Kommentar zu Alkohol in der Schwangerschaft: Hört auf, das Leben eurer Kinder zu versauen!

09. September 2015
REGION

Es ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft: Jedes Jahr kommen in Deutschland Tausende Kinder zur Welt, die unter massiven Behinderungen leiden, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft getrunken haben. Das gleicht der Misshandlung von Kindern.

Von unserem Redaktionsmitglied Sascha-Pascal Schimmel

Die Zigarette im Mundwinkel, eine Bierdose in der Hand läuft die hochschwangere Frau durch Fuldas Innenstadt. Ihr Shirt wölbt sich über ihrem runden Bauch. Als eine Passantin sie auf ihr Verhalten aufmerksam macht, schreit die Schwangere diese an.

Was diese Frau ihrem ungeborenen Kind antut, ist ihr bestenfalls nicht bewusst. Vielleicht ist es ihr aber auch schlichtweg egal.

Laut der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CDU), kommen jedes Jahr rund 10.000 Kinder mit Fetaler Alkoholspektrumsstörung (FASD) zur Welt. Darunter etwa 2000 Neugeborene, die unter massiven Behinderungen leiden. Das gab sie anlässlich des „Tages des alkoholgeschädigten Kindes“ (9. September) bekannt.

Egoistischer geht es wohl kaum

Ihre Mütter wollten auf Partys inklusive Alkoholrausch oder das tägliche Gläschen nicht verzichten. Die Kosten für dieses fahrlässige und unverantwortliche Handeln tragen ihre Kinder. Egoistischer geht es wohl kaum.

Es gibt Schätzungen, nach denen in Deutschland bis zu 600.000 Erwachsene mit FASD kämpfen. Ihnen fallen einfachste Handgriffe schwer. Das Anziehen ist für sie ein Rätsel, da ihnen nicht klar ist, in welcher Reihenfolge sie die einzelnen Kleidungsstücke anziehen sollen. Ihr Kurzzeitgedächtnis ist unter Umständen schlecht, ihr Wachstum gestört und ihr Gesicht weist auffällige Veränderungen wie eine verkürzte Nase auf. Wie Studien zeigen, sind rund 80 Prozent der erwachsenen FASDler nicht in der Lage, ein eigenständiges Leben zu führen.

Armutszeugnis für unsere Gesellschaft

Es ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, dass so viele Menschen unter dieser Behinderung leiden. Schließlich ist sie zu 100 Prozent vermeidbar. Schwangere müssen sich nur von Alkohol fernhalten – und die angehenden Väter sie dabei unterstützen. Denn die Schuld nur auf die Frauen zu schieben, wäre zu billig.

Die Häufigkeit dieser Behinderung verdeutlicht, wie sehr Alkohol und seine negativen Folgen in Deutschland noch immer verharmlost werden. Immerhin 18 Prozent der Deutschen halten ein gelegentliches Glas Sekt oder Bier während der Schwangerschaft für vertretbar. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag der Privaten Krankenversicherungen hervor. Ist es denn wirklich unzumutbar, für etwa neun Monate einfach einmal nichts zu trinken?

Ein einziger Rausch kann reichen

Immerhin scheinen die Jüngeren besser aufgeklärt. Lediglich vier Prozent der 18- bis 24-Jährigen vertreten diese leichtsinnige Ansicht. Und das ist gut so! Denn Alkohol gelangt über die Plazenta ungefiltert in den Blutkreislauf des Ungeborenen. „Ein Baby braucht etwa zehnmal länger, um Alkohol abzubauen, als seine Mutter“, sagen Experten. „Ein einziger Rausch kann seine Gesundheit gefährden.“

Es gleicht also der Misshandlung ungeborener Babys, wenn Mütter während der Schwangerschaft trinken. Hört endlich auf damit! Ihr versaut das Leben eurer Kinder.