Alles neu – so radikal ändert sich der Mercedes GLA
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Stark wie ein Stier wird der GLA erst, wenn AMG einsteigt. Dann wird es ein Triebwerk mit über 400 PS geben.

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Alles neu – so radikal ändert sich der Mercedes GLA

  • Rudolf Bögel
    vonRudolf Bögel
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Die nächste Mercedes-GLA-Generation kommt radikal verändert auf den Markt. Wir waren mit dem neuen SUV schon unterwegs.

  • Seinen Vorgänger überragt der Kompakt-SUV um stattliche elf Zentimeter.
  • Auf der Autobahn erkennt er selbst, wenn eine Rettungsgasse nötig ist.
  • AMG kitzelt aus dem 2,0-Liter-Turbomotor unglaubliche 421 PS.

Für einen echten SUV war der alte GLA zu niedrig. Für ein normales Auto viel zu hoch. Eigentlich war er weder das eine noch das andere. Und trotzdem verkaufte sich der knuffige Irgendwie-Crossover wie geschnitten Brot. Umso mutiger ist es von Mercedes*, mit der zweiten Generation, etwas völlig Neues anzufangen. Nämlich einen erwachsenen, gefälligeren SUV anzubieten. Das fängt schon bei der Größe an. Zwar ist der GLA im Vergleich zum Vorgänger etwa gleich lang. Aber ein um drei Zentimeter längerer Radstand sowie die Erhöhung der Karosserie um ganze elf Zentimeter haben aus dem Kleinen ein echtes Raumwunder gemacht. Und jetzt sitzt man auch endlich wie in einem echten SUV. Ganze zehn Zentimeter höher als in der ersten Generation. Und 14 Zentimeter höher als in der herkömmlichen A-Klasse.

Auch im groben Gelände daheim: Der Mercedes GLA will nicht nur ein SUV sein, er ist ein SUV.

Der neue Mercedes GLA setzt auf Digital

Optisch orientiert sich der GLA am größeren GLE. Runde Formen, fließende Flächen, einzig die Powerdomes auf der Motorhaube sorgen für Ecken und Kanten. Damit unterscheidet er sich stark vom zweiten SUV in der Kompaktklasse, den erst im vergangenen Jahr vorgestellten GLB, der vom Aussehen her eher an die kultige G-Klasse erinnert. Auch das Cockpit präsentiert sich stark aufgewertet. Gegen Aufpreis gibt es sogar die moderne Widescreen-Optik. So digital wie möglich – das ist das Schlagwort der Stunde. Deshalb sind fast alle Assistenzsysteme aus der Premiumklasse auch in dem Kompakt-SUV erhältlich. Neu ist die Rettungsgassenfunktion, die das Auto bis Tempo 60 automatisch am Rand der Fahrspur chauffiert. Oder die Ausstiegswarnung, eine raffinierte, erweiterte Funktion des Totwinkelwarners. Zunächst blinkt es nur am Spiegel, wenn sich ein Fahrzeug nähert (auch Radler). Legt man aber seine Hand auf den Türgriff, um auszusteigen, ertönt ein zusätzlicher Warnton.

Ambientelicht durch LEDs geben dem Interieur der neuen GLA-Generation einen modernen Touch.

Mit Waschstraßenfunktion ausgestattet

Sogar ein Ausstattungsfeature, das dem SUV-Flaggschiff GLS vorbehalten war, haben die Entwickler dem neuen GLA mitgegeben. Man kann natürlich vortrefflich darüber streiten, ob man die Waschstraßenfunktion wirklich braucht. Aber wer schon mal vergessen hat, das Seitenfenster zu schließen, der wird dankbar dafür sein. Mit einem einzigen Befehl werden alle Fenster zugemacht, die Seitenspiegel eingeklappt, und das Auto schaltet auf die Frontkamera um, so dass der Fahrer seinen GLA exakt zwischen den beiden Waschsäulen platzieren kann. Beim Ausfahren und ab Tempo 20 nimmt der Bordcomputer diese Maßnahmen wieder zurück.

Gebürstetes Aluminium ist eines der wesentlichen Gestaltungsmerkmale im Innenraum. Besonders lässig sind die neuen Türgriffe.

Viel Platz für sperrige Gegenstände

Praxistauglichkeit hat bei der Entwicklung des GLA eine große Rolle gespielt. Das trifft auch auf die Lademöglichkeiten zu. Mit einem höhenverstellbaren Bodensystem lässt sich bei umgeklappter Rückbank so zum Beispiel eine nahezu durchgehend ebene Fläche machen. Das Volumen liegt bei stattlichen 1.420 Litern und damit knapp unter dem eines Kombis wie etwa des Audi A4 Avant. Mitgedacht haben die Techniker auch bei der Rücksitzbank. Sie ist um bis zu 14 Zentimeter verschiebbar und im Verhältnis 40-20-40 teilbar. Echt praktisch, wenn sperrige Gegenstände eingeladen werden müssen, hinten aber trotzdem noch ein oder zwei Personen sitzen sollen.

