Am Donnerstag öffnet die „Quarantine“ – Restaurant Ritter verteilt kostenloses Mittagessen 

25. März 2020
Fulda

Die Gaststätten haben geschlossen – und das auf unbestimmte Zeit. Jonas Sporer vom Restaurant Ritter will nun ein Zeichen setzen: „Wir Gastronomen sind noch am Leben!“ Deshalb gibt er donnerstags kostenloses Mittagessen aus. Das Motto: Quarantine.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Eigentlich läuft es richtig gut beim Ritter: Der Pachtvertrag wurde vor Kurzem um acht Jahre verlängert, und die Küche ist aufwendig renoviert worden. „Sie wurde komplett umgestaltet. Vorher waren sich Spülstraße und Service im Weg, auch für die Köche war die Situation nicht optimal.

Jetzt ist der Zuschnitt verbessert, und wir haben die neuesten Geräte. Insgesamt sind 250 000 Euro investiert worden“, berichtet Jonas Sporer, der seit fünf Jahren das Restaurant in der Kanalstraße betreibt und dort kocht.

Lieferservice lohnt sich nicht

Die Einweihung der neuen Küche sollte groß gefeiert werden – doch das Coronavirus machte einen Strich durch die Rechnung. Restaurants müssen geschlossen bleiben, damit die Zahl der Infizierten nicht noch weiter steigt. „Das ist richtig bitter. Unsere Kühlhäuser sind voll mit Lebensmitteln, die wir jetzt nicht wie geplant verwenden können“, sagt Sporer. Einen Lieferservice einzurichten, das lohne sich nicht. „Und die Lebensmittel wegwerfen, das kommt für mich nicht infrage.“

Deshalb sei die Idee der Quarantine entstanden – ein Mix aus Quarantäne und Kantine. Mit Start am 26. März will Sporer jeden Donnerstag von 11.30 bis 14 Uhr kostenloses Mittagessen ausgeben. „Es besteht aus einem warmen Hauptgericht, frischem Obst und einer Überraschung“, kündigt er an.

Essensausgabe nicht im Restaurant

Michaela Geyer, Chefin des Hotels Zum Ritter, ergänzt, dass das Hotel überdies ein Getränk zu jedem Essen sponsern werde. So soll einerseits ein Zeichen gesetzt werden: „Trotz Corona, trotz Kontaktverbot – wir sind am Leben“, betont Sporer. Andererseits wolle er dem Viertel etwas zurückgeben: „Wir fühlen uns in der Altstadt richtig wohl. Wir haben mit unserer regionalen und kreativen Küche viele Stammkunden gewonnen – und wollen nun Danke sagen.“

Das Ganze funktioniere aber nur unter strengen Hygieneregeln, sagt er: „Ich koche allein, mit Mundschutz. Die Ausgabe des Essens erfolgt vor, nicht in dem Restaurant. Es wird Bodenmarkierungen geben, damit die Leute genug Abstand voneinander halten. Und man kann sich vor der Ausgabe die Hände desinfizieren.“

Ritter-Retter-Scheine

Auch wenn das Essen kostenlos ist: Sporer hofft auf Spenden oder den Kauf von Gutscheinen. Denn den Gastronomen gehe es durch das Coronavirus richtig schlecht, sagt er: „Das Geld, das man im besucherstarken Dezember verdient hat, hat man in den eher schwachen Monaten Januar und Februar schon wieder ausgegeben.

Im März fängt das Geschäft allmählich wieder an zu laufen – und nun bricht uns alles weg. Der Verlust durch die vielen Stornierungen geht in die Zehntausende.“ Sein Team – insgesamt zehn Personen – hat er bereits heimgeschickt. Er hofft, dass die Regierung den Gastronomen Direkthilfen zukommen lässt, am besten zinslose Kredite. „Ansonsten machen in ein paar Monaten reihenweise Restaurants und Kneipen dicht“, ist Sporer besorgt.

Um über die Runden zu kommen, will er nun „Ritter-Retter-Scheine“ verkaufen. „Dafür erhält man, wenn Corona überstanden ist, ein exklusives Menü mit Wein für 95 Euro.“ Der Koch macht deutlich: „Das machen wir nicht, um jetzt groß Kasse zu machen – sondern einfach nur, um den Ritter trotz der Krise zu erhalten.“

Gastronomen begegnen Corona-Krise kreativ - rührende Geschichte im Fuldaer Haus

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Krenzer Not macht bekanntlich erfinderisch. So bietet zum Beispiel die Fleischerei Meissmer innerhalb des eingerichteten Lieferservices ein Krisenpaket für 7,50 Euro an - darin enthalten sind Klopapier, Nudeln und Eier. Den Humor hat man trotz der angespannten Situation in Eiterfeld also offenbar nicht verloren.

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