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Wichtiges Organ zur Fett-Verdauung - so halten Sie Ihre Gallenblase gesund

Krampfartige Schmerzen: Wenn Gallensteine zum Problem werden
Schmerzen im rechten Oberbauch können auf Probleme mit der Galle hinweisen. (Symbolfoto) © dpa/Christin Klose

Eigentlich ist sie nur ein kleines Anhängsel an der Leber. Bei Wut läuft sie uns sprichwörtlich über, und schnell kann das Ganze in einer chronischen Erkrankung samt Steinbildung enden: Die Gallenblase ist ein kleines, aber wichtiges Verdauungsorgan.

Fulda - „Ich wurde an der Galle operiert.“ Den Satz hat bestimmt schon jeder mal im Verwandten- oder Freundeskreis gehört. Doch die Aussage ist nicht korrekt, wie Professor Dr. Daniel Jaspersen erklärt. „Was umgangssprachlich als Galle ausgedrückt wird, ist kein Organ, sondern eine zähe gelbgrüne Körperflüssigkeit, die in der Leber produziert wird und für die Fettverdauung im Zwölffingerdarm zuständig ist“, erklärt der Gastroenterologe. „Das Organ nennt sich Gallenblase.“

Organ zur Fett-Verdauung - so halten Sie Ihre Gallenblase gesund

Und das Organ, das beim Menschen zwischen acht und zwölf Zentimeter groß ist, speichert zwischen den Mahlzeiten die bereits erwähnte Gallenflüssigkeit (etwa 700 Milliliter pro Tag), die neben der Fettverdauung auch für die Neutralisierung des stark sauren Speisebreis sowie die Ausscheidung von Cholesterin zuständig ist.

So klein die Gallenblase im Verhältnis ist, so viel Ärger kann sie unserer Gesundheit machen. „Gallenbeschwerden äußern sich durch Völlegefühl, Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen, dunkelbraunen Urin oder Gelbfärbung der Augen“, zählt Jaspersen auf. Er empfiehlt bei diesen Symptomen einen Gang zum Internisten oder Gastroenterologen.

Meist würden dort dann Gallensteine festgestellt. Tatsächlich machen sich laut Jaspersen nur bei etwa 25 Prozent, also jedem Vierten, die Gallensteine überhaupt bemerkbar. „Gallensteine, die keine Beschwerden machen, müssen nicht behandelt werden“, so der Professor. Und tatsächlich leiden rund 15 Prozent der Frauen, aber nur 8 Prozent der Männer an Gallensteinen.

Doch warum bilden sich diese Kristallisationsprodukte überhaupt? „Generell sind Gallenblasen-Probleme eine Wohlstandserkrankung“, sagt Jaspersen. „Meist ist es eine ungesunde Lebensweise, manchmal eine Stoffwechselstörung.“ Die richtige Ernährung kann dabei helfen, die Gallenblase gesund zu erhalten, aber auch insgesamt dabei helfen, etwa Entzündungen im Körper zu verhindern.

Mediziner sagt: „Gallenblasen-Probleme sind Wohlstandserkrankung“

Schmerzen im rechten Oberbauch können darauf hindeuten; die Leber mache eher selten auf sich aufmerksam, da sie keine Schmerzrezeptoren habe. „Die Leber ist auch nur im vergrößerten Zustand tastbar, normalerweise kann man nur den Rand ertasten“, erklärt der Experte.

Ernährung: Das tut der Galle gut

Kohlenhydrate wie Weißbrot, Zwieback, Knäcke- und Toastbrot sowie fettarmer Kuchen. Gut verträglich sind auch Haferflocken, Nudeln, Pellkartoffeln und Grieß. Bei Obst ist für eine gesunde Galle fast alles erlaubt wie geschälte Äpfel und Birnen, Himbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Grapefruits, Mandarinen Bananen und Melonen.

