Auch ein Vagabund im Garten: Die Nachkommen der Ringelblume suchen sich gerne neue Standorte. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn
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Auch ein Vagabund im Garten: Die Nachkommen der Ringelblume suchen sich gerne neue Standorte. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn

Überraschender Ortswechsel

Vagabunden säen sich selbst aus

Im Frühling, wenn im Garten noch alles kahl ist, zeigen sich mitunter an Stellen Sämlinge, die eigentlich woanders ihren Platz haben. Gartenexperten geben Tipps, diese Vagabunden einzubinden.

Wuppertal/Erfurt (dpa/tmn) - Na, was machst du denn da? Noch winzige Blühstauden schieben sich aus dem eigentlichen Gemüsebeet. Neben den Rosen entwickelt sich auch überraschend ein kleiner grüner Teppich - es sind die Vagabunden des Gartens.

Das sind Pflanzen, die selbst ihre Samen verbreiten und so erst einmal unbemerkt neue Plätze im sonst doch immer so durchgeplanten und strukturierten Garten einnehmen. Verbreitet wurden die Samen im vergangenen Sommer vom Wind, aber auch Schuhsohlen und spielenden Hunde sind daran beteiligt und jetzt finden Hobbygärtner überall dort kleine Sämlinge, wo sie nicht sein sollten.

Das kann nerven, es kann aber auch seinen Reiz haben, wenn man sich auf die Überraschung einlässt. "Eine herrliche Eigenschaft" nennt die Gartengestalterin Anja Maubach aus Wuppertal diese Art der Vermehrung. Die daraus entstehenden ungeplanten Pflanzkombinationen verleihen einer Anlage, die vorwiegend statisch ist, neben Zufälligkeit auch Dynamik.

Die Kinder bleiben nicht unbedingt nah bei der Mutter

Vor allem da nicht alle Sämlinge in unmittelbarer Nähe zu ihrer Mutterpflanze auftauchen, wie das etwa bei Akelei und Leinkraut der Fall ist. Zum Beispiel die staudig wachsenden Wolfsmilcharten wie Euphorbia characias tauchen auch schon mal in einigem Abstand auf.

Auch wenn es davon Ausnahmen gibt, "die meisten Vagabunden haben als Individuum eine sehr kurze Lebensdauer", erläutert Jonas Reif, Professor für Pflanzenverwendung und Vegetationskonzepte an der Fachhochschule Erfurt. Sie lassen sich daher in Gruppen einteilen:

"Die Einjährigen überleben nur über Aussaat", erklärt Dieter Gaissmayer, Staudengärtner und Vorstand der Stiftung Gartenkultur in Illertissen (Bayern).

Die Zweijährigen nutzen zwar die gleiche Aussaatmethode, aber in einem anderen Rhythmus. Im ersten Jahr bilden sie nur Wurzeln und Blätter, im zweiten Jahr erst folgt die Blüte und damit die Selbst-Aussaat. "Bei diesen Vagabunden muss man schon aufpassen", sagt Gaissmayer zu den Zweijährigen. Zum Beispiel die Königskerze kann zu einem lästigen Großbewohner im Garten werden, da sie sich stark vermehrt.

Den Vagabunden bewusst Reisefreiheit gewähren

Man kann die unerwünschten Reisenden natürlich immer auch ausreißen. Oder aber man gibt den Vagabunden und ihrem Reisedrang bewusst im Garten einen Raum. Etwa dadurch, dass man nur einzelne dieser Pflanzen ins Beet integriert. Nach ein bis zwei Jahren der Selbstaussaat taucht die Pflanze dann dort in größerer Stückzahl auf.

"Dann beginnt man einzugreifen und lenkt die Entwicklung", erläutert Gaissmayer. Man kann dann zum Beispiel einzelne Farben selektieren oder auch nur die Menge an sich bestimmen, indem man immer nur eine bestimmte Anzahl an Sämlingen weiterwachsen lässt.

Eine andere Methode ist, einem neuen Staudenbeet nur eine lockere Pflanzendecke zu geben und in die Zwischenräume Vagabunden zu säen. "So wird das Prinzip der bleibenden und weichenden Stauden im Beet lebendig", sagt Gaissmayer. So braucht zum Beispiel die Pfingstrose gut drei bis fünf Jahre nach ihrer Pflanzung, bis sie sich im Beet etabliert hat. In der Zwischenzeit nehmen etwa die vagabundierenden Akeleien als Nachbarn mehr Platz ein, die aber wieder wegziehen, wenn der Platz knapp wird.

Nährstoffreicher, lockerer Boden ist optimal

Man kann den Vagabunden auch gleich etwas Spielfläche ganz überlassen - und sich jedes Jahr aufs Neue von der Zusammensetzung überraschen lassen. Zu den Voraussetzungen für ein gutes Wachstum gehört oft ein nährstoffreicher Untergrund. "Der Boden sollte offen, zugleich locker sein", so Prof. Rief. Er empfiehlt eine flache mineralische Auflage aus feinkörnigem Kies oder Splitt. "So wird eine gute Feuchtigkeit in der oberen Schicht gehalten, so dass die Sämlinge gute Keimbedingungen vorfinden."

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