Bildergalerie: Bunter Protest gegen Parteitag der AfD – Eine Bilanz

13. Oktober 2019
Neuhof

Die hessische AfD hat am Wochenende ihren Parteitag im Gemeindezentrum in Neuhof abgehalten. Die Veranstaltung wurde am Samstag von teilweise lautstarken Protesten begleitet. Ein Bündnis aus Organisationen, Vereinen und Einzelpersonen hatte zum „Oktoberfest der Kulturen“ aufgerufen.

Von unserem Redaktionsmitglied Marcus Lotz

Mit Trillerpfeifen, bunten Plakaten und einem Spruchband schieben sich rund 50 Demonstrierende so nahe an den Nebeneingang des Gemeindezentrums, wie es ihnen die Polizei erlaubt. „Rassismus raus aus den Köpfen!“ und „Ohne den Verfassungsschutz wärt ihr nur zu zweit!“ rufen die Protestler den AfD-Politikern immer wieder zu, die vereinzelt das Gebäude betreten oder verlassen.

Übertönt wird der Protest nur von der Band, die auf einer Bühne vor dem Gemeindezentrum gerade „Westerland“ von den Ärzten zum Besten gibt – für Hunderte Besucher vor der Bühne und „mit einem herzlichen Gruß in die Halle!“ Die Besucher sind so bunt gemischt wie ihre Plakate: Neben dem Bündnis „Fulda stellt sich quer“ betreiben unter anderem die Grünen, die SPD und die Linke einen Infostand. Buden bieten ihren Kunden Gegrilltes und Kichererbsencurry dar. „Wir sind hier, um darüber aufzuklären, dass der Islam eine friedliche Religion ist“, sagt ein Mitglied der Ahmadiyya-Gemeinde, die einen Stand direkt neben dem Haupteingang aufgestellt hat. Auch Neuhofs Erster Beigeordneter Franz Josef Adam (CDU) ist vor Ort und stellt fest: „Es sind einige Neuhofer hier, aber auch viele Auswärtige.“

Die Demonstration verläuft friedlich, Andreas Goerke, Sprecher des Bündnisses „Fulda stellt sich quer“, bilanziert: „Es sind weit mehr als 1000 Leute gekommen. Das hat unsere Erwartungen mehr als übertroffen. Neuhof hat gezeigt, dass es nicht das Neuhof von Martin Hohmann ist. Das gibt uns Kraft.“

Im Inneren des Gemeindezentrums bekommt man von alldem nicht viel mit. Die AfD tagt hinter heruntergelassenen Jalousien. Von draußen dringt lediglich der Bass gedämpft in den Saal. Die Delegierten folgen den Redebeiträgen der langen Tagesordnung, schmökern vereinzelt in Zeitungen wie der „Bild“ oder der „Jungen Freiheit“ oder geben Interviews auf dem Gang. Ein Höhepunkt der Veranstaltung ist die Rede von Bundessprecher Jörg Meuthen. Dieser wehrt sich gegen die Kritik an seiner Partei nach dem Anschlag von Halle. Meuthen wirft dem Staat ein fundamentales Versagen beim Schutz von Synagogen vor. Die AfD stehe zum jüdischen Leben in Deutschland und zu Israel.

An der Spitze der hessischen AfD ändert sich nach dem Parteitag personell nichts. Robert Lambrou und Klaus Herrmann wurden für weitere zwei Jahre zu gleichberechtigten Vorstandssprechern gewählt.

Für den Bundeskonvent wurde der Bundestagsabgeordnete Albrecht Glaser (Schwalm-Eder-Kreis) an Position eins in Hessen gewählt. Dahinter folgen der Bundestagsabgeordnete Uwe Schulz (Landkreis Gießen), Robert Lambrou (Wiesbaden) und Thomas Langnickel (Hochtaunuskreis), wie ein AfD-Sprecher mitteilte. Da die Zeit am Sonntag nicht reichte, um in Neuhof alle Bundesdelegierten zu wählen und die weitere Tagesordnung abzuarbeiten, wird der Landesparteitag in zwei Wochen im Oval in Wartenberg fortgesetzt.

Video: AfD-Landesparteitag tagt mit Protesten vor der Tür

Robert Lambrou und Klaus Herrmann stehen für weitere zwei Jahre an der Spitze der hessischen AfD. Auf dem Landesparteitag im osthessischen Neuhof wurden beide Politiker am Samstag zu gleichberechtigten Vorstandssprechern gewählt. Die hessische AfD ist mit rund 3100 Mitgliedern nach eigenen Angaben bundesweit der viertgrößte Landesverband der Rechtspopulisten.