Norbert-Walter Borjans sitzt mit Theo Koll an einem Tisch. Im Hintergrund sieht man den Köllner Dom.
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SPD-Chef Norbert Walter-Borjans im ZDF-Sommerinterview.

Ein Links-Bündnis ist nicht ausgeschlossen

ZDF-Sommerinterview: Norbert Walter-Borjans verteidigt Scholz-Nominierung - und nennt SPD-Wahlziel

  • Thomas Eldersch
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SPD-Chef Norbert Walter-Borjans ist zu Gast bei der ZDF-Sendung „Berlin Direkt“. Im Sommerinterview geht es unter anderem darum, wie die SPD zu alter Stärke finden kann.

  • SPD-Chef Norbert Walter-Borjans ist zu Gast bei der ZDF-Sendung „Berlin Direkt“.
  • Im Sommerinterview spricht er unter anderem über seine Ziele mit der SPD.
  • Die Nominierung von Olaf Scholz war ein richtiger Schritt.

Update vom 16. August, 19.39 Uhr: Vor etwas über einem halben Jahr waren sie noch Konkurrenten um den SPD-Chefsessel, jetzt gehen Olaf Scholz, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken gemeinsam in den Wahlkampf für die Bundestagswahlkampf 2021. Das Ziel des 67-jährigen Walter-Borjans ist es 30 Prozent der Wähler von den Sozialdemokraten zu überzeugen, das bekräftigte er erneut im ZDF-Sommerinterview in der Sendung „Berlin Direkt“ mit Theo Koll. Doch den ZDF-Journalisten interessierte weniger die fast utopisch wirkende Zielsetzung, als mehr das Verhältnis der drei untereinander. „War es ein Eingeständnis des Versagens den damals unterlegenen Scholz zum Kanzlerkandidaten zu machen oder ein Coup?“, wollte Koll wissen. Walter-Borjans gab sich überzeugt, dass er mit der Nominierung sowohl den Wähler als auch die Genossen hinter sich hat. „In der Kombination ist es ein Coup.“ Obwohl er nicht immer ein Scholz-Fan war, gab der 67-Jährige zu. „Vor 15 Jahren hätte ich nicht mit ihm zusammengearbeitet.“

Norbert Walter-Borjans hätte mit einem Olaf Scholz von vor 15 Jahren nicht zusammengearbeitet.

Ein Problem hat Walter-Borjans auch mit alten Parteigrößen, die in Vergangenheit mit Negativ-Schlagzeilen von sich aufmerksam machten. Beispielsweise sieht Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder die Nominierung von Olaf Scholz kritisch. Die CDU hätte dadurch die Kanzlerschaft schon sicher. „Da irrt Schröder“, sagt der SPD-Chef im Sommerinterview. Und auch mit den Geschäften eines seines Vorgängers, Sigmar Gabriel, ist er nicht ganz zufrieden. „Der Respekt gegenüber diesen Männern ist noch da, aber ich würde mich von Interessenvertretungen fernhalten“, sagt Walter-Borjans. Sein Vorbild sei in dieser Hinsicht eher der ehemalige Bundesvorsitzende der SPD, Franz Müntefering.

ZDF-Sommerinterview: Koalition mit der Linken ist nicht ausgeschlossen

Obwohl sie zu den unbeliebtesten möglichen Koalitionen zählt - das Mitte-Links-Bündnis von SPD, Grüne und Linke -, so formulierte es Moderator Koll, würden sowohl Saskia Esken als auch Walter-Borjans so ein Bündnis nicht ausschließen. „Politik muss wieder unterscheidbar werden“, war die Begründung des 67-Jährigen. Damit gibt der SPD-Chef einer weiteren Großen Koalition gewissermaßen eine Absage, wie auch hamburg24.de berichtet*. Er sei aber bereit mit jeder demokratischen Partei Gespräche zu führen. „Die Linke ist demokratisch. Die AfD ist es nicht.“

Linken-Chefin Katja Kipping hat eine 30-Stunden-Woche ins Gespräch gebracht.

Über bestimmte Punkt, die die Linken fordern, müsse bei einer möglichen Koalition noch einmal diskutiert werden, so Walter-Borjans. Beispielsweise eine bundesweite Einführung der 30-Stunden-Woche bei gleicher Bezahlung, wie es Linken-Chefin Katja Kipping jüngst forderte. Der SPD-Chef betonte aber, „ich gehe mit der SPD in den Wahlkampf und kämpfe für unsere Ziele“. Bei einem Punkt sind sich Kipping und Walter-Borjans aber einig, es müsse in Deutschland eine Vermögenssteuer geben.

