Video: Ergreifender Friedensgottesdienst der Karnevalisten in Stadtpfarrkirche (mit Fotogalerie)

10. Februar 2019
Fulda

Es ist eine der Höhepunkte in der Fastnachtskampagne: der Friedensgottesdienst der Karnevalisten in der Fuldaer Stadtpfarrkirche. Stadtpfarrer Stefan Buß fand in seiner gereimten Predigt am Sonntag heitere Worte, schlug aber auch ernste Töne an.

Es stellt sic ein Gefühl der Erhabenheit ein, wenn die Karnevalsvereine unter den Klängen des Musikvereins Niesig in die Kirche einziehen – mitsamt ihren Uniformen, Kostümen und Fahnen. Vor dem Altar legen die Tollitäten aber ihre Insignien der Macht ab – um zu zeigen, dass im Gotteshaus nicht Prinz, Marshall oder Brunnenherr, sondern Jesus Christus den Ton angibt.

Cargando reproductor ...

Immer wieder herzliches Lachen und anerkennenden Applaus fand die gereimte Predigt von Stadtpfarrer Stefan Buß, die wir im Wortlaut unten wiedergeben. Unter anderem rief der Stadtpfarrer die Bürger auf, sich nächsten Samstag gegen die Demonstration der Neonazi-Partei „Dritter Weg“ zu stellen und für ein weltoffenes und tolerantes Fulda einzustehen.

Video: Ergreifender Friedensgottesdienst der Karnevalisten in Stadtpfarrkirche (mit Fotogalerie)

Für den würdigen Rahmen des Gottesdienstes sorgten die Stoadtschisser der Florengäßner Brunnenzeche, die Engelszungen, der Musikverein Niesig, Jochen Rill an der Orgel und auch Fuldas Prinz Markus Günther, der nicht nur die Lesung hielt, sondern auch mit der Posaune die ergreifende Ballade „The Rose“ darbot. / kir

Die Predigt von Pfarrer Buß:

Fastnacht 2019

Liebe Schwestern und Brüder, nun ist es wieder mal soweit,

es begann die fünfte Jahreszeit.

An Karneval, so ist es Sitte,

steigt mancher Mensch mal in die Bütte.

Für die Fulder Foaset ist’s seit Jahren Brauch,

ich wurd gefragt: tun Sie’s im Friedensgottesdienst wohl auch?

Die Predigt soll gereimt erklingen,

die Foaset tut das mit sich bringen.

Jedoch, so könnte jemand fragen,

darf ich dies im Gotteshause wagen?

Christsein ist doch ein ernstes Ding!

Da sind wir auch schon mittendrin:

Dass ich als Narr das heut will machen,

bedeutet nicht, Ihr müsst auch lachen.

Der Narr will nicht nur Späße treiben,

er muss, um wirklich Narr zu bleiben,

sowohl den Jungen wie den Alten

den Spiegel vor die Augen halten,

damit sie alle, Greis und Kind,

begreifen, wie sie wirklich sind.

Foaset ist’s und Karneval,

die Narren feiern überall.

Ihr, liebe Kinder, liebe Frommen,

ihr seid zur Kirche heut gekommen,

zum Gottesdienst, zum Lob des Herrn,

ich hoff, ihr hört die Predigt gern.

Die Fastnachtsfarben überall

ziern Straßen heut und manchen Saal.

Auch hier in unserem Gotteshaus,

da sieht es heute fröhlich aus:

schön bunt und lustig, liebe Leut’,

ich denk, es auch den Herrgott freut.

An Fasnacht woll‘n die Menschen lachen,

schunkeln, tanzen faxen machen

und sicherlich nicht ohne Grund,

heißt’s lachen, das ist sehr gesund.

Zufrieden ist, wer lachen kann,

selbst wenn so manches dann und wann

mir schwierig, hart, als Last kommt vor

es trägt sich leichter mit Humor

Bei uns hat alles seine Zeit,

und heut ist Zeit für Fröhlichkeit.

