Nach Rassismus-Vorwürfen: OB verteidigt Fastnachtsverein bei Südend-Matinee

20. Februar 2017
Kohlhaus

Dass die Fuldaer Rand- und Bundesstaaten sowie die Fuldaer Karnevals-Gesellschaft (FKG) nicht nur gemeinsam feiern können, sondern auch fest zueinander stehen, wenn es Probleme gibt, bewiesen die Aktiven bei der Südend-Matinee am Sonntag im Bürgerhaus von Kohlhaus.

Von unserem Redaktionsmitglied Anja Trapp

Anlass waren die Vorwürfe von Mitarbeitern der Hochschule Fulda, dass das Südend aufgrund ihrer Uniformen rechtsradikal und faschistisch sei sowie Menschen mit anderer Hautfarbe verunglimpfen würde. Der Vorsitzende des Südends, Andreas Beck, verlas gleich zu Beginn der Matinee eine Stellungnahme zu den Vorwürfen.

Darin betonte er, dass die Mitglieder des Südends weder rechtsradikal noch faschistisch seien. Sie akzeptierten alle Menschen dieser Erde und gingen mit ihnen respektvoll um, so der Vorsitzende. Die Tür des Vereins stünde für jeden offen, betonte Beck. Er unterstrich, dass die Mitglieder des Vereins nicht gewalttätig seien; das einzige, was die Aktiven wollen, ist die Foaset in Foll zu feiern.

Auch der ehemalige, langjährige Vorsitzende und Chef des Protokolls des Karnevalsverbandes Kurhessen (KVK), Winfried Kollmann, erläuterte in seiner Ansprache, dass diese Vorwürfe nicht haltbar seien, da die Mitglieder keine Glorifizierung der Kolonialherren aufzeigen wollen, sondern nur, wie sich der südliche Teil der Stadt Fulda in einer südländischen Uniform darstelle.

Nach Rassismus-Vorwürfen: OB verteidigt Fastnachtsverein bei Südend-Matinee

Diese Worte und die Aufforderung, gemeinsam zusammenzustehen, hielt die Anwesenden nicht mehr auf ihren Stühlen. Mit langanhaltendem Beifall wurde dieser Zusammenhalt bekundet. Auch während des Verlaufs der Matinee gingen die einzelnen Fürstlichkeiten sowie Fuldas Prinz Dirk Novus Hotelicus LXXVI. auf diese Anschuldigungen ein und versicherten dem Südend, sich gemeinsam diesen Vorwürfen zu stellen.

Kurz entschlossen entschied man sich, ein Banner für die Prunkwagen am Rosenmontag zu fertigen. Auf diesem wird zu lesen sein: „Die Fulder Foaset ist bunt, wir lassen uns nicht verbieten Tradition und Mund – Vereine halten zusammen“.

Der Schirmherr der Fulder Foaset, Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) bat in gewohnter Weise in Reimform, die Foaset richtig zu genießen und sich die Freude daran nicht vermiesen zu lassen. Wörtlich rief er in den Saal: „Als Schirmherr sage ich zu allen, denen eure Helme vielleicht nicht ganz gefallen – klar zur Warnung – ihr habt von Fastnacht keine Ahnung“, was wiederum für viel Beifall sorgte.

Fuldas Prinz Dirk betonte in seiner Ansprache, stolz zu sein auf den Zusammenhalt. Die Foaset sei bunt, die Narren seien bunt, aber alle seien gegen Rassismus. Aber bei allen ernsten Worten vergaß man nicht, die Foaset zu feiern. Vielleicht auch gerade deswegen herrschte eine sehr private und persönliche Atmosphäre im Saal.

Nach Rassismus-Vorwürfen: OB verteidigt Fastnachtsverein bei Südend-Matinee

Die Fürstlichkeiten hatten auf das Südend-Fürstenpaar Heiko und Katharina abgestimmte Geschenke mit dabei. Eine besondere Überraschung hatten sich Carsten Schreiner (FFCK) und Jens Larbig (Ostendia) einfallen lassen. Zu der Melodie von „Sweet Carolina“ wurde „Denn wir sind in Fulda dabei“ gesungen.

Die Gardeinspekteure Volker Rippert (FFCK) und Florian Herr (Wolkenkratzer) parodierten mit der Puppe Otto von Wurmloch auf sehr humorvolle Art und Weise die einzelnen Fürstlichkeiten. Einen flotten Gardetanz präsentierte die Südend-Tanzgarde. Grußworte überbrachten die Vorsitzenden der Vereine aus Kohlhaus sowie der einzige Gastverein aus Rönshausen.

Ehrungen standen an diesem Vormittag ebenfalls an. So wurden für zehn Jahre Mitgliedschaft im Südend Sophia Reinhart, Frank Reinhardt und Mario Baster geehrt. Für 25 Jahre Ottmar Hack, Erika und Willibald Hammerl, Jochen Schulte und Josef Dieter Bamberger. Eine hohe Auszeichnung ging an die Verfasserin dieser Zeilen. Ihr wurde aus der Hand des Chefs des Protokolls des KVK, Winfried Kollmann, für ihr Engagement in der Fulder Foaset der Karlsorden verliehen.

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