Milchprodukte mit maximal 1,5 Prozent Fett sind auch in Ordnung, milder Käse sollte einen Fettgehalt von 30 Prozent nicht übersteigen. Fischsorten wie Rotbarsch, Kabeljau, Scholle und Zander dürfen gegessen werden, ebenso mageres Fleisch wie Hähnchen, Reh und Hase. Alternativ sind auch magerer Schinken, Kalbfleisch, Schweinefilet und mageres Rindfleisch erlaubt, wenn sie nicht mit Fett zubereitet werden.

Nicht zu vergessen natürlich die gesunden Bitterstoffe, die in Radicchio, Rucola und Chicoree oder Artischocken zu finden sind, aber auch in Tees aus Mariendistel oder Löwenzahn. Auch in Kaffee sind Bitterstoffe vorhanden. Und in Schokolade mit einem sehr hohen Kakaoanteil.

Handelt es sich um kleine Steine, können die mithilfe von Medikamenten aufgelöst werden. Doch: „Der Gold-Standard ist die OP“, sagt Jaspersen. „Es ist die beste und sicherste Form der Behandlung.“ In 80 bis 90 Prozent der Fälle kann die OP minimalinversiv durchgeführt werden. Was bedeutet: Die Einschnittstelle wird so gering wie möglich gehalten, der Aufenthalt im Krankenhaus ist nach zwei, drei Tagen beendet.

Muss die komplette Gallenblase entfernt werden, ist auch das laut Jaspersen kein Grund zur Sorge: „Ohne Gallenblase kann man sehr gut weiterleben“, sagt der Arzt. „Das Hohlorgan ist letztlich entbehrlich, da das für die Fettverdauung zuständige Gallensekret nicht in der Gallenblase, sondern in der Leber produziert und von dort in den Darm abgegeben wird. Die Gallenblase dient also lediglich als Zwischenspeicher.“

Ernährung: Hier ist Vorsicht geboten

Weniger gut für die Galle sind Vollkornbrot, fettiges Gebäck und Pfannkuchen. Kartoffeln sind zwar erlaubt – allerdings nicht in Form von Bratkartoffeln, Pommes oder Salat mit Mayo. Unreifes Obst sollte gemieden werden, ebenso Pflaumen, Johannisbeeren, Weintrauben, Nüsse und getrocknetes Obst.

Fast alle Gemüsesorten sind erlaubt. Ausnahmen: Kohl, Zwiebeln, Wirsing, Paprika, Hülsenfrüchte, Rettich, Sauerkraut und Radieschen. Fettreiche Nahrungsmittel wie Schlagsahne, Kondensmilch oder fetter Käse wie Camembert sind tabu. Dasselbe gilt für Ente, gebratenen oder geräucherten Fisch wie Makrele, Lachs oder Aal.

Auch Schweinefleisch, gebratenes Rind, geräucherter Schinken, Brat- und Mettwurst sollten gemieden werden. Schokolade, Nugat und Eis sowie fettige Desserts dürfen bei Gallenproblemen nicht mehr auf den Tisch.

Was aber nicht bedeutet, dass man mit seiner Galle bewusst Schindluder treiben sollte. Und natürlich gibt es auch andere Erkrankungen außer den Steinen in der Gallenblase. „Sind Polypen in der Gallenblase vorhanden, sollte man, solange sie klein sind und sich nicht vergrößern, einmal im Jahr zur Kontrolle gehen“, rät Jaspersen. „Krebs kann sich ebenfalls bilden, gehört aber zu den selteneren Krebsarten.“

Auch eine Entzündung der Gallenblase ist laut Jaspersen möglich. Gerade die kann schwerwiegend verlaufen, erkärt der Experte. „Bei einem Hydrops der Gallenblase kommt es zu einer massive Schwellung; im schlimmsten Fall kann das Organ platzen, und das wird dann lebensbedrohlich.“ Anzeichen dafür sind starke Schmerzen im Oberbauch, Fieber und stark erhöhte Entzündungswerte.

In einem Beitrag für die Fuldaer Zeitung warnt Gesundheitsexperte Jaspersen zudem vor dem übermäßigen Konsum von Energydrinks. Eine Studie sieht die Getränke als Risikofaktor für Darmkrebs.

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