Hexennacht naht: Woher kommt der Brauch mit den Streichen?

29. April 2016
Region

In der Nacht auf Sonntag ist wieder Hexennacht. Wie jedes Jahr treiben dann sicher wieder einige dunkle Gestalten ihren Schabernack in den Straßen der Region. Der Brauch der Hexennacht in dieser Form ist nicht so alt, wie man meinen könnte.

Seinen Ursprung hat er in den sogenannten Freinächten, die in Bayern und Schwaben vor Feiertagen liegen. Der Tradition nach gehöre es sich nicht, in diesen Nächten Dinge draußen stehen zu haben. Junge Leute streifen durch die Dörfer, um dies zu kontrollieren. Steht doch etwas herum, wird es weggeschafft.

Erst in den 70er Jahren entwickelte sich speziell in der Nacht auf den 1. Mai dieses Wegschaffen von losen Gegenständen – wie zum Beispiel Fußmatten – hin zu einem generellen Treiben von Schabernack. Dabei hat sich die süddeutsche Freinacht offenbar mit der aus dem Harz stammenden Vorstellung vermischt, dass Hexen in der Walpurgisnacht unterwegs sind und so einiges anstellen.

Region Fulda ist eine Brauch-Insel

Die Region Fulda ist hinsichtlich der Streiche in der Hexennacht außerhalb Süddeutschlands eine Insel. Im restlichen Hessen ist der Brauch kaum bekannt, in Franken sind Streiche in der Nacht auf den 1. Mai ebenfalls eher unüblich. Warum sich neben Süddeutschland ausgerechnet in Osthessen dieser Brauch etabliert hat, ist nicht klar.

Dass in der Nacht auf Sonntag aber sicherlich wieder zahlreiche Menschen auf der Suche nach Streichen durch die Straßen ziehen werden, das weiß auch die Polizei. „In der Regel gehen die Späße ja gut aus, wir sind aber verstärkt unterwegs, um ein Auge auf die Streiche zu haben“, kündigt Christian Stahl, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen, an.

In den vergangenen Jahren seien zum Beispiel häufiger Mülltonnen über Blitzer gestülpt worden. Zudem seien Ortsschilder beliebte Ziele, mal werden sie besprüht, mal abmontiert oder gar ausgetauscht. In der Hexennacht vor zwei Jahren wurden 40 Schilder an eine Scheune in Mittelrode gehämmert. Hexennacht: Gut 40 Ortsschilder abmontiert / Fotostrecke zu Scherzen



Zwar habe die Polizei für witzige Scherze Verständnis, allerdings erinnert Stahl: „Schluss ist dann, wenn jemandem Schaden zugefügt wird oder das Streichopfer erheblichen Aufwand hat, die Folgen zu beseitigen.“ Wenn aber nichts beschädigt werde, dann drücke die Polizei ein Auge zu. „Wenn das Streichopfer sich nachher denkt: ,Dumm, dass das ausgerechnet mir passiert ist, aber an sich ist der Streich ja lustig‘, dann ist das okay“, sagt Stahl.

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