Und drückt uns Kummer auch und Sorgen,

verschieben wir sie getrost auf Morgen.

Auch Trauer, Schmerz und andre Not

bringen wir getrost vor unsern Gott.

Seit einigen Monaten sieht man uns auf der ganzen Welt,

von Bimmich bis sogar USA ist unser Livestream eingestellt.

So grüßen wir euch alle ob nah oder fern, die ihr den Kanal jetzt schalltet ein,

mit einem herzlichen Grüß Gott und Föllsch Foll hinein.

Besonders gegrüßt aber seinen in den Zentren unsere Senioren,

von St. Josef bis Mediana schauen sie zu und spitzen jetzt die Ohren.

Ich trage heute, das ist normal des Domkapitulars Birett,

es hat die schöne Farbe violett.

Diesmal aber dachte ich es wäre doch der Clou,

ich trage den Hut von Don Camillo

Doch all das passt nicht so richtig hier hin,

es fehlt noch was, dass ein richtiger Narr ich bin.

Jetzt habe ich eine neue Narrenkappe von der FKG und die steht mir sehr fein,

und ich sag euch ich will immer eurer Fuldaer Foaset Pfarrer sein.

Prinz Johannes aus dem letzten Jahr und seiner Mannschaft danke ich noch einmal sehr,

auf dem Prinzenwagen mitzufahren macht schon was her.

Auch habe ich den kleine Prinzen getauft, der war mit der Franzi schon mit auf dem Wagen, das ist doch ganz toll,

passt mal auf in 30 Jahren ist der de Prinz von Foll.

Der neue Prinz ist heute nun da,

Markus, du bist in der Kampagne die ganze Zeit schon der Star.

ich grüße dich mit Doreen, Jürgen und Peter, deiner ganzen Mannschaft.

Ihr erobert zur Zeit die ganze Fuldaer Foaset Landschaft

Du hast die Kampagne bisher gut geführt,

das hinter euch eine karnevalistische Familie steckt hat man gespürt.

Du brauchst dich nicht zu verstecken hinter Alexander, deinem starken Bruder,

Er muss arbeiten, diesmal sitzt du bei der Foaset am Ruder.

Du bist nicht nur ein Bagger, Bau-Mensch und Maurus,

du bist vor allem auch ein großer Musikus.

Du schreitest voran mit deiner lauten Posaune,

und hältst alle Leute in den Sälen bei Laune.

Ihr seid ja aus Rodetal,

beherrscht aber in der Kampagne auch das ganze Fuldatal.

Weil es heute in der Kirche, in der Kommune Fusion ist so Mode,

soll jetzt Petersberg und Künzell nach Oberrode.

Auch heute bist du musikalisch dabei,

du bläst allen den Marsch und betest noch dabei.

Die Musik ist bestimmt von klarem Klang und Harmonie,

drum spielt alle zusammen und streitet euch nie.

Drum hegt keine Eifersucht und auch keinen Neid,

Frohsinn erfülle eure Herzen und fege weg alles Leid.

Freut euch aneinander und was jeder auch kann,

sind Talente Gottes und erfreut Frau und Mann.

Ich grüße alle Randstaaten und alle ihr Leut

Schön, dass ihr wieder gekommen seid.

Was ich an der Fuldaer Foaset so klasse, so toll find,

welche eine Vielfalt die FKG, die Randstaaten mit Rind und Kind.

Dafür werden wir geliebt und sind über Fuldas Grenzen bekannt.

Nach Fulda zur Foaest komme se auch von weit her gerannt.

Seht mal hier, wer sitzt denn da?

Das ist ja unser Brunnenpaar.

Es macht uns ganz stolz, sie sind dabei,

und sie kommen direkt aus der Innenstadtpfarrei.

Der Maximilian, so heisst er, mit dem Namen Traut,

auf seien Stimme unser Verwaltungsrat vertraut.

