Schad(?)stoffe in Kosmetika – Wirklich gefährlich oder Panikmache?

21. März 2015
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Immer wieder hört man von schädlichen, giftigen oder gar krebserregenden Stoffen in Kosmetik und Hygieneprodukten. Verbraucher sind verunsichert. Wir haben deshalb recherchiert, wie schädlich einige dieser in Verruf geratenen Stoffe wirklich sind: Finger weg oder doch alles nur Panikmache?

Aluminiumsalze

Verwendung: Aluminiumsalze werden vor allem als Antitranspirant in Deosprays verwendet, da sie die Poren verstopfen und so den Schweißaustritt hemmen.

Problematik: Ein Deo mit Aluminiumsalzen kann, besonders gleich nach dem Rasieren, zu Juckreiz und sogar zu Entzündungen führen. Obwohl es äußerlich angewandt wird, sammelt es sich außerdem im Körper. Aluminium wird mit einem erhöhten Alzheimer- und Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht.

Fazit: Aus Vorsicht sollten Sie lieber zu den aluminiumfreien Alternativen greifen. Allerdings sind Deosprays, die Aluminiumsalze enthalten leider noch die einzige geläufige Methode um starkes Schwitzen einzudämmen. Wer also nicht ganz von ihnen lassen kann, sollte sie zumindest nicht täglich und nicht auf frisch rasierten Achseln anwenden.

Formaldehyd und seine Abspalter

Verwendung: Aus preislichen Gründe sind Formaldehyd und seine Abspalter, die unter bestimmten Umständen Formaldehyd freisetzen, in der Kosmetikindustrie als Antiseptikum und Konservierungsstoff sehr beliebt. Es kommt deshalb in verschiedensten Kosmetikprodukten zum Einsatz: in Nagellacken und -härtern, Cremes, Shampoos, Flüssigseifen, Haarwuchs und -färbemitteln oder auch Selbstbräunern.

Problematik: Als wäre es nicht schon genug, dass die Chemikalie zu Allergien, Gedächtnis- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Asthma, chronischer Müdigkeit, Gelenkschmerzen oder Haarausfall führen kann, ist Formaldehyd auch noch krebserregend.

Diazolidinyl Urea, Imidazolidinyl Urea, Polyoxymethylene Urea, Bronidox, Bronopol, Diazolidinyl-Harnstoff, 2-Bromo-2-Nitropropane-1,3-Diol, 5-Bromo-5- Nitro1,3-Dioxane und Dimethyl Oxazolidine, sowie Substanzen mit den Buchstaben MDM, DM, DMDM, DMHF oder DEMD davor sind Formaldehyd-Freisetzer. Formaldehyd kann außerdem unter der Bezeichnung Formalin oder Formol oder als Bestandteil von anderen Stoffen wie Hydantoin oder Sodium Lauryl Sulfaten gefunden werden.

Fazit: Formaldehyd ist ein sehr giftiger Stoff, den man auf jeden Fall umgehen sollte. Leider fällt es aufgrund der verschiedenen Formaldehydabspalter schwer, die Chemikalie in Kosmetika zu enttarnen. Apps, wie zum Beispiel diese können helfen.

Paraffine

Verwendung: Die aus Erdöl gewonnenen Paraffine, auch Mineralöle genannt, werden in vielen Kosmetikprodukten verwendet, da sie nicht nur günstig, sondern auch gleichbleibend in der Qualität sind. Da Mineralöle einen (nicht wasserlöslichen) Film auf die Haut legen, entsteht ein weiches Hautgefühl.

Problematik: Der Film, der sich auf die Haut legt, führt zu einem Hitzestau, da er die natürliche Hautatmung hindert und so keine Kühlung durch Verdunstung stattfinden kann. Da sich die Blutgefäße durch diesen Hitzestau permanent überdehnen, ist diese Wirkung besonders bei Rosazea- und Couperose-Patienten sichtbar.

