Beute im Wert von einer Million Euro: Polizei schnappt Schwimmbad-Bauer

21. August 2014
Fulda

Beute im Wert von fast eine Million Euro: Keine kleinen Fische waren Täter, denen die Polizei jetzt das Handwerk legte. Die Männer erbeuteten nicht nur Unmengen an Solartechnik, sondern bauten sich auf ihrem Grundstück auch eine großzügige Schwimmbecken-Anlage – fast nur aus gestohlenen Gegenständen.

Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen nach einem Kraftstoffdiebstahl an Baumaschinen im November 2012 in Petersberg-Marbach gelang es den Beamten der Ermittlungsgruppe der Polizeistation Fulda, einer Tätergruppe das Handwerk zu legen, von deren kriminellen Ausmaßen die Beamten anfangs noch nichts erahnen konnten. Bis zur Abgabe der Ermittlungsakten an die Staatsanwaltschaft Fulda im Sommer 2014 klärten die Polizeibeamten 44 Eigentumsdelikte – in großer Anzahl Einbruchsdiebstähle – mit einem Schaden von etwa 150.000 Euro auf.

Darüber hinaus klärten sie 16 Verfahren wegen Diebstählen von Photovoltaikanlagen mit einem Gesamtschaden von mehr als einer halben Million Euro, die zum Teil schon einige Jahre zurück liegen. Außerdem laufen 30 Verfahren gegen Endabnehmer wegen des Verdachts der Hehlerei. Alleine mit dem Handel und Verkauf der gestohlenen Anlagen erzielten die Täter einen Erlös in Höhe von mindestens 280.000 Euro.

Nur das Schwimmbecken war gekauft

Die Einbruchsdiebstähle fanden hauptsächlich auf Baustellen statt, aber auch gewerbliche Objekte fanden das Interesse der Täter. Die gestohlenen Gegenstände verkauften sie weiter oder nutzten sie zum Eigenbedarf. So bauten sie auf dem Grundstück ihres Mietshauses in Hünfeld einen großzügigen Swimmingpool auf. Doch nur das Schwimmbecken war gekauft, das weitere Zubehör gestohlen.

Die Bretter für die mediterrane Beplankung und die hölzernen Sichtschutzblenden erbeuteten sie bei einem Einbruch in einen Holzmarkt in Hünfeld bereits im Oktober 2011. Die hochwertigen Korbflechtmöbel klauten sie in einem Freizeitpark und Hotel in Künzell einen Monat zuvor. Um den Baugrund vorzubereiten, stahlen sie auch die Rüttelplatte und einen Minibagger von zwei weiteren Baustellen.

Damit aber nicht genug. Nach der Fertigstellung der attraktiven Privat-Poolanlage und Neugestaltung der Gartengrünflächen vereinfachten sich die Täter die nun anstehenden Pflegearbeiten unter anderem mit einem entwendeten Rasenmähroboter, den sie bei einem Einbruch in einen Hünfelder Baumarkt erbeuteten. Allerdings hatten die Diebe nicht damit gerechnet, dass die Polizisten alle gestohlenen Teile der Poolanlage abbauen und nur das Becken an Ort und Stelle belassen würden.

Bergung mit Spezialgeräten

Der weitaus höhere finanzielle Schaden entstand durch die Diebstähle der Photovoltaikanlagen. Bei den 16 nachgewiesenen Fällen liegt die Höhe der Schäden in den einzelnen Fällen zwischen 7000 und 100.000 Euro.

Bemerkenswert war auch in diesem Tatzusammenhang der Diebstahl von zahlreichen Wechselrichtern von einer Kartbahn in Fulda. Die Beute im Wert von etwa 18.000 Euro wurde wie üblich mit Autos und Anhänger zu einem angemieteten Gelände in Geisa gebracht und dort versteckt. Doch bei dem Diebstahl hatten die Täter nicht bemerkt, dass etliche dieser Bauteile durch einen Blitzeinschlag defekt waren; erst nach der Beschwerde durch die neuen Käufer fielen die Beschädigungen auf.

Um weitere Probleme mit dieser Ware zu vermeiden, entsorgten sie die Wechselrichter in einem tiefen gemauerten Wasserbassin auf dem Gelände. Doch auch dort spürten die Ermittler die Teile auf und ließen sie in aufwändiger Arbeit mit Spezialgerät und Spezialkräften der Polizei bergen.

Tatorte in drei Bundesländern

Die Tatorte erstreckten sich hauptsächlich auf den Landkreis Fulda sowie den Wartburgkreis, aber auch der Landkreis Hersfeld-Rotenburg war unter anderem betroffen.

Zu ihrem bisher entferntesten Photovoltaikdiebstahl fuhren sie auf der Autobahn 44 bis nach Werl in Nordrhein-Westfalen. Dort stahlen sie die Anlage im Wert von 100.000 Euro von den Dächern einer Hühnerzuchtanlage.

Bei den Tätern handelt es sich um eine Kerngruppe von vier bis fünf Männern im Alter zwischen 33 und 46 Jahren aus der Region. Weitere Ermittlungen richten sich gegen einen Personenkreis von über einem Dutzend Personen, die als Mittäter oder Gehilfen verdächtig sind. / FZ, sar

Anzeige
Anzeige