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Russisches Militärmanöver gescheitert: „Ein bedeutender Rückschlag“

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Von: Teresa Toth

Rund 60 russische Fahrzeuge haben ukrainische Truppen bei dem Angriff auf eine Pontonbrücke zerstört.
Rund 60 russische Fahrzeuge haben ukrainische Truppen bei dem Angriff auf eine Pontonbrücke zerstört. © Verteidigungsministerium der Ukraine/dpa

Russische Truppen scheitern bei dem Versuch, den Siwerskyj-Donez-Fluss zu überqueren. Ein Militärexperte analysiert, welche Auswirkung das Debakel auf Russland hat.

Bilohorivka – Obwohl das ukrainische Militär der russischen Armee zu Beginn des Ukraine-Kriegs als deutlich unterlegen eingestuft wurde, kann es russischen Angriffen überraschend viel entgegensetzen. So erzielte die Ukraine bereits militärische Erfolge an der Schlangeninsel, bei Charkiw und bei Bilohoriwka. Nun gelang ihr ein weiterer großer Schlag gegen die angreifenden Truppen aus Russland.

Russische Soldaten versuchten mit einer so genannten Pontonbrücke, die aus mehreren Pontons, Schiffen, Booten oder anderen Schwimmkörpern besteht, den Fluss Siwerskyj Donez nahe Bilohorivka zu überqueren. Der ukrainischen Armee gelang es am Donnerstag (12. Mai) jedoch, das Überqueren zu verhindern, indem sie die Brücke zerstörten. Experten zufolge versenkten und zerstörten sie dabei um die 60 Fahrzeuge des russischen Bataillons. 1500 russische Soldaten kamen einem ukrainischen Offizier ums Leben – unabhängige Beobachter sprachen von mehreren Hundert Toten.

Manöver im Ukraine-Krieg am Fluss Siwerskyj Donez: In der Regel sechs Phasen nötig

Mick Ryan, ein Ex-General und Militärexperte, hat das Manöver analysiert. In mehreren Beiträgen auf Twitter beschreibt er, wie eine Flussüberquerung abläuft und was das Scheitern für die russische Armee bedeutet. Ryan zufolge handelt es sich bei einer solchem Flussüberquerung um eines der anspruchsvollsten militärischen Vorgehen. Das wisse er aus eigener Erfahrung. Als er selbst beim Militär war, lag seinem Kommandeur besonders viel daran, ebensolche Flussüberquerungen zu trainieren. „Wenn wir als Brigade erfolgreich Flussüberquerungen durchführen können, können wir auch jede andere kombinierte Waffenmission durchführen“, begründete der Kommandeur das Training laut Ryan. „Er hatte Recht.“, so der Militärexperte. Dies liege vor allem daran, dass die Truppen bei einer Überquerung – egal wie gut sie getarnt sind – extrem verwundbar sind.

Daher benötige es besonders viel Planung und Organisation. In der Regel gliedert sich eine Flussüberquerung in sechs Phasen, erklärt Ryan. Zunächst müsse geklärt werden: „Warum wird die Operation benötigt, wo wird sie durchgeführt, wie sieht die Folgemission auf der anderen Seite des Flusses aus, und welche Informationen werden benötigt, um alles zusammenzuführen?“ Anschließend folgt die sogenannte Unterdrückung: Sie soll verhindern, dass die gegnerischen Truppen die Überquerungsstelle überwachen und beschießen können.

In der dritten Phase kommen Störsender, Rauch oder Täuschungsmanöver zum Einsatz, sodass der Feind nicht sieht, was an der Überquerungsstelle passiert. Die vierte Phase nennt Ryan „Sicherung“: „In dieser Phase sichern die Streitkräfte die Zufahrtswege zur Kreuzungsstelle, die Sammelplätze sowie das Haupt- und Nebenufer der Kreuzung“, schreibt der Ex-Soldat auf Twitter. In der vorletzten Phase folgt die Anfertigung der Brücke, sodass im letzten Schritt der Angriff erfolgen kann. „Die Truppen überqueren die Brücken und verteilen sich auf der anderen Seite, um den weiteren Vormarsch vorzubereiten“, erklärt Ryan.

Ukraine-Krieg: Mit gescheiterter Überquerung verliert Russland eine Vormarschachse

Da es für eine erfolgreiche Flussüberquerung neben einer präzisen Planung besonders viele Ressourcen bedarf, findet ein solches Manöver Ryan zufolge nur dann statt, wenn es absolut notwendig ist – wenn sich der Fluss also auf einer Vormarschachse befindet. Ryan ist sich somit sicher, dass sie mit dem Manöver die Hauptachse ihres Vormarschs in der Ukraine stärken wollten.

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Neben dem Verlust wichtiger Ressourcen durch die ukrainische Abwehr dürfte dieser Aspekt das russische Militär am härtesten getroffen haben: „Dass die Russen durch die Niederlage bei dieser Flussüberquerung eine Vorstoßachse verloren haben, von der sie offensichtlich dachten, dass sie für ihre Ostoffensive produktiv sein würde, ist ein bedeutender Rückschlag für sie“, beton Ryan. (tt)

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