Ein weiteres Problem ist der durch die Wärme erhöhte Feuchtigkeitsverlust der Haut. Unter dem Film verdunstet die Feuchtigkeit aufgrund der Wärme schneller und entweicht bei der Gesichtreinigung, wenn dieser aufgebrochen wird. Die Haut kann trocken werden und spannen.

Da der Ölfilm die Haut praktisch versiegelt, bleibt auch der überschüssige Talg auf der Haut und verstopft die Poren. In Verbindung mit dem Hitzestau und dem Feuchtigkeitsverlust ist das eine ideale Grundlage für Bakterien, was zu Mitessern und anderen Hautunreinheiten führt.

Außerdem ist nachgewiesen, dass der Säureschutzmantel der Haut von den Paraffinen angegriffen und langfristig sogar zerstört wird. An verschiedenen Versionen der Worte Mineralöl, Paraffin, Petrolatum oder auch Vaselinöl erkennen Sie Paraffine.

Fazit: Der Gesundheit schaden Paraffine zwar nicht direkt, sie haben jedoch keinerlei Pflegeeigenschaften und können je nach Hautbeschaffenheit zu Unreinheiten oder trockenen Stellen führen. Kein idealer Bestandteil von Pflegeprodukten also.

Silikone

Verwendung: Silikone dienen als Weichmacher und sind vor allem in Haarpflegeprodukten und Cremes enthalten. Da sie in verschiedenste Rezepturen eingemischt werden, ermöglichen sie eine billige Massenproduktion. Ähnlich wie bei Mineralölen bilden Silikone einen Film, der für ein samtweiche Haut und seidiges Haar sorgt.

Problematik: Der Film, den Silikone nach mehrmaliger Anwendung auf die Haut legen, ähnelt in seinen Effekten einer Plastikfolie: Die Haut wird regelrecht versiegelt, der Nährstoffaustausch wird behindert. Die Auswirkungen sind ähnlich wie bei den Paraffinen. In der Haarpflege angewandt versiegeln Silikone die Haare und verhindern so, dass Feuchtigkeit an diese gelangt, die Haare trocknen aus.


Während Silikone für ein angenehmes Gefühl und schönes Aussehen sorgen, pflegen sie nicht und sollen das Haar außerdem beschweren.

Silikone können Sie an den Endungen „-cone“ oder „-xane“ erkennen. Besonders Haarpflegeprodukte ohne Silikone sind oft als silikonfrei ausgeschrieben.

Fazit: Mit den Silikonen sieht es ähnlich aus wie bei den Paraffinen: Zwar richten sie keinen gesundheitlichen Schaden an, jedoch pflegen sie auch nicht. Außerdem belasten sie die Natur, da sie nicht biologisch abbaubar sind. Je nach Verträglichkeit müssen Sie hier für sich selbst entscheiden.

Parabene

Verwendung: Parabene kommen in manchen Kosmetikprodukten als Konservierungsstoffe zum Einsatz.

Problematik: Parabene sollen (eher selten) allergen wirken. Außerdem stehen sie in Verdacht brustkrebserregend zu sein.

Fazit: Besonders bei empfindlicher Haut sollte man wegen der allergenen Wirkung vorsichtig sein. Die krebserregende Wirkung ist zwar noch nicht bewiesen, die Deutsche Krebsgesellschaft rät jedoch vom Verbrauch parabenhaltiger Kosmetik ab.

Tenside

Verwendung: Tenside wie Sodium Laureth Sulfate (SLS) oder Sodium Lauryl Sulfate (SLES) haben eine stark schäumende und scharf reinigende und auch fettlösende Wirkung. Die beiden Tenside sind in Duschgelen, (Baby!-)Shampoos, Cremes und auch Zahnpasta enthalten.

Problematik: SLS und SLES entfetten und irritieren die Haut und können zu allergischen Reaktionen und Hautproblemen führen. Außerdem wird ihnen nachgesagt, dass sie als aggressives Reinigungsmittel den Haarwuchs hemmen. Beide Stoffe können in Shampoos und Reinigungsmitteln mit anderen Inhaltsstoffen möglicherweise zu krebserregenden Dioxinen und Nitraten reagieren. Es gibt jedoch keine wissenschaftliche Studie, die SLS und SLES als krebserregend einstuft.

