RS-Virus, Influenza und Co.

„Große Sorge“: Wegen Corona – kleine Kinder haben diesen Herbst besonders zu kämpfen

Derzeit werden viele Kinder krank. Wegen den strengen Corona-Regeln kennt ihr Immunsystem viele Erreger noch nicht. Das kann gefährlich sein.

Berlin – Mütter und Väter wissen es: Gerade im Kindergartenalter läuft die Nase der Kleinen gefühlt den ganzen Winter. Manchmal haut es sie richtig um. Mit Husten, hohem Fieber, Ohrenschmerzen, Erbrechen oder Durchfall. Unschön, aber normal.

„Im ersten Kindergartenjahr haben die Kleinen durchaus zehn bis 15 Infekte, die teilweise bis zu vier Wochen dauern können“, sagt der Berliner Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske. Doch je länger das Kind die Kita und später die Schule besucht, desto mehr läuft sich diese Anfälligkeit aus. Weil das kindliche Immunsystem immer mehr Erreger kennengelernt hat und deswegen zunehmend robuster auf sie reagiert.

„Große Sorge“: Wegen Corona – kleine Kinder haben diesen Herbst besonders zu kämpfen

Nur der vergangene Winter war anders. Durch die strengen Corona-Regeln gingen auch andere Infektionen kaum um, die Kinder waren selten krank. Doch es zeigt sich schon jetzt: Die Infekte kommen zurück und die Kinder holen das „Verpasste“ nach* – das bedeutet: Sie werden krank, teilweise recht heftig. (Studie aus Kanada zeigt: Sechs Prozent der infizierten Kinder entwickeln Long Covid)

„Das war und ist unsere große Sorge: Dass vor allem kleine Kinder bis zwei Jahre, die relativ wenige Infekte hatten, jetzt davon eingeholt werden“, sagt der Kinder- und Jugendmediziner Professor Reinhard Berner. Aber es betreffe durchaus auch etwas ältere Kinder.

Gefühlt läuft das Näschen den ganzen Winter. Gerade im ersten Kita-Jahr machen Kinder viele Infekte durch.

Insbesondere zwei Erreger machen dem Fachmann für Infektionskrankheiten vom Uniklinikum Dresden Sorgen: das RS-Virus und das Influenzavirus. „Diese Infekte werden uns beschäftigen, weil sie sich enorm verbreiten und auf eine Population von Kindern treffen, die einen Winter gar keinen Kontakt damit hatten und deren Immunsystem deshalb keine Immunität aufbauen konnte“, sagt Berner.

Nach Corona: RS Virus – meist harmlos, manchmal gefährlich

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) geht normalerweise in den Monaten kurz vor und nach dem Jahreswechsel um. Doch diesmal ist das anders: Mediziner beobachten schon seit einigen Wochen viele Infektionen mit dem Erreger. „Der macht erstmal nur harmlose Erkältungsinfekte. Gerade kleinere Kinder mit Vorerkrankungen und Frühgeborene können aber stärker erkranken“, sagt Kinderarzt Maske.

Manchmal müssen die Kinder dann ins Krankenhaus. Bei Reinhard Berner in der Dresdner Klinik lagen in der letzten Septemberwoche nach seinen Angaben mehr als ein Dutzend Kinder mit RSV-Infektion auf der Normalstation, drei Kinder bekamen Beatmung auf der Intensivstation. Berner sagt: „Wir haben innerhalb von wenigen Tagen mehr Kinder mit RS-Virus aufgenommen als in 18 Monaten Pandemie Kinder mit Covid-19-Erkrankung.“

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Wann müssen Eltern sich Sorgen machen? Vor allem dann, wenn die Kinder Probleme mit dem Atmen haben. „Wenn die Kinder schwere Luftnot haben oder die Atmung die Babys beispielsweise so sehr anstrengt, dass sie nicht mehr richtig trinken“, sagt Berner. Die Kleinen sind häufig durch die Luftnot panisch und sehr unruhig.

