Schwerer Gang in den Zeugenstand: Mutter spricht über Unglück am Free Fall Tower

12. Februar 2019
Gießen/Hoherodskopf

Wie konnte es dazu kommen, dass die zwölfjährige Sina Erb aus Hainzell nach einem Sprung von einem Free Fall Tower ums Leben kam? Diese Frage beschäftigt seit Dienstagmorgen das Landgericht Gießen. Angeklagt sind die zwei Betreiber des Free Fall Towers. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung vor.

Von unserem Redaktionsmitglied Corinna Hiss

Der Prozess gegen die beiden Betreiber des Free Fall Towers auf dem Hoherodskopf, wo am 31. August 2015 das tödliche Unglück passierte, sorgt am Landgericht Gießen für großes Medienaufkommen. Als die Angeklagten Raum Nummer 207 betreten, klicken die Kameras im Akkord. „Was sagen Sie zu dem Unglück?“, ruft ein Reporter. „Nichts bis Prozessbeginn“, entgegnet ihr Anwalt.

Jürgen Erb, der Vater der tödlich verunglückten Sina aus Hainzell, tritt als Nebenkläger auf. Seine Miene ist starr. Staatsanwalt Rouven Spieler offenbart in seiner Anklageverlesung Details: So seien um das Luftkissen, auf dem man nach dem Sprung landen sollte, Felsbrocken und Bauzäune gewesen.

Als Sina aus dem Kissen heraus katapultiert wurde, sei sie mit dem Kopf auf einen der Felsbrocken geschlagen. „Diese Kollision war todesursächlich“, sagt er zu Beginn der Verhandlung am Dienstag vor dem Landgericht Gießen. Seine Anschuldigung: „Die Angeklagten haben durch Fahrlässigkeit den Tod des Mädchens verursacht.“

Anlage „praktisch risikolos“

Die beiden Betreiber haben zu Beginn des Prozesses die Möglichkeit, sich zu dem Vorfall zu äußern. „Es ist für uns unglaublich, dass so ein schreckliches Unglück passiert ist. Wir würden es rückgängig machen, wenn wir könnten“, sagt der Ältere der Angeklagten.

Die 42 und 44 Jahre alten Angeklagten sagten aus, die Felssteine seien damals von den Beteiligten nicht als Problem wahrgenommen worden. „Wenn jemand nur ansatzweise gedacht hätte, dass jemand über den Airbag hinausspringen kann, hätten wir solch eine Veranstaltung nie gemacht.“

„Wir stellen uns auf den Standpunkt, dass an einem solchen Ort eine solche Einrichtung nicht hätte errichtet werden dürfen“, erläutert Anklagevertreter Rouven Spieler die Vorwürfe, die nicht auf eine vorsätzliche Tat lauten, sondern auf fahrlässige Tötung. Viel Zeit widmet Richter Jost Holtzmann den Vertragsregelungen und Abmachungen bis zur Freigabe des Sprungturms. Der Angeklagte gibt an, dass die Baufirma bescheinigt habe, dass die Anlage „praktisch risikolos sei“.

Urteil wird im März erwartet

Im Laufe des Prozesstages sind Zeugen geladen, unter anderem Beatriz Erb, die Mutter des verstorbenen Mädchens, die am Todestag auf dem Hoherodskopf dabei war Für die Equadorianerin ist der Gang in den Zeugenstand ein schwerer. Sie spricht meist in ihrer Muttersprache spanisch, immer wieder versagt die Stimme.

An Details vom Unglückstag könne sie sich nicht erinnern. „Aber den Schlag, als Sina auf dem Boden aufkam, werde ich nie vergessen“, sagt sie und weint dabei. „Es war ein wunderschöner Sommertag“, berichtet eine weitere Zeugin dem Gericht, die Mutter der besten Freundin der Verunglückten. Der Besuch des Kletterparkes sei ein Geburtstagsgeschenk von ihnen gewesen.

Die Mädchen und ihre Mütter fuhren gemeinsam dorthin. Die Kinder hätten begeistert geklettert und dann unbedingt von dem Turm springen wollen. Die 47-Jährige sollte davon mit dem Handy ein Video drehen. „Sie waren ganz euphorisch.“ Also lief die Kamera, als die Zwölfjährige zum Sprung ansetzte, zum Geländer griff und abstürzte. „Halt dich fest!“, habe sie noch gedacht, so die Zeugin.

Urteil wird im März erwartet

Die zwölfjährige Sina war laut Anklage im August 2015 in Schotten bei einem unkontrollierten Sturz von einem Sprungturm von einem mit Luft gefüllten Sprungkissen abgeprallt und mit dem Kopf auf einem Felsen aufgeschlagen. Dabei verletzte sich das Kind so schwer, dass es nach einem Monat im Koma starb.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Betreibern vor, Sicherheitsvorkehrungen missachtet zu haben – unter anderem hätten in der Nähe des Kissens keine Steine liegen dürfen. Das Urteil wird im März erwartet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird es in dem Prozess auch um die Qualität eines TÜV-Gutachtens für den Sprungturm gehen.

Zudem müsse geklärt werden, ob für die Anlage eine behördliche Genehmigung nötig gewesen wäre. Das Gericht wird voraussichtlich im März das Urteil sprechen. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. / chi, dpa, lea, sar

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