220 Kilometer durch Mosambik: Hainzeller wird Zweiter beim Africa Race

01. Dezember 2019
Fulda

Da waren es nur noch drei: Beim Africa Race in Mosambik ist Sascha Gramm sensationell Zweiter geworden. Seinem Ziel, die „Continental Challenge“ zu finishen, ist der Hainzeller damit einen Schritt nähergekommen.

Von unserem Redaktionsmitglied Patrick Wichmann

Die Neugierde läuft immer mit bei Sascha Gramm. Denn so groß der sportliche Ehrgeiz des Etappenläufers aus Hainzell ist, so groß ist auch seine Lust auf Entdeckungen. Wenn Gramm also wenige Tage nach seiner Rückkehr nach Deutschland über seine Teilnahme am Africa Race spricht, die ihn 220 Kilometer quer durch Mosambik geführt hat, dann redet er zunächst nicht über seinen sensationellen zweiten Platz. Nicht über die Entbehrungen und Wagnisse des Etappenrennens durch Ostafrika. Nicht über das große Ziel, auf allen Kontinenten sportlich erfolgreich zu sein.

Nein, Gramm spricht erst einmal über Land und Leute. „Man kommt aus dem Gucken überhaupt nicht mehr heraus, taucht komplett ein in eine neue Welt“, sagt er und holt sein Smartphone aus der Hosentasche. Der 40-Jährige zeigt Videos und Bilder von Kokosnusskletterern, vom regen Treiben auf gigantisch-bunten Wochenmärkten, von der längsten Hängebrücke Afrikas, die Maputo und Katembe verbindet, vom Leben in den kleinen Dörfchen, welche die Dünen des Landes säumen, und von unzählig vielem mehr. Zu allem weiß der Hainzeller eine Geschichte zu erzählen, und seine Faszination ist in jedem Satz spürbar.

Fast schon ein Arrivierter der Szene

Dabei hätte Gramm allen Grund, vor allem in seinen sportlichen Erfolgen zu schwelgen. Der 40-Jährige nämlich hat sich in den vergangenen Jahren als Etappenläufer einen Namen gemacht. War er vor anderthalb Jahren noch mit vielen Unwägbarkeiten im Gepäck in die Mongolei aufgebrochen, wo er am 250 Kilometer langen Gobi March teilnahm, gehört er inzwischen schon fast zu den Arrivierten der Szene.

Im vergangenen Frühjahr absolvierte er „The Track“, den mit 520 Kilometern Länge härtesten Etappenlauf der Welt durch das australische Outback. Nun folgte die Teilnahme am Africa Race: 220 Kilometer mit Gepäck zur Selbstverpflegung standen binnen fünf Tagen auf dem Programm. Campiert wurde in Zelten, tagsüber ging es so schnell wie möglich durch knöcheltiefen Sand in den Dünen und zum Abschluss durch die Brandung entlang des Indischen Ozeans.

Jede Herausforderung ernst nehmen

220 Kilometer, ein Klacks nach den 520 in Australien? „Jedes Rennen ist anders“, sagt Gramm, „eine andere Umgebung, andere Personen, ein anderes Team. Man darf nie den Respekt verlieren und muss jede Herausforderung ernstnehmen.“ Die Demut, die sich in diesen Sätzen spiegelt, scheint tief in seinem Charakter verwurzelt zu sein. Und sie ist gewiss einer der Gründe, warum der Hainzeller wieder und wieder bei den Etappenrennen überrascht.

Denn wie schon in der Mongolei und in Australien trumpfte Gramm in Mosambik groß auf. Von Beginn an gehörte der einzige deutsche Starter im Feld zu den Top drei und bestätigte diese Leistung von Etappe zu Etappe. Lediglich Iulian Rotariu aus Rumänien, der bereits „The Track“ gewonnen hatte, und der Australier Jamie Hildage sortierten sich zunächst vor Gramm ein. „Vor der letzten Etappe hatte ich einen deutlichen Abstand auf den Vierten“, sagt Gramm, „diesen wollte ich unbedingt halten. Auf das Treppchen zu kommen, war schließlich ein unglaublicher Erfolg für mich.“

Schlussetappe wurde zu Triumphzug

Letztlich kam es sogar noch besser, die Schlussetappe wurde zum Triumphzug. Aus 45 Minuten Rückstand auf Hildage beim Start der fünften Etappe wurden letztlich 30 Minuten Vorsprung. „Man kann sich das überhaupt nicht vorstellen“, sagt er. „Man läuft und läuft und läuft – und weiß überhaupt nicht, wie man steht und wo die anderen sind.“ Mit einer Gesamtzeit von 27:01:07 Stunden finishte der Osthesse schließlich das Africa Race. Erst mehr als eine Stunde später überquerte Hildage die Ziellinie der finalen Etappe.

Durch seine erfolgreiche Teilnahme am Africa Race hat Gramm die zweite Hürde auf dem Weg zur „Continental Challenge“ genommen. Binnen zwei Jahren müssen fünf bestimmte Etappenrennen auf fünf Kontinenten absolviert werden, um sich in den elitären Kreis einreihen zu dürfen. Australien und Afrika hat er bereits abgehakt, Europa, Amerika und Asien stehen noch aus.

Planungen für nächstes Jahr laufen

Und die Planungen laufen bereits an: Das Ultra Norway Race und das Ultra Bolivia Race hat Gramm für 2020 fest ins Auge gefasst, möglicherweise startet er sogar noch im selben Jahr beim Ultra Asia Race in Vietnam. Sollte mit diesem Programm alles klappen, wäre er erst der zweite Läufer überhaupt und der erste Europäer, der die fünf Rennen direkt hintereinander absolviert. Der sportliche Ehrgeiz wäre damit erst einmal befriedigt. Wichtiger noch ist ihm allerdings der persönliche: „Ich will die Freude am Laufen behalten“, sagt er.

Auch im kommenden Jahr dürfte Sascha Gramm eine Menge zu berichten haben, was er bereits bundesweit in Form von Impulsvorträgen umsetzt.

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