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Toyota Corolla Cross gegen Renault Austral: Der erste Fahrvergleich

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Von: Rudolf Bögel

Langsam wird es eng in der gehobenen Kompaktklasse. Mit dem Renault Austral und dem Toyota Corolla Cross rollen zwei neue SUVs an. Ihr Motto: Hybrid ist der neue Diesel.

Mit der Kompakt- bis Mittelklasse macht man Kasse. Lieferten sich die Autohersteller früher rund um den VW Golf ein heißes Duell, so sind es heute die SUV des C-Segments. VW Tiguan, BMW X1 und Co. müssen sich neuer Konkurrenz stellen: Renault Austral und Toyota Corolla Cross. Wir haben die beiden Modelle schon mal verglichen.

Frankreich gegen Japan und beide gegen alle: Renault spricht von Rückeroberung, Toyota will das C-Segment mit einem dritten Modell aufmischen. Der Ausgangspunkt ist für beide Großkonzerne aber ganz anders. Renault hat schon einmal einen Versuch unternommen, Boden gutzumachen. Kadjar hieß der Zungenbrecher auf vier Rädern, der nur eine Generation nebst Facelift auffahren durfte. Glücklos und am Ende dann auch erfolglos verschwindet er nun von der Bühne. Der König ist tot, es lebe der König. Nur um wenig Zentimeter größer, vielleicht charakteristischer und moderner gezeichnet, feiert er als Austral seine Wiederauferstehung. Was man sich bei dem Namen gedacht hat? Nichts heißt es auf Anfrage. Austral klingt einfach nur gut – und weckt vielleicht auch Sehnsüchte. Australis ist Lateinisch und heißt „südlich“, und wer träumt nicht vom nächsten Mittelmeer-Urlaub oder der exotischen Terra Australis, dem Kontinent der Beuteltiere und roten Monolithe?

Toyota Corolla Cross gegen Renault Austral: Der erste Fahrvergleich

Toyota Corolla Cross Gelände
Einer fürs Gelände ist der Toyota Corolla Cross auf alle Fälle. Im Gegensatz zum Austral gibt es ihn ab sofort auch mit Vierradantrieb. © JONATHAN@JONATHANGODIN.BE / Toyota

Bei Toyota ist die Ausgangssituation eine andere. Der Name Corolla hat hier eine Riesen-Tradition. Corolla gibt es gefühlt schon so lange wie Toyota. Wenn nicht sogar länger. Corolla hieß schon mal ein Kleinwagen, diverse Limousinen, Kombis und sogar ein Van wurde so genannt. Kein Wunder, dass der Corolla mit 50 Millionen verkaufter Exemplare das erfolgreichste Fahrzeug der „Nichts-ist-unmöglich“-Autobauer ist. Das wäre in etwa so, als wenn Volkswagen alle seine Polos, Passats und Tourans immer nur Golf genannt hätte.

Und jetzt gibt es den Corolla auch nach als kompaktes SUV. Es ist nicht das einzige bei Toyota. Im C-Segment hat es sogar konzerneigene Konkurrenz. Der C-HR ist zwar kleiner und vom Design progressiver, aber genauso wie der größere und noch geländetauglichere RAV4 schielt er beim Absatz in die Mitte der Gesellschaft. Für all die Unentschlossenen, die sich weder für C-HR oder RAV4 entscheiden können, will Toyota nun mit dem Corolla Cross ein neues Angebot der Mitte machen. Und so ganz nebenbei natürlich auch bei Tiguan & Co wildern.

Toyota Corolla Cross Cockpit
Ein Cockpit, wie man es mittlerweile in vielen Autos findet. Hier bietet Toyota nicht gerade Aufregendes. © Toyota

Toyota Corolla Cross gegen Renault Austral: Hybrid verdrängt Diesel

Sowohl Renault als auch Toyota stützen sich bei ihrem Vorstoß ins C-Segment auf die Marktforschung. Und die sagt unisono voraus, dass das gemeine SUV schon heuer den Kompaktwagen vom Thron stürzen wird, was die Absatzzahlen angeht. Und noch einer befindet sich auf dem Rückzug. Der gute alte Selbstzünder fliegt sowohl beim Austral als auch beim Corolla Cross aus dem Angebot. Der neue Diesel heißt Hybrid. Und da gibt es mittlerweile so manche Spielart, die man erst einmal erklären muss. Ganz einfach ist es mit dem, was es sowohl bei den Franzosen als auch bei den Japanern nicht oder noch nicht gibt. Nämlich einen aufladbaren Plug-in-Hybrid.

