Kommentar: Fulda muss den Grünpfeil loswerden

14. März 2016
Fulda

Kommt es Ihnen so vor, als hätten Sie das schon einmal gelesen? Dann ist das im Grunde richtig. Man kann es aber gar nicht oft genug sagen: Der Grünpfeil in Fulda muss weg. Er ist eine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer, aber auch für andere Autofahrer.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Krenzer

An sich ist die Idee hinter dem Grünpfeil ja eine gute. Der Verkehrsfluss soll beschleunigt werden. Allerdings ist in Fulda nur eine Minderheit der Autofahrer in der Lage, sich am Schild mit dem grünen Pfeil bei roter Ampel korrekt zu verhalten. Das zeigt eine Stichprobe, die wir an vier Ampeln in der Innenstadt vorgenommen haben.

Von 166 erfassten Autofahren, die den Pfeil genutzt haben, verhielten sich lediglich 73 so, wie es die Straßenverkehrsordnung vorsieht – also anhalten an der Haltelinie, abbiegen bei Rot, sofern es der Verkehr ohne Gefährdung zulässt, gegebenenfalls abermaliges Halten an der Sichtlinie. Das sind knapp 44 Prozent.

Fußgängerampel wird komplett vergessen

53 Autofahrer – also gut 32 Prozent – sind direkt vorgefahren bis zur Sichtlinie, haben dort erst gehalten und sind dann abgebogen. Das Argument für dieses Verhalten ist in der Regel, dass man ja erst vorn sehe, ob auch wirklich frei ist. Das mag stimmen, allerdings vergessen diese Autofahrer offensichtlich, dass die Fußgängerampel auf dem Weg zur Kreuzung Grün zeigen kann – und rennende Kinder, Jogger oder Fahrräder sich mitunter schnell einer Ampel nähern können.

Wer direkt bis zur Sichtlinie vorprescht, dem kann es mit etwas Pech passieren, jemanden fahrlässig über den Haufen zu fahren. Außerdem kann solch forsches Fahren bis zur Sichtlinie die Autofahrer auf der kreuzenden Straße verunsichern und damit gefährliche Situationen auslösen.

Die restlichen 24 Prozent, die bei unserer Erhebung den grünen Pfeil nutzten, hielten weder an der Halt- noch an der Sichtlinie an, sondern bogen einfach bei Rot ab. Das ist rücksichtslos und unverantwortlich.

Strafen sind fast noch zu milde

Die Strafen für solches Fehlverhalten tun weh, sind aber angesichts des Gefahrenpotentials fast noch zu gering. 56 Prozent der Rechtsabbieger, die wir erfasst haben, hätten für ihre Fahrweise 70 Euro Bußgeld plus einen Punkt kassieren müssen. Bei Gefährdung sind es 100 Euro, bei einem Unfall direkt 120 Euro. Schwerer würde spätestens dann aber hoffentlich das schlechte Gewissen wiegen.

Würden sich alle an die Regeln des Grünpfeils halten, dann wäre nichts dagegen einzuwenden. Da dies aber ganz offensichtlich nicht der Fall ist, bleibt stehen: Die Dinger müssen weg – und das nicht erst, wenn wiederholt Kinder überfahren wurden.

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