Und Brunnenliesel Bettina schaut mir tief in die Augen,

seit dem kann ich viel besser sehen, ihr könnts kaum glauben.

Die Innenstadtpfarrei, man höre und staune,

die sind diesmal wieder richtig bei Laune.

Am Rosenmontag sind wir beim ROMO diesmal wieder dabei,

aber nee, nee der Pfarrer diesmal ohne Hirschgeweih.

Es braucht also keiner beim Pfarrer zu schwitze und zu stöhne,

das ich bei de Foaset dabei bin, daran müsse sie sich langsam in Foll gewöhne.

Fulda ist nun fair-trade Town, das ist ja sehr fein,

jetzt braucht es auch in Zukunft Faire-trade Kamelle, Föllsch Foll hinein.

Beim Stadtjubiläum 2019 da wird’s bestimmt was geben,

da sind wir vielleicht mit den Stadt- und Pfarreipatronen vertreten.

Simplicius, Faustinus und Beatrix heissen die drei,

sind für viele schwierig auszusprechen, jedoch in de Reih.

„Kirche für die Menschen in der Stadt“ mit diesem Motto sind wir aufgestellt und überall dabei,

das steht für Qualität, nahe bei den Menschen -halt einfach Innenstadtpfarrei.

Lieber Präsident der FKG grüß den Vize herzlich, ich will ihm mal sagen,

Er hat gestern Abend zur Kirche gesagt seine Klagen.

Wenn er will das ich jetzt soll heiraten, damit ist die Kirche noch nicht weiter,

da sind wir mit all unseren Problemen längst nicht aus dem Schneider.

Wenn wir nur an äußeren Strukturen rütteln mit Getose,

und gehen nicht tiefer im Glauben, ja dann geht es in die Hose.

Wir sind in der Stadt recht gut präsent und gar nicht rar,

in den Kneipen und Bars sind wir als Caspar, Melchior und Balthasar.

Wir sind bereit uns dafür zu blamieren, aber wollen für den guten Zweck Kinder in Not gern kassieren.

So mancher schüttelt seinen Kopf,

was die da so machen bleibt manchem stecken im Kropf.

Keine deutsche Bezeichnung mehr, wenn´s ja wenigstens Latein nur wär.

Alles in Englisch: Late-night Messe, nigthfever, Citypastoral, urban churching und auch noch powetrie-dance,

kann mir da eiern sagen, was soll das ganze Getöns?

Der Stadtpfarrer gestaltet auch noch die Kirche um, Anbetungskapelle zugemauert und viele Löcher in der Wand,

da gerätste ja wirklich an des Wahnsinns Rand.

Wir haben so manches verändert in der Kirche hier,

wir laden jung und alt ein zu verweilen hier.

Um sich neu auszurichten auf die innere Mitte,

es bedarf hier im Raum einfach nur ein paar Schritte.

Unser neuer Eingangsbereich, unsere Lounge, die Anbetungskapelle, unsere Gedenkwand,

alles wie aus einem Guss entstand.

Jeder soll herzlich hier willkommen sein,

ob jung, ob alt, ob groß, ob klein.

Doch es geht uns nicht nur um das Gebäude,

es geht vielmehr um all die Leute.

Wir wollen hier in Fulda geben der Kirche ein freundlich Gesicht,

und verkünden nicht den Gott des letzten Gericht.

Unser Leitbild das ist und bleibt der Papst Franziskus,

er fordert uns auf Geht auf die Strassen und Plätze, da ist es wo man präsent sein muss.

So ist uns wichtig auch unser offenes Portal,

es steht weit offen, man kann reinkommen, jeder hat die freie Wahl.

Wir fragen nicht, was bist du was hast du, wo kommst du her,

es kommt nicht auf Titel und Konfession oder Religion an, der Mensch zählt mehr.

Es geht nicht um Show oder dabei zu sein bei allem,

es geht darum die Sache Gottes den Menschen verständlich zu machen.