Echte Experten in dieser Antriebsart sind die Japaner. Mit dem Prius waren sie lange Zeit „Primus inter Pares“. Also die ersten, die einen Verbrenner mit einem Mini-Elektromotor kombinierten, der sich mit Bremsenergie versorgte. So ein Antrieb erwies sich gerade in Städten als sehr effizient. Der Prius wurde schnell zu Taxifahrers Liebling, und die Technik im Lauf der Zeit verfeinert. Im neuen Corolla Cross gibt es sie in zwei Ausführungen. Einmal in der Kombination eines 1,8-Liter-Benziners mit einem 95-PS-Elektromotor. Diese Variante mit einer Systemleistung von insgesamt 140 PS folgt jedoch erst später.

Toyota Corolla Cross gegen Renault Austral: Topmodelle mit etwa 200 PS

An den Start rollt Toyota jetzt erst einmal mit den Zweiliter-Varianten. Die eine hat E-Motor, Vierzylinder-Benziner und Antrieb vorn, die Systemleistung liegt bei 197 PS. Im Gegensatz dazu wird der 2.0 AWDi auf allen vier Rädern angetrieben. Dazu bekommt er noch einen dritten Motor, ebenfalls elektrisch auf der Hinterachse. Er hat ebenso 197 PS und rennt um 0,1 Sekunden schneller von 0 auf Tempo 100 als der Fronttriebler (7,6 Sekunden).

Auch bei Renault heißt es: Hybrid ist der neue Diesel (wie lange das in Deutschland nach Wegfall der Umweltprämie bleibt, ist freilich offen). Bis auf das Spitzenmodell, den E-Tech Full Hybrid, wird der Austral von einem Reihenvierzylinder angetrieben, unterstützt von einem Riemen-Startergenerator. Wahlweise mit 140 oder 158 PS, mal mit Schalter mal mit Automatik. Der Vollhybride wartet mit 200 PS auf. Die Power steuert ein neu entwickelter 1,2 Liter großer Dreizylinder-Benziner dazu (131 PS) und zwei E-Motoren, die es zusammen auf 68 PS bringen. Leider gibt es noch keine Allrad-Variante

Toyota Corolla Cross Heck
Eher biedere Hausmannskost bietet Toyota beim Heck-Design des Corolla Cross. Da ist die französische Konkurrenz deutlich flotter. © Toyota

Toyota Corolla Cross gegen Renault Austral: Der Corolla Cross quält sich unter hoher Last lautstark

Viel Theorie, nun zur Praxis: Wie fahren sich die zwei Tiguan-Herausforderer, die ihre Zusatzenergie jeweils aus einer 1,5 oder 1,7 kWh großen Batterie beziehen? Damit lassen sich freilich keine langen Strecken am Stück bewältigen, allerdings summiert sich im Stadtbetrieb oder beim reinen Gleiten der elektrische Anteil auf eine erkleckliche Summe. Beim Corolla Cross kamen wir auf 46 Prozent mit einem Verbrauch von 5,1 Litern. Beim Renault Austral waren es 40 Prozent, aber mit knapp über sechs Litern Verbrauch bei vergleichbaren Teststrecken. Woran das lag? Uns hat der Austral mehr Spaß gemacht. Auf dem Papier hinkt er zwar um fast eine Sekunde hinterher beim Sprint auf Tempo 100. Aber sowohl der neue Dreizylinder als auch das Zusammenspiel der insgesamt drei Motoren wirkte spritziger, gefälliger – und vor allen Dingen auch leiser.

Der Toyota Corolla Cross hingegen scheint sich bei hoher Last zu quälen, weil der Benziner immer sofort ziemlich hochdreht, was er lautstark zu Protokoll gibt. Ist kein Konstruktionsfehler, sondern volle Absicht. Bei hohen Drehzahlen sei der Motor einfach effizienter, heißt es dazu bei Toyota. Der Austral hingegen ist so eingestellt, dass der Benziner immer wieder läuft, um den Batteriestand hochzuhalten, damit er schnell boostern kann.

Toyota Corolla Cross gegen Renault Austral: Französische Eleganz gegen Land-Cruiser-Style

Vergleicht man die beiden Modell von den Dimensionen her – so findet man kaum Unterschiede. Der Austral ist allerdings um fünf Zentimetern länger. Bei der Optik schlagen sich beide Möchtegern-Geländewagen auf die Seite „Dicke Hose“ mit großen gierigen Kühlern. Etwas mehr Elegance zeigt dabei Renault. Die Seitenlinie des Australs deutet eine leichte Coupélinie an, während Toyota hier beim Land-Cruiser-Style bleibt. Das Heck ist beim Austral keck, die Lichter sind wie an der Front wie ein C gebaut und angeordnet. Der Corolla Cross hat wie der Austral mächtige Schultern, das Finish im Heck ist jedoch unaufgeregt, man möchte fast sagen langweilig.