Mit dem höhenverstellbaren Böden und der teilbaren Rückbank ist man für jede Lade-Situation gerüstet.

So fährt sich der neue GLA Offroad

Weil wir gerade beim Thema Alltag sind: Für einige Käufer ist ja auch Geländetauglichkeit ein echtes Kaufkriterium. Viele andere Hersteller nennen sie nur noch SUVs, aber über Stock und Stein sollte man diese Autos eher nicht hetzen. Neben Land Rover nimmt Daimler das Thema Offroad traditionell sehr erst. So auch beim GLA, den man problemlos im leichteren Gelände bewegen kann.

Klettertauglich und kein reiner Poser ist der neue GLA genauso wie alle anderen Mercedes-SUVs.

Wer Allradantrieb bestellt, bekommt automatisch ein entsprechendes Fahrprogramm dazu. Die Leistungsentfaltung des Motors und das ABS werden dann an die schwierigeren Straßenbedingungen automatisch angepasst. Zudem wird die Allradkupplung als Quersperre verwendet und die Kraft 50:50 auf Vorder- und Hinterachse verteilt.

Diese Digital-Animation erscheint auf dem Display, wenn das Offroad-Programm eingeschaltet ist.

Der automatische Bergabfahrtsassistent bewältigt selbständig auch steile Gebirgspassagen – und wenn es im Gelände so dunkel ist, dass man die Hand nicht mehr vor den Augen sieht, dann schaltet der GLA einfach das Offroad-Licht an. Bis Tempo 50 werden einfach die Abbiegelichter dazu genommen. So entsteht ein dichter Licht-Teppich vor dem Auto.

Das Offroad-Fahrprogramm ist in der Allrad-Version 4matic automatisch mit an Bord.

AMG- und Hybrid-Varianten kommen erst noch

Bewährtes gibt es bei den Motoren. Hier kommen die bekannten Vierzylinder-Diesel und Benziner zum Einsatz, die bei der Einführung der A-Klasse erneuert wurden. Angesichts des doch recht stattlichen Fahrzeuggewichts von über 1,6 Tonnen ist der 1,3-Liter Benziner mit 163 PS nicht unbedingt empfehlenswert. Und auch beim Diesel sollte man auf den 220 d und seine 190 PS zurückgreifen. Damit lässt sich der Mini-GLE recht ordentlich bewegen. Wer mehr Spaß haben will, der muss auf die scharfen AMG-Varianten warten. Eine davon kitzelt sogar rekordverdächtige und normalerweise nur im Rennsport mögliche unglaubliche 421 PS aus dem Zwei-Liter-Turbo-Triebwerk und katapultiert den GLA 45 S damit in 4,3 Sekunden von 0 auf 100.

Stark wie ein Stier wird der GLA erst, wenn AMG einsteigt. Dann wird es ein Triebwerk mit über 400 PS geben.

 

Wer schnell, aber trotzdem umweltfreundlich unterwegs sein will, der muss auf die Hybridvariante warten. Hier wird der 1,3-Liter-Benziner von einem 102 PS starken Elektromotor ergänzt. Rein elektrisch soll der grüne GLA dann bis zu 60 Kilometer rollen. Angekündigt ist der 250 e bereits, aber noch nicht bestellbar.

An eine liegende Acht erinnert das Design der großen Lufteinlässe unterhalb des mächtigen Kühlers.

Preislich starten die Basismodelle 180 d und 200 bei knapp über 37.000 Euro. Damit kostet der neue GLA einen Tausender weniger als der etwas größere GLB aber mehr als die direkte Konkurrenz: Der vergleichbare BMW X1 ist um 4.000 Euro günstiger, der Audi Q3 kostet 3.000 Euro weniger.

Turbinen-Luftdüsen und ein Wide-Screen– das sind die Designmerkmale, die sich durch die ganze Kompaktklasse ziehen.

Unser Fazit zum neuen Mercedes GLA

Der neue GLA verliert leider seinen ehedem eigenständigen Charakter und ordnet sich optisch dem SUV-Rudel von Mercedes unter, das mittlerweile aus acht Modellen besteht. Sein unbestrittenes Plus ist die konsequente Ausrichtung auf analoge und digitale Praxistauglichkeit.

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Datenblatt Mercedes GLA 200d

Hubraum:

1950 ccm

Leistung:

150 PS bei 3400 - 4400 U/min

Drehmoment:

320 Nm zwischen 1400 - 3200 U/min

Getriebe:

8-Gang Doppelkupplung

Antrieb:

Front

Länge/Breite/Höhe:

4,41/1,83/1,61 m

Leergewicht (zul):

1615 kg / 520 kg

Kofferraum:

425 - 1420 l

0 auf 100:

8,6 Sekunden

Top-Tempo:

205 km/h

Normverbrauch:

4,7 l

Co2:

124 g/km

Emissionsklasse:

Euro 6d

Preis:

ab 38.782 Euro

Rudolf Bögel

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