Bahnhofstest: Flieden und Neuhof gut, dahinter geht es steil bergab

18. August 2014
Region

In einer großen Testaktion haben wir für Sie alle Bahnhöfe und Bahn-Haltepunkte der Region unter die Lupe genommen. Den Auftakt unserer Themenwoche Bahnhöfe machen heute die Stationen an der Strecke nach Frankfurt von Neuhof bis Bad Soden-Salmünster.

Wenn die Regionalzüge von Fulda gen Frankfurt fahren, so passieren sie in Sachen Bahnhöfe Licht und Schatten. Während die Anlagen in Neuhof und Flieden in den vergangenen Jahren komplett modernisiert wurden, besteht weiter südlich in Schlüchtern, Steinau und Bad Soden-Salmünster erheblicher Modernisierungsbedarf.

Besonders Schlüchtern bereitet Sorgen, zumal die Station als Umstiegsbahnhof von Zügen von und nach Würzburg, Schweinfurt und Bamberg genutzt wird. Zunächst einmal liegt der Bahnhof weit von der Stadt entfernt. Zu Fuß oder Fahrrad ist die Anreise mühselig, geht es doch steil den Berg hinauf. Auch die Ausschilderung ist eher dürftig, aber wer möchte sich mit diesem Bahnhof auch allzu sehr schmücken.

Am Bahnhof selbst gibt es zahlreiche Spuren von Vandalismus. Der Tunnel zu den Bahnsteigen ist düster, beim Durchqueren gilt es, Schlammpfützen auszuweichen. Ein Gefühl von Sicherheit vermittelt dieses dreckige und dunkle Loch definitiv nicht. Wer mit dem Fahrrad, Kinderwagen oder gar Rollstuhl an den Bahnsteig gelangen will, der sollte Helfer dabei haben und viel Zeit einplanen. BarriereUNfreier kann ein Bahnhof kaum sein. Besser erreichbar ist da Gleis 1, an dem die Züge nach Unterfranken anhalten – allerdings ist hier der Bahnsteig in schlechtem Zustand und viel zu niedrig.

Viel besser sieht es auch in Steinau nicht aus. Zwar sind die Bahnsteige hier in etwas besserem Zustand als in Schlüchtern, ansonsten ähneln sich die beiden Anlagen aber sehr. Wenigstens muss in der Grimmstadt niemand umsteigen. Gut gemeint ist der barrierefreie Zugang zur Bahnunterführung. Dummerweise stellt sich unten aber heraus, dass man am anderen Ende zwar genauso gut wieder hinaufkommt, der Weg an die eigentlichen Bahngleise aber nur mit einer steilen Treppe zu erreichen ist.

Optisch einen besseren Eindruck macht der Bahnhof in Bad Soden-Salmünster, und zumindest ein Gleis ist ohne steile Treppe zu erreichen. Allerdings sind die Bahnsteige sehr niedrig, was den Einstieg in die Doppelstock-Züge auf der Strecke mit Stufe erschwert. Die Initiative Pro Bahn kritisiert zudem: „Die Einbindung in die städtische Infrastruktur ist mehr als mangelhaft. Es gibt keine Hinweise auf den Bahnhof im Straßennetz, obwohl Kurstadt.“ Ferner käme es immer wieder zu Beschwerden, dass es fast unmöglich sei, ein Taxi zu bekommen. Immerhin gibt es eine gute Busanbindung.

Nun zum angenehmeren Teil auf diesem Streckenabschnitt: In Neuhof und Flieden sind die Bahnhöfe im Zuge der Umbauarbeiten der vergangenen Jahre auf einen modernen Stand gebracht worden. Die Anlagen sind gut beleuchtet, die Zugänge barrierefrei. Einzig in Neuhof zieht sich der Weg zum Gleis in Richtung Frankfurt etwas, hier sollte man ein wenig mehr Zeit einplanen. Die Anlagen sind schlicht, aber sauber – und Erfüllen beide den Standard, den Haltepunkte dieser Größenordnung aufweisen sollten.

Besserung soll es zumindest an zwei der drei genannten Problemfälle in den kommenden Jahren geben, wie uns die Deutsche Bahn mitteilte. „Teil einer zwischen dem Land Hessen, den Verkehrsverbünden und der Deutschen Bahn im August 2011 abgeschlossenen Rahmenvereinbarung ist im Kinzigtal der barrierefreie Ausbau für (...) Bad Soden-Salmünster (ab 2017) und Schlüchtern (ab 2017).“ Für Steinau verweist der Pressesprecher der Bahn darauf, dass aus dem Konjunkturpaket für 300.000 Euro das Dach saniert wurde. Von weiteren Investitionsplanungen für den Bahnhof Steinau ist jedoch nicht die Rede.

Der Initiative Pro Bahn geht das nicht weit genug. „Es gibt einen sehr großen Sanierungsbedarf an den meisten Bahnstationen in Hessen, welcher durch das Sanierungsprogramm bis 2019 bei weitem nicht abgedeckt ist, insbesondere fallen kleinere Bahnhalte hinten runter“, klagt Thomas Kraft, Landesvorsitzender in Hessen.

In weitestgehend gutem Zustand sind die Bahnhalte auf bayerischer Seite auf der Strecke von Schlüchtern nach Unterfranken. Auf was für Zustände wir hingegen auf hessischer Seite in Sterbfritz und Jossa gestoßen sind, erfahren Sie am Dienstag an dieser Stelle.

Zur Themenwoche:

Wir haben uns für Sie alle Bahnhöfe und Bahn-Haltepunkte in unserem Verbreitungsgebiet näher angeschaut, bewertet und mit der Deutschen Bahn sowie der Initiative Pro Bahn über die Ergebnisse gesprochen. Jeden Tag lesen Sie auf unserem Portal in dieser Woche Artikel dazu. Das komplette Ranking veröffentlichen wir am Ende der Woche. Alle bereits veröffentlichten Artikel finden Sie immer HIER unter der Rubrik „Aufreger der Woche“.

Zum Autor:

Der Verfasser der Themenwochen-Artikel, Daniel Krenzer, hat in Würzburg den Abschluss M.A. der Kulturgeographie mit dem Schwerpunkt Verkehrsgeographie erlangt. Von 2008 an war er zunächst Sportredakteur bei der Fuldaer Zeitung, ehe er im März dieses Jahres die Leitung der Onlineredaktion übernahm.