Fazit: Dass eine zu scharfe Reinigung zu Hautproblemen (Trockenheit oder Unreinheiten, je nach Hautbeschaffeneheit) führen kann, ist bekannt. Wer SLS und SLES deshalb umgehen möchte, der wird zu Naturkosmetik, welche mit Zucker- oder Kokostensiden arbeitet, greifen müssen. Diese sind sanfter, schäumen aber auch weniger.

Polyethylenglykol

Verwendung: Polyethylenglykole (PEGs) werden in verschiedenen Produkten, von Gesichtswassern über Shampoos bis hin zu Cremes und Salben, als Emulgatoren und Rückfetter verwendet. Beliebt sind sie in der Kosmetikindustrie wegen ihres günstigen Preises und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.

Problematik: PEGs reagieren nicht nur im Produkt mit Fett und Feuchtigkeit, sondern auch mit unserer Haut, deren natürliche Barrierefunktion dadurch beeinträchtig wird. So wird unsere Haut zwar durchlässiger für die in Kosmetika enthaltenen Pflegestoffe, allerdings auch für Schadstoffe und Umweltgifte.
Die synthetischen Stoffe stören außerdem den Abwehrorganismus, sobald sie erst einmal in den Körper gelangt sind. Die Haut kann vorzeitig altern, es kann zu Irritationen, Neurodermitis, Allergien, Rötung von Augen und Schleimhäuten kommen.

Problematisch ist des Weiteren, dass sich die Reaktion im Produkt selbst nicht genau steuern lässt, es kann zu Nebenwirkungen kommen: Laureth-9 (PEG 450) zum Beispiel wird in der Medizin auch als lokales Anästhetikum verwendet. Da es auf der Haut angewandt natürliche Warnsignale, wie zum Beispiel jucken und brennen, unterdrücken kann, stuft das Bundesinstitut für Risikobewertung Produkte, die diesen Stoff enthalten, als gesundheitlich bedenklich ein.

Von der Natur sind PEGs außerdem nur schwer abbaubar. Man erkennt sie in Produkten an den „PEG“ oder „-eth“ in Verbindung mit einer Zahl.

Fazit: PEGs müssen nicht sein und sollten es auch nicht. Sofern möglich, sollten Sie eher zu natürlichen Alternativen wie Emulgatoren aus Pflanzenzuckern und Fettsäuren greifen.

Talkum

Verwendung: Talkum ist ein Mineral, welches in verschiedensten Pudern (Körperpuder, Rouge, Bronze- und auch Babypuder) verwendet wird, um Talg zu absorbieren und so einen unschönen Glanz im Gesicht zu verhindern.

Problematik:
Bei der Verarbeitung des Talkgesteins zu Puder gehen Spurenelemente verloren, das Endprodukt enthält Fasern, die Asbest sehr ähnlich sind. Wird es eingeatmet, kann Talkum zu Entzündungen unserer Atemwege bis hin zu Lungenkrebs führen. Im Intimbereich angewandt erhöht das feingemahlene Pulver das Eierstockkrebs-Risiko um das drei- bis vierfache.

Fazit:
Vermeiden Sie Produkte, in denen Talkum enthalten ist, bestenfalls komplett. Besonders für Babys und Kleinkinder ist es gefährlich, wenn diese Talkum einatmen.

Bevor Sie nun Ihren kompletten Kosmetikschrank ausräumen und verzweifelt nach absolut schadstofffreier und trotzdem wirksamer Kosmetik suchen, wollen wir darauf hinweisen, dass es auch auf die Menge ankommt, in denen die Stoffe vorkommen. Auch die Menge und Zusammensetzung der schädlichen Stoffe in einem Produkt kann entscheidend sein.


Bei der Entscheidung für oder gegen ein Produkt kann Ihnen zum Beispiel Codecheck behilflich sein.