Was sich leider im Inneren fortsetzt. Beim japanischen Cockpit ist Schonkost angesagt. In der Mitte thront ein Tablet ähnlicher Infotainment-Bildschirm, gegen den nichts zu sagen ist. Außer, dass er wie nachträglich eingebaut wirkt. Direkt darunter befinden sich drei Hartplastik-Schalter für Sitz- und Lenkradheizung. Klack, klack – das haben wir schon lange nicht mehr gehört. Wer direkt in den Austral umsteigt, wähnt sich beim Blick auf das Cockpit wie in einem anderen Jahrhundert. Die digitalen Instrumente fügen sich hier zu einer harmonischen Bildschirmlandschaft zusammen, die es auf stattliche 774 Quadratzentimeter Fläche bringt, wie Renault vorrechnet. In der Mittelkonsole fällt sofort eine gelederte große Chromspange auf, die an den Schubhebel von Flugzeugen erinnert. Diese verschiebbare Handauflage ist eine nette Idee und soll eine handgelenkschonende Bedienung des Touchscreens ermöglichen. Wir haben den Verdacht: Da hat sich jemand ins Design verliebt. Wir auch.

Toyota Corolla  Cross Cockpit Bildschirm
Leider nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist das Navi, Marke Eigenbau von Toyota. Die Grafik hinkt hinter der Echtzeit her - weshalb man oft falsch abbiegt. © Toyota

Toyota Corolla Cross gegen Renault Austral: Allrad-Antriebe hier, Allrad-Lenkung dort.

Was die Assistenzsysteme angeht – so hat Renault auf 32 erhöht, wenn man die Vollausstattung wählt. Da gibt es alles: Vom Einparkassistenten bis hin zum adaptiven Tempopiloten. Toyota lässt sich da traditionell auch nicht lumpen und fährt ebenfalls groß auf. Kamera- und Radarsystemen haben ihren Blickwinkel erhöht und verlängert. Andere Verkehrsteilnehmer werden jetzt früher aufgespürt, Motorräder und Objekte am Straßenrand leichter erkannt. Zum ersten Mal gibt es auch ein Notbremssystem: Falls der Fahrer ohnmächtig wird oder einen Infarkt erleidet, geht automatisch das Warnblinklicht an und das Auto bremst bis zum Stillstand ab. Für Hilfskräfte und Sanitäter werden die Türen entriegelt.

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Bei den digitalen Assistenzsystemen herrscht Gleichstand. Beim Fahrwerk fanden wir beide Autos angenehm. Komfortabel im Handling, ausreichend straff in den Kurven. Die Lenkung ist beim Renault ein wenig direkter, beim Toyota einen Tick zu schwammig. In jeweils einer Disziplin haben die beiden Konkurrenten jeweils die Nase vorn. Der Austral kommt mit einer Vierradlenkung daher, die bis zu fünf Grad auf den Hinterrädern mitgeht. Ermöglicht einen Wendekreis wie beim Kleinwagen Clio. Dafür bietet Toyota den Cross gleich zum Start mit Allrad an – damit ist er einigermaßen geländefähig.

Renault Austral Heckklappe Kofferraum
Die Rücksitzbank des Austral lässt sich nicht nur teilen, sondern auch nach hinten verschieben. Bis zu 16 Zentimeter hat man Spielraum, und kann mehr oder weniger Gepäck unterbringen. © Renault

Allrad-Antriebe im Toyota: Welcher hat mehr Charme?

Französische Elegance oder japanische Effektivität? Wer hat von den beiden Tiguan-Herausforderern die Nase vorn? Wie so oft ist das auch eine Geschmacks- und Geldfrage. Einen Neuwagen zu kaufen, ist zurzeit keine Schnäppchenjagd. Da machen auch Austral und Cross keine Ausnahme. Rund 45.000 Euro ist für die Top-Modelle nicht gerade ein Pappenstiel, wer aber BMW X1, Tiguan & Co durch den Konfigurator jagt, der landet deutlich höher. Gefallen haben uns Austral und Corolla Cross beide. Der technologische Abstand zur Premium-Konkurrenz schrumpft immer mehr, gerade bei den Hybrid-Antrieben sind die Japaner traditionell führend, auch Renault hat durch die Allianz mit Nissan und Mitsubishi da eine gewisse Expertise. Beide Autos sind gut, das zeigt der erste Fahrtest. Wer es einen Tick extravaganter und eleganter haben will, der ist vielleicht beim Austral an der richtigen Adresse. Wer mehr auf den Karohemden-Charme eine geländetauglichen SUVs steht, sollte sich den Corolla holen. C´est la vie.

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