Ein Sommerinterview gab am Sonntag auch Grünen-Chef Robert Habeck.

ZDF-Sommerinterview: Ziel von Norbert Walter-Borjans für die SPD ist 30 Prozent der Wählerstimmen

(Erstmeldung) Köln - Seit etwas über einem halben Jahr steht Norbert Walter-Borjans (67) zusammen mit Saskia Esken inzwischen an der Spitze der SPD. An den Umfragewerten der Sozialdemokraten hat der Wechsel in der Parteiführung bisher jedoch kaum etwas geändert. Jetzt spricht Walter-Borjans im ZDF-Sommerinterview der Sendung „Berlin Direkt" aber davon, die Partei wieder auf alte Höhen führen zu wollen. Außerdem erklärt der 67-Jährige wie er die beiden Flügel der ältesten Partei Deutschlands unter einen Hut bringen will.

ZDF-Sommerinterview mit Norbert Walter-Borjans: Ehrgeiziges Ziel für kommende Bundestagswahl

Erst vergangene Woche hat die SPD-Spitze ihren Kandidaten um das Kanzleramt für die Bundestagswahl 2021 bekannt gegeben. Bundesfinanzminister Olaf Scholz soll der Nachfolger von Angela Merkel* werden, wenn es nach den Sozialdemokraten geht. Für viele Parteimitglieder und für den politischen Gegner eine überraschende Entscheidung. Vor allem, weil Scholz noch Ende vergangen Jahres im Kampf um die Parteiführung gegen die eher links eingestellten Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken verloren hat. Und so wird es wohl auch in dem Sommerinterview um die Ausrichtung der Partei vor der Wahl gehen. Walter-Borjans macht sich mit seiner Co-Vorsitzenden Saskia Esken für ein Linksbündnis stark. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz steht für einen Kurs der Mitte.

Ein anderes Ziel des 67-Jährigen ist es die SPD* wieder zurück auf alte Höhen zu führen. Dabei visiert er ein ehrgeiziges Ziel an - 30 Prozent der Wählerstimmen bei der Bundestagswahl 2021 zu erlangen. „Die 30 Prozent sind eine Orientierungsmarke, die kommt aus einer ganz einfachen Quelle. Es gibt viele Umfragen, in den Menschen gefragt werden, welcher Partei stehst du eigentlich traditionell am nächsten. Und das sind nach wie vor stabil 30 Prozent und etwas mehr für die SPD“, so Walter-Borjans. Allerdings: „Es ist ein dickeres Brett als ich vielleicht am Anfang gedacht habe.“

ZDF-Sommerinterview mit Norbert Walter-Borjans: Umfragewerte steigen seit Scholz-Kandidatur

Neuste Umfragewerte untermauern die Pläne von Walter-Borjans. So konnte die SPD in der neusten Sonntagstrend-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar für die Bild am Sonntag drei Prozent-Punkte dazu gewinnen. Sie startete aber auch aus einem historischen Tief von 15 Prozent und liegt jetzt bei 18. Und auch im direkten Vergleich mit der CDU-Konkurrenz kommt Olaf Scholz gut weg. Nur einer kann ihm Stand halten.

Die Pläne des 67-Jährigen, als eine geeinte SPD in den Wahlkampf im kommenden Jahr zu gehen, werden nicht einfach umzusetzen sein. Das zeigt unter anderem ein Interview mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke: „Wenn die SPD Wahlen gewinnen will, reicht es nicht, nach links zu schielen. Die SPD muss Wahlen auch in der Mitte gewinnen.“ Woidke weiter: „Es gibt keine linke Politik und keine Politik der Mitte, es gibt gute und schlechte Politik für die Menschen.“ Er warb für eine weitere Regierungsbeteiligung der SPD nach der Wahl im Herbst 2021. „Wenn ich die Lage der Menschen in Deutschland verändern will, muss ich regieren.“ Das schließt auch eine weitere Große Koalition nicht aus. (tel) *Merkur.de und hamburg24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Die Sommerinterview läuft am Sonntagabend auf ZDF. Los geht es um 19.10 Uhr.

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