Die erste Frau an der Spitze des Vorstädtischen Bürgervereins: Sultana Marina I. zieht Foaset-Bilanz

29. Februar 2020
Fulda

Sultana Marina I. Eine Lilie mit Herz: Unter diesem Namen geht Marina Hasenauer in die Chronik des Vorstädtischen Bürgervereins ein, der bis 2018 Türkenbund hieß. Denn in der 132-jährigen Geschichte des Vereins ist sie die erste weibliche Fürstlichkeit. Die 32-Jährige zieht für unsere Zeitung Foaset-Bilanz.

Von unserem Redaktionsmitglied Lea Marie Kläsener

Marina Hasenauer mangelt es in ihrer vollen Sultanamontur nicht an Ausstrahlung und Kraft. Die 32-Jährige lacht viel und ist energiegeladen. Sie hat etwas geschafft, wofür sie sich lange eingesetzt hat und was nun in die Geschichte des Vorstädtischen Bürgervereins eingeht: Sie ist die erste Frau, die seit Gründung des Vereins 1888 ihre Gefolgschaft in die tollen Tage führen kann.

Schon als Kind war Hasenauer mit ihrer Mutter auf den meisten Fastnachtsveranstaltungen, mit 24 beschloss sie, einem Verein beizutreten. „So wurde ich Teil der Showtanzgruppe beim Vorstädtischen Bürgerverein“, erzählt sie. Damals kam bei ihr und anderen weiblichen Vereinsmitgliedern – darunter ihre heutige Adjutantin Belinda Berthold – die Idee auf, dass es einen weiblichen Pascha geben solle. „Wir haben gesagt: Wir würden das auch selbst machen.“

Mit dem Zeitgeist gehen

Es verstrich noch einige Zeit, bis die Regelung, die Frauen das Amt vorenthielt, geändert wurde. „Vor zwei Jahren haben wir die Idee dem Vorstand vorgetragen.“ Hasenauer wollte einen Umschwung. „Bei der Generalversammlung gab es dann eine riesen Diskussion“, erzählt die 32-Jährige.

Diese habe ewig gedauert, denn die Alteingesessenen wollten die Tradition bewahren. „Aber irgendwann muss man mal mit dem Zeitgeist gehen“, hält Hasenauer heute noch dagegen. Schließlich wurde die Änderung beschlossen – und in diesem Jahr hatte der Verein keinen Pascha, sondern eine Sultana als Fürstlichkeit.

Muffensausen vor der Vorstellung

Dennoch: „Vor meiner Vorstellung hatte ich Muffensauen. Ich wusste nicht, wie die Vereinsmitglieder wirklich reagieren werden.“ Ihre Unsicherheit hing mit einem Vorfall der Vereinsgeschichte zusammen, erzählt Hasenauer.

„2006 hat der Vorstand bei der Pascha-Vorstellung eine Frau als Fürstlichkeit bekanntgegeben. Da war richtig Aufruhr im Saal.“ Obwohl die damalige „Paschaline“ nur als Witz des Vorstands gezeigt wurde und der echt Pascha schon bereit stand, war das Publikum nicht sehr amüsiert.

Weibliche Fürstlichkeit gang und gäbe

„Deshalb wusste ich: Ich brauche eine Mannschaft, die hinter mir steht. Auch falls ich ausgebuht werde.“ Ihre zwei Adjutantinnen und Wächter habe sie sorgfältig ausgewählt. Ihre Angst war unbegründet: Die Vorstellung lief sehr gut: „Es war wirklich Party. Und die Alteingesessenen haben es akzeptiert.“

In anderen Randstaaten ist eine weibliche Fürstlichkeit gang und gäbe: „Sie haben sehr positiv reagiert. Wir feiern zusammen und verstehen uns gut“, sagt Hasenauer. Der Fuldaer Prinz war sehr überrascht, „er musste sogar spontan seine Rede umschreiben“, sagt Hasenauer und lacht.

Bilanz

Außerdem berichtet sie, dass die tollen Tage und das vergangene Wochenende „einfach fantastisch“ für sie gewesen seien. Sonntags war das Sultana-Wecken und montags das vereinsinterne Sultana-Frühstück. Außerdem nannte Hasenauer das Stürmen des Finanzamtes und den RoMo-Umzug auf dem Turm des Motivwagens vom Verein als persönliche Highlights der zurückliegenden Tage.

Auf die gesamte Kampagne blickte sie ebenfalls zurück und hob einige Veranstaltungen hervor, wie „Foaset für Freeme“ (Hintergründe zur Foaset), der Besuch beim Ministerpräsidenten Volker Bouffier in Wiesbaden, die Südendmartinée, der Friedensgottesdienst in der Stadtpfarrkirche, das Gipfeltreffen aller Fürstlichkeiten auf der Wasserkuppe und der Einmarsch bei der Innenstadtpfarrei, als der gesamte Saal „Hoch lebe Sultana“ sang.

„Die Reaktionen auf die erste weibliche Fürstlichkeit waren sehr positiv. Auch die ,alten Hasen‘ waren und sind nach der Kampagne begeistert diesen Weg eingeschlagen zu haben“, sagt Hasenauer rückblickend.

Heute ist Weiberfastnacht: Fastnacht-Traditionen bremsen Frauen aus

Heute wird Weiberfastnacht gefeiert: Bei den zahlreichen Veranstaltungen in der Region lassen es Frauen so richtig krachen. Ansonsten ist Fastnacht eher eine Männerdomäne. Bereits im Mittelalter wurde aber mancherorts den Frauen für einen Tag die Macht zugestanden - ein Vorläufer der Weiberfastnacht. An das Geschlecht gebundene Einschränkungen gibt es aber auch heute noch.

Anzeige