Doch wir gehen hier in der Stadtpfarrei unseren Weg,

und scheint auch manches wirklich verdreht.

es geht drum die Herzen der Menschen für Gott zu gewinnen.

Ein halbes Jahr war‘n wir nur bischofslos

doch nun ist uns’re Freude groß:

ein Freiburger Jung‘, der kommt nach Foll

der jüngste Bischof, das ist doch toll.

Den Namen kennt ihr alle, ihr seid doch Schnellmerker

der Neue der heißt Michael Gerber

Empfangen wir ihn mit viel Freude

und off’nem Herzen, liebe Leute.

Denn nur gemeinsam kann’s gelingen,

das Bistum auch voran zu bringen.

Ein jeder sollte an uns sehn,

dass wir zu uns‘rem Bischof stehn.

Dann wird ganz deutlich, was es heißt:

so viele Gaben und ein Geist,

der stärkt und auch zusammenführt,

damit daraus die Kirche wird.

Wenn dies wir uns vor Augen halten,

wird sich die Zukunft gut entfalten.

Zuversicht und Freude sollen strahlen wir aus,

ich schau in eure Gesichter, lasst es ausgehen hier von diesem Haus.

Schon Nietzsche gab uns zu verstehen:

„Erlöster müssten die Christen aussehen.“

Nehmen wir das ernst, ich sag es ganz offen,

woran wir glauben, worauf wir hoffen?

Manchmal möchte ich aus der Haut fahren, ich kann’s Euch sagen:

Wir sollen frohe Botschaft verkünden - doch wir jammern und klagen...

Dabei könnten wir wirklich eine Freude weitergeben,

eine Freude, die Halt gibt und Hoffnung fürs Leben!!

Eine Freude, die Christus selber uns schenkt,

die unser Leben begleitet und trägt und lenkt.

Nicht Jux und Dollerei bloß an närrischen Tagen,

an Aschermittwoch voll Trauer zu Grabe getragen.

Die Botschaft der Bibel, sie ist kein Blabla:

Freut Euch mit uns - das Reich Gottes ist nah und schenkt Licht!

und verkünden nicht einen Gott des letzten Gericht.

Ihr Karnevalisten eurer Anliegen heute der Frieden ist,

wir gehen es an und dazu braucht man kei List.

Im Kleinen fängt der Frieden an,

im eigenen Haus, im eigenen Verein, es tut jeder was er kann.

So wählt Gott oft die Narren in dieser Welt,

weil sie schon immer für ganz wenig Geld,

den Menschen deutlich den Spiegel vorhielten

und genau dadurch letztendlich erzielten,

dass viele sich wieder von Neuem besannen,

was sie in Gottes Namen sind und dann auch begannen,

sein Wort umzusetzen; - deshalb haben Narren erreicht,

dass so manch versteinertes Herz, sich doch hat erweicht.

Noch in eigener Sache: Nächsten Samstag kommen wieder rechte Chaoten in unsere Stadt, was soll den das?

Die sind gegen unsere Demokratie, schüren Unfrieden und Fremdenhass.

Ihr Narren und auch all ihr Bürger kommt am Samstag alle heraus,

wir rufen ein weltoffenes und tolerantes Fulda aus.

So wollen wir heute alle miteinander fröhlich singen

und die Botschaft des Friedens zu allen bringen.

Wir rufen alle ob Groß oder klein,

nun Halleluja und Föllsch Foll hinein

Amen.

Doch Moment mal noch eins zum Schluss, dass will ich euch sagen

Die Stoadtschisser und ich wollen in einem Lied es wagen.

Es ist uns gewiss und darauf können wir es wagen,

wir lassen von Gott uns allen es zusagen.

Wir haben jeden Tag sein Wort und das ist wahr,

Gott lässt uns alle nicht allein, ist immer für uns da.

Stefan Buß, Stadtpfarrer Friedensgottesdienst 10.2.2019