Nicht nur Pegida: Auch einige Asyl-Befürworter diffamieren ihre Gegner

25. Oktober 2015
REGION

So schön es zu sehen ist, wie viele Deutsche mit Offenheit und Tatkraft die Flüchtlingskrise angehen: Manchen scheint ihre Hilfsbereitschaft zu Kopfe gestiegen. Sie buttern die Ängste und Sorgen der Asyl-Skeptiker unter – und treiben sie in die Arme von Rechts-Populisten.

Von unserem Redaktionsmitglied Sascha-Pascal Schimmel

Lasst uns die Mauer einreißen! Flüchtlinge und Fuldaer müssen aufeinander zugehen. Dieser Aufruf in einem Kommentar von fuldaerzeitung.de aus dem Sommer ist auch im Herbst noch aktuell.

Jede Woche werden in den kommenden Monaten etwa 100 Flüchtlinge in den Kreis Fulda kommen. Diese Menschen können wir nicht ignorieren.

Viele werden nicht mehr ernstgenommen

Die Hilfsbereitschaft vieler Fuldaer zeigt, wie offen unsere Region ist. Wie sehr sie bereit ist, diese große Herausforderung zu meistern. Bei all dem Jubel um diese Offenheit gerät ein Teil der Gesellschaft allerdings in die Defensive – wird teils nicht einmal mehr ernstgenommen.

Es handelt sich um jene, bei denen der Flüchtlingsstrom nach Deutschland Angst auslöst. Sie befürchten, dass der Staat lieber Geld für Flüchtlinge als für hilfsbedürftige Bürger ausgibt. Dass die Kriminalität steigt. Dass unsere Kultur – wie auch immer man sie definieren mag – unter die Räder kommt.

Äußern sie ihre Bedenken, werden sie mittlerweile von einigen Asyl-Befürwortern untergebuttert. Ein paar Beispiele dafür lieferte der Infoabend in Edelzell zur Unterkunft im früheren Max-Bahr-Baumarkt.

Das könnte Sie auch interessieren:
Lasst uns die Mauer einreißen! Fuldaer und Flüchtlinge müssen aufeinander zugehen
Infoabend in Edelzell: Neue Details zur Unterkunft im alten Max-Bahr-Markt – so viele Flüchtlinge kommen
8 Menschen auf 20 Quadratmetern – So leben Flüchtlinge im Max Bahr
Max Bahr in Fulda wird Flüchtlingsunterkunft – Bis zu 800 Asylsuchende ziehen ein
Neuhof, Rückers, Rommerz, Fulda: Blick hinter die Mauern der Flüchtlingsunterkünfte
Kreis Fulda ist Hochburg der rechtspopulistischen „Identitären Bewegung“

Mit Zwischenrufen wie „Gott, och Gott“ und „Hör‘ doch auf mit deinem Populismus“ wurden sie abgebügelt. Eingehen auf deren Argumente? Fehlanzeige. Vielmehr wurden ihre Argumente lächerlich gemacht. Genau das hatten Asyl-Befürworter vor wenigen Monaten ihren Gegnern vorgeworfen – Pegida und andere Populisten agieren genauso.

Dabei sind einige Ängste doch nachvollziehbar. Der Staat muss viel Geld aufbringen, um die Flüchtlinge zu versorgen. Keiner weiß, ob das Geld nicht doch noch an anderer Stelle wieder reingeholt werden muss. Stichwort: Steuererhöhung. Zudem machen Auseinandersetzungen in Massenunterkünften Schlagzeilen. Auch wenn diese keinen Trend darstellen – bisher ist kein nennenswerter Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen – sie brennen sich in das Gedächtnis vieler ein.

Blaupause Nationalmannschaft?

Auch weiß keiner, was genau die massenhafte Einwanderung mit unserer Gesellschaft macht. Auf jeden Fall wird sie sich verändern. „Kann ich dann noch so leben, wie ich möchte, habe ich dann noch meinen gewohnten Platz?“, werden sich viele deswegen fragen. Obwohl diese Veränderung nicht schlecht sein muss.

Ein vielleicht etwas schräges, aber positives Beispiel ist unsere Nationalmannschaft. Im Kader der WM 1990 in Italien befand sich kein einziger Spieler mit Migrationshintergrund. Vergangenes Jahr waren es sechs – darunter einige Leistungsträger. Trotz dieser Veränderung hat es in beiden Jahren für den Titel gereicht – und das ganze Land feierte.

Es den Schreihälsen nicht so einfach machen

Dennoch dürfen Ängste und Sorgen nicht einfach untergebuttert werden. Denn zum einen könnte in ihnen ein Stück Wahrheit stecken. Daraufhin müssen sie untersucht und nicht mir nichts dir nichts als Unsinn abgetan werden.

Zum anderen wandern Menschen, deren Ängste nicht ernstgenommen werden, ab zu Populisten – vom Rest der Gesellschaft fühlen sie sich nicht mehr repräsentiert. Mit ihren Totschlagargumenten treiben manche Asyl-Befürworter diese Menschen in die Hände von Pegida, Identitärer Bewegung und wie die Schreihälse alle heißen. Wir sollten es ihnen nicht so einfach machen.