder robuster machen”, stellte Lauterbach klar.

Mit einem Ausblick in die Zukunft ging er von der Bühne ab: „Wir werden den Kampf mit der Pandemie gewinnen und für weitere Pandemien werden wir besser gerüstet sein, als wir für diese gewesen sind.” Auf spätere Nachfrage skizzierte Lauterbach noch das erste konkrete Ziel in der Pandemie-Bekämpfung. Die Fallzahlen müssten so stark heruntergebracht werden, „dass wir ohne die Menschen zu gefährden, Reisen empfehlen können“, betonte er. Darauf werde man großen Wert legen.

Lauterbach wird Gesundheitsminister: Ehemaliger SPD-Vize zufrieden - Twitter-Publikum gespalten

Gegenüber Merkur.de sagte der designierte Gesundheitsminister Lauterbach einst: „Natürlich kann ich mir vorstellen Gesundheitsminister zu werden. Ich gehe auch nicht davon aus, dass mich diese Aufgabe überfordern würde.“ Sein Wunsch ging damit in Erfüllung. In Zukunft wird der Epidemiologe am Ruder des Gesundheitsministeriums sitzen und den Kampf gegen die Pandemie an vorderster Front leiten. Jetzt kann er sich beweisen.

Der ehemalige SPD-Vize und Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner äußerte sich zur Ernennung Lauterbachs als neuer Gesundheitsminister. Er sei eine „exzellente Wahl“, hieß es im Statement gegenüber Merkur.de. Lauterbach sei ein „starker Fachmann mit großem parteiübergreifenden Respekt und enormer Popularität in der Bevölkerung“, führte der einstige Parteivize an.

Im Twitter-Publikum gingen die Meinungen auseinander. Während manche gratulierten und den Epidemiologen als die richtige Wahl sahen, gaben andere an, nun aus Deutschland ausreisen zu wollen. „Rette sich wer kann“ oder „Verlasst das Land, es ist endgültig verrückt geworden“, schrieben manche Nutzer.

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* beglückwünschte seinem designierten Nachfolger Karl Lauterbach zum künftigen Posten. „Lieber Karl Lauterbach, herzlichen Glückwunsch zu dieser wichtigen und schwierigen, doch auch sehr schönen Aufgabe“, schrieb der CDU-Politiker bei Twitter. „Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und eine glückliche Hand. Denn es geht um unser Land. Die Bewältigung dieser Pandemie bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe.“

Am Mittwoch (8. Dezember) ist die Ernennung und Vereidigung des neuen Bundeskabinetts vorgesehen. Im Vorfeld soll der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz vom Bundestag zum Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel*(CDU) gewählt werden. (bb) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

Das könnte Sie auch interessieren