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Ukraine-Krieg nach möglichem Putin-Tod: „Russland wird weiter töten“

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Von: Lucas Maier

Ukraine-Krieg: Patrick Desbois untersucht mögliche Verbrechen von Russland.
Ukraine-Krieg: Patrick Desbois untersucht mögliche Verbrechen von Russland. (Archivbild) © ZUMA Wire/IMAGO

Der Ukraine-Krieg tobt bereits seit mehreren Monaten. Russland werden immer wieder Kriegsverbrechen vorgeworfen. Priester warnt vor Versteifung auf Putin.

Kiew - Für seine Arbeit zum Holocaust ist Patrick Desbois weltweit anerkannt, jetzt ist der in der Ukraine und untersucht zusammen mit der jüdischen Gedenkstätte Babyn Jar Kriegsverbrechen von Russland. Der französische Priester hat sich am Mittwoch (22. Juni) in einem Interview zum Ukraine-Krieg geäußert, wie newsweek.com schreibt.

Die Dokumentation von den NS-Verbrechen in Osteuropa machte den katholischen Priester bekannt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich im Jahre 2022 an diesem Ort wieder Kriegsverbrechen untersuchen muss“, sagte Desbois laut der Jüdischen Allgemeinen bereits im März 2022.

Ukraine-Krieg: „Wie kann man sie nicht hassen?“

Im aktuellen Interview mit Pravda fand Desbois starke Worte, um den Angriff von Russland auf die Ukraine zu beschreiben. In der Ukraine will er Berichte von Zeuginnen und Zeugen russischer Kriegsverbrechen sammeln. Nur wenn die Stimmen der Betroffenen bewahrt werden, kann sich den Verbrechen entgegengestellt werden, sagte der Pater laut Jüdischer Allgemeinen.

Hass lässt sich nicht vermeiden. Sie kamen in die Ukraine, töteten Kinder, vergewaltigten Frauen, plünderten, zerstörten alles, wie kann man sie danach nicht mehr hassen?

Patrick Desbois

Der Hass sei die Motivation, gegen die Angreifer aus Russland zu kämpfen. Doch der Priester riet zur Vorsicht: „Sie [die Ukrainer:innen] müssen verstehen, dass sie [die Russen], selbst wenn Wladimir Putin stirbt, immer noch tödlich sein werden.“

Video: UN sieht in der Ukraine Hinweise auf Kriegsverbrechen

Verbrechen von Russland: Internationale Strafgerichtshof ermittelt

Nicht nur Desbois und sein Verein Yahad-In-Unum sind derzeit in der Ukraine aktiv. Auch der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) prüft die Vorwürfe von Kriegsverbrechen, die gegenüber Russland erhoben werden. „Die Ermittlungen befinden sich noch in einem frühen Stadium“, gab einer der Staatsanwälte des IStGH gegenüber PBS News Hour.

Auch Amnesty International dokumentierte bereits mutmaßliche Kriegsverbrechen durch Russland im Ukraine-Krieg. Hierzu zählen auch rechtswidrige Luftangriffe, wie Newsweek.com schreibt. Die Stimmung der Solidarität mit der Ukraine verglich Desbois mit der Antikriegsbewegung während des Vietnam-Krieges. Abschließend mahnte der Priester, dass diese jedoch wirkungslos sei, „wenn wir uns nicht immer wieder an die zivilen Opfer erinnern würden.“ (Lucas Maier)

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