Nach Corona: Das hilft gegen Erkältungen

Doch nicht nur das RS-Virus ist unterwegs. Gerade unter Kindern werden sich viele Erkältungsviren diesen Winter wieder stark ausbreiten, prognostiziert Berner. Den Kleinen hilft es dann vor allem, wenn Eltern ihnen viel Ruhe und vor allem auch zu trinken geben, weil das dazu beiträgt, dass zäher Schleim flüssiger wird und so leichter abgehustet werden kann.

Manchmal helfe Inhalation, um die Bronchien zu erweitern, sagt Berner. Wenn das Husten sehr weh tut, was beispielsweise bei einer RSV-Infektion vorkommt, können dem Kind Schmerzmittel verschrieben werden. Ratsam sei außerdem – wie auch sonst immer – frische Luft.

Nach Corona: Mittelohrentzündung als Folge von Erkältungen

Als Folge einer Erkältung bekommen Kinder oft eine Mittelohrentzündung. Oft weinen die Kleinen vor Schmerz. Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen lindern – als Zäpfchen oder Saft verabreicht, in altersgerechter Dosierung.

Abschwellende Nasensprays oder das Hausmittel Zwiebelsäckchen helfen womöglich etwas gegen die Entzündung im Ohr. Diese ist Maske zufolge häufig viral bedingt, in dem Fall helfen keine Antibiotika. Anders ist das, wenn die Entzündung von Bakterien ausgelöst wurde.

Nach Corona: Diese Symptome weisen auf eine Magen-Darm-Infektion hin

Bauchschmerzen, Erbrechen, dünner bis wässriger Stuhl und Fieber können auf eine Magen-Darm-Infektion hindeuten. Sie gehört bei Kindern neben Atemwegserkrankungen zu den häufigsten Infekten und kann sowohl von Viren als auch von Bakterien ausgelöst werden. (Corona: Auch Dänemark stoppt Moderna-Impfung für junge Menschen)

Anfangs sollten Eltern ihrem Kind am besten nur Flüssiges geben, ohne Kohlensäure und nicht zu warm. Erbricht es nicht mehr, sind etwa Zwieback oder Suppen als erste Kost empfehlenswert. Wichtig: Gerade bei Säuglingen ist die Gefahr der Austrocknung durch so eine Infektion hoch. Hier ist immer ärztlicher Rat angebracht.

Nach Corona: Influenza-Virus wieder auf dem Vormarsch?

Mit Blick auf die kalte Jahreszeit stellt sich die Frage: Kommt die Grippewelle? Vergangenen Winter fiel sie aus, die Corona-Regeln seien der Hauptgrund dafür gewesen. Das gilt generell auch für die geringere Verbreitung anderer Infektionen.

Ob und wie stark die Welle, die meist Anfang des Jahres losrollt, in dieser Saison ausfällt, lässt sich noch nicht sicher sagen. Doch die Sorge, dass es auch bei der Grippe Nachhol-Effekte und damit weitaus mehr Fälle geben könnte, sei sehr berechtigt, sagt Reinhard Berner. (Corona-Impfung für Kinder: Wie sehen das die Eltern?)

Nach Corona: Grippeschutzimpfung für Kinder empfohlen

Er würde kleinen Kindern vorbeugend eine Impfung empfehlen. „Vor allem im ersten und zweiten Lebensjahr sind schwere Verläufe möglich“, erklärt er. Wenn man die Kindergarten-Altersgruppe bei der Impfung einbezieht, sei das vernünftig. „Da sind die höchsten Zahlen und Krankheitslasten.“

Die Grippeschutzimpfung kann ab einem Alter von sechs Monaten verabreicht werden. Alternativ zur Spritze steht für Kinder zwischen zwei und 17 Jahren auch ein Lebendimpfstoff gegen Influenza zur Verfügung, der als Nasenspray gegeben wird.

Empfohlen wird die Influenza-Impfung von der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen – das heißt aber nicht, dass sie für gesunde Kinder ausgeschlossen ist. Bei ihnen verläuft eine Influenza in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen, so das Robert Koch-Institut (RKI). (Mit Material von dpa)

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Silvia Marks/dpa

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