Macht Corona geisteskrank?

Angststörung bis Schlaganfall: Jeder dritte Corona-Patient entwickelt laut Studie ernste Leiden – Monate nach der Diagnose

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Je länger die Corona-Pandemie anhält, desto mehr Spätfolgen einer Coronavirus-Infektion werden bekannt. Britische Forscher kommen zu einer beunruhigenden These.

  • Bei lange andauernden Beschwerden nach einer Coronavirus-Infektion sprechen Mediziner von Long Covid*. Zu den Langzeit-Symptomen zählen unter anderem Müdigkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme, Kurzatmigkeit bis hin zu Depressionen.
  • Britische Forscher der University of Oxford haben sich speziell mit den Covid-Langzeitauswirkungen auf die Psyche befasst.
  • Ihre Studienergebnisse zeichnen ein beunruhigendes Bild.

Coronaviren können verschiedene Körpergewebe und Organe befallen. Je nach Körperareal kann es zu Symptomen wie Atemnot, Hautveränderungen bis hin zu Hörverlust kommen. Bereits im Sommer 2020 wurde bekannt, dass eine Coronavirus-Infektion auch das Gehirn angreift. So ging aus einer Pressemitteilung des Krankenhauses Barmherzige Brüder Regensburg hervor, dass Covid-19 Symptome wie Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit, Angstzustände bis hin zu Wahnvorstellungen zur Folge haben kann – die Rede ist vom sogenannten „Covid-19-Brain“.

Auch britische Forscher haben sich in einer aktuellen Veröffentlichung mit den psychischen Auswirkungen von Covid-19 beschäftigt. Dafür verglichen sie die elektronisch übermittelten Gesundheitsdaten von 236.379 Corona-Patienten mit Vergleichsgruppen, die an Grippe oder Atemwegsinfekten erkrankt waren. In der Studie heißt es: Jeder dritte US-Amerikaner, der 2020 an Covid-19 erkrankt war, wurde in den ersten sechs Monaten nach der Infektion wegen neurologischer oder psychiatrischer Erkrankungen behandelt. Wie das Ärzteblatt weiter berichtet, kam es am häufigsten zu Angststörungen und Depressionen. Aber auch Schlaganfälle und Demenzen wären laut der Auswertung bei Covid-19-Patienten häufiger als nach einer Grippe oder anderen Atemwegserkrankungen.

Im Video: Mehr über Long Covid

Lesen Sie auch: Langzeitfolgen: Corona-Patienten klagen sechs Monate nach der Erkrankung über Symptome.

Psychose nach Corona-Infektion

Die Studie der Oxford-Forscher ergab, dass Mediziner in ganzen 33,6 Prozent der analysierten Corona-Fälle sechs Monate nach der Diagnose Nervenleiden oder psychische Krankheiten diagnostizierten. 13 Prozent der Menschen erhielten zum ersten Mal eine derartige Diagnose, heißt es in der auf dem Fachportal medrxiv veröffentlichten Studie. „Die meisten Diagnosekategorien waren nach Covid-19 häufiger als nach Influenza oder anderen respiratorischen Infektionen, einschließlich Schlaganfall, Blutungen im Schädel oder im Gehirn, Demenz und psychotische Störungen“, schreiben die Forscher um Dr. Max Taquet von der Abteilung für Psychiatrie an der Universität von Oxford. Auch Depressionen wurden bei Covid-19-Patienten häufiger diagnostiziert. Diese Erkenntnis wird vom US-Institut Centers for Disease Control and Prevention (CDC) untermauert, die Depressionen als regelmäßig bei Corona-Langzeitpatienten beobachtetes Symptom auflisten.

Dr. Tim Nicholson, Psychiater und klinischer Dozent am King's College Hospital, gibt der britischen Nachrichtenplattform Guardian zufolge zu Bedenken, dass Covid-19 auch eine Psychose als psychiatrische Komplikation zur Folge haben kann.

Was ist eine Psychose?

Unter den Sammelbegriff Psychose fallen verschiedene psychische Störungen, die dazu führen, dass Patienten den Bezug zu sich selbst und zu ihrer Umwelt verlieren. Es kommt zu einer Persönlichkeitsveränderung, die die Betroffenen meist nicht selbst wahrnehmen. Man unterscheidet organisch bedingte und nicht-organisch bedingte Psychosen. Erstere wird durch Grunderkrankungen wie Demenz oder Multipler Sklerose, die Einnahme bestimmter Medikamente oder Drogen verursacht. Bei nicht-organisch bedingten Psychosen geht meist eine psychische Krankheit wie Depression oder Schizophrenie voraus oder aber Stress infolge einer Geburt.

Wann und wie lange psychische Beschwerden nach Covid-19 auftreten können, kann den Forschern zufolge nicht genau bestimmt werden. Auch könne ihre Studie nicht als Beweis dafür gesehen werden, dass eine Coronavirus-Infektion für die beobachteten psychischen Störungen verantwortlich ist. Es sei möglich, dass in den elektronischen Daten der analysierten Corona-Fälle nicht alle bisher aufgetretenen psychischen Störungen erfasst worden sind. (jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Mehr Quellen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/122741/Studie-Psychische-und-neurologische-Stoerungen-nach-ueberstandener-COVID-19-haeufig

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Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa/dpaweb-mm
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Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene.
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa/dpaweb
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Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
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Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © picture alliance / Science Photo
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt.
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

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