Aus dem Schandfleck Rhön-Möbelfabrik soll „eine der schönsten Wohnanlagen Fuldas“ werden

23. März 2015
Fulda

Der Bauantrag wurde Mitte der Woche gestellt: Der Schandfleck Rhön-Möbelfabrik im Horaser Weg wird kernsaniert. Aus der Bauruine wird „eine der schönsten Wohnanlagen Fuldas“, verspricht der Investor. Zehn luxuriöse Reihenhäuser sind geplant, und die Villa soll glanzvoller als in der Vergangenheit erstrahlen.

Der Investor aus Franken hat große Pläne für die alte Rhön-Möbelfabrik am Frauenberg. Aus dem Gebäude, das die CDU vor einem knappen Jahr noch als „Bauruine“ bezeichnet hat, soll eine exquisite Wohnanlage werden, die einerseits die Substanz der Möbelfabrik bewahren und andererseits höchsten technischen Standards gerecht werden soll.

„Alles, was jetzt noch steht, muss weitestgehend stehen bleiben“, erläutert der Investor. Da sei zwar sehr teuer, aber es auf jeden Fall wert. „Ich liebe Denkmäler“, sagt der Franke. Er sei bereits an 300 Denkmalsanierungen beteiligt gewesen.

Seinen Namen möchte der Investor aber bei dieser Immobilie nicht genannt haben. Er fürchtet, von Anfragen überschüttet zu werden. Für die insgesamt 11 geplanten Wohneinheiten gebe es aktuell – ohne dass er irgendwo dafür Werbung gemacht habe – bereits 60 Interessenten.

Britischer Charme im Horaser Weg

Wenn der Investor über sein Bauvorhaben spricht, kommt er sofort ins Schwärmen. Zehn extravagante Reihenhäuser sollen dort entstehen, wo heute zum Teil nur noch die Außenmauer der ehemaligen Fabrik steht. Von der Straßenseite sollen sie britischen Charme versprühen. „Der Großteil der Eingangstüren ist – wie in England – auf der Straßenseite“, erklärt der Investor. Die Villa nebenan werde von Grund auf saniert. In ihr soll die eindrucksvollste Wohnung entstehen.

Heizkosten sollen bei den 120 bis 250 Quadratmeter großen Anwesen so gut wie keine anfallen. Der Investor setzt voll auf Wärmeschutz. Auf künstliche Dämmstoffe werde dabei verzichtet, stattdessen sollen klassische Baustoffe im Winter die Wärme im Gebäude halten. Das alte Mauerwerk wird laut Plan mit massiven Ziegelwänden verstärkt und wächst so auf eine Breite von 40 Zentimetern an. Die denkmalgeschützten Fenster werden wärmeisoliert.

Auf den Dächern der Garagen und Carports, jede Einheit verfügt über diese, werden großflächig Solaranlagen installiert. „Dadurch entsteht eine Solarfläche von 600 Quadratmetern“, schwärmt der Investor. Die Sonnenkollektoren sollen Wärmepumpen antreiben, die die Wohnungen über Fußbodenheizungen mit Wärme versorgen. „Darüber hinaus verfügt jede der Garagen über Steckdosen für E-Autos“, sagt der Investor. Dadurch sei es sogar möglich, durch die Solarzellen auf dem Garagendach sein Auto aufzuladen. Allerdings könne dann aber wohl auch nicht mehr die Wärmepumpe über die Solarzellen betrieben werden.

Im Innenbereich geht es vergleichbar modern weiter. „In jeder Einheit gibt es ein Wellnessbad mit Dampf-, eventuell auch Infrarotsauna“, verspricht der Investor. Die gesamte Energieversorgung der Wohnung könne durch eine App gesteuert werden.

Die kleinste Einheit kostet rund 390.000 Euro

Das Denkmalamt hat bereits grünes Licht für das ehrgeizige Bauvorhaben gegeben. Der Investor hofft nun, dass der Bauantrag, den er am Mittwoch beantragt hat, schnell durchgewunken wird.

Als Nächstes steht ein geologisches Gutachten für die 28 geplanten Tiefenbohrungen an. Der Boden wird auf Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht.

In Kürze soll auch ein Bauschild mit Kontaktdaten aufgestellt werden. Der Quadratmeter soll 3250 Euro kosten. Käufer müssten also für die kleinste Einheit mit 120 Quadratmetern 390.000 Euro bezahlen. Für die größte wären nach dieser Berechnung 812.500 Euro fällig. Die Sanierung beginnt bei der Villa. Vielleicht schon Mitte 2016 könnten die ersten Einwohner in ihr neues Domizil im Horaser Weg einziehen.

Nach Unterzeichnung des Bauantrags hat der Investor einem FZ-Redakteur eine Führung durch das Gebäude gegeben. Klicken Sie sich oben durch die Fotostrecke und sehen Sie selbst, in welchem Zustand sich das Anwesen vor Baubeginn befindet.