Bistum Fulda – 75 Personen waren von sexuellem Missbrauch betroffen (mit Video)

25. September 2018
Fulda

Fast 800 Akten im Bistum Fulda wurden durchgesehen: Dabei hat man 75 Betroffene und 29 Beschuldigte gefunden.

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Die Zahlen stellten Gerhard Stanke, ständiger Vertreter des Diözesanadministrators, und Prälat Christof Steinert am Dienstagnachmittag in Fulda vor.

Im Bistum Fulda sind 795 Akten von Personen untersucht worden, die zwischen dem Jahr 2000 und Ende 2015 im Dienst der Kirche standen. Dabei wurden 29 Beschuldigte gefunden.

75 Betroffene

Betroffen waren 75 Personen – 49 Jungen und 23 Mädchen. Bei drei Opfern fehlte die Geschlechtsangabe. 23 Opfer waren unter 13 Jahren, 28 älter – bei 24 Betroffenen gab es keine Altersangaben. Die Opfer waren meist Ministranten. Die Übergriffe fanden bei privaten Treffen, etwa in der Wohnung des Pfarrers statt oder in Ferienlagern.

29 Beschuldigte

In den Akten wurden 29 Beschuldigte gefunden, davon 19 Diözesanpriester, ein Diakon und neun Ordensleute. Acht Beschuldigte waren nach Akten-Durchsicht bereits verstorben. Im aktiven Dienst wurden 21 innerhalb der Diözese versetzt, manche auch mehrfach.

Das Bistum räumte im Umgang mit dem Thema Missbrauch Versäumnisse ein. Das Versagen der Verantwortlichen habe darin gelegen, dass die Aussagen der Betroffenen nicht ernst genommen worden seien. „Das müssen wir als Versagen bekennen“, sagte Generalvikar Gerhard Stanke. Gelernt habe das Bistum, die Betroffenen in den Vordergrund zu stellen. Es gebe nun einen veränderten Umgang mit ihnen. Zudem seien Präventionsmaßnahmen aufgebaut worden, die aber verbessert werden müssten. Mehr als 5100 Haupt- und Ehrenamtliche seien geschult worden im Umgang mit Missbrauch, dazu mehr als 2000 Personen bei der Caritas.

Maßnahmen und Strafen

In Anerkennung des Leids hat das Bistum mehr als 45.000 Euro an die Opfer gezahlt, Beträge zwischen 1000 und 8000 Euro, zudem mehr als 5700 Euro an Therapiekosten. Gegen die Beschuldigten wurde in 13 Fällen kirchenrechtlich vorgegangen. Nur ein Beschuldigter wurde allerdings aus dem Klerikerstand entlassen, in anderen Fällen gab es mildere Sanktionen. Bei den Verfahren der Staatsanwaltschaften wurden sechs Verfahren rechtskräftig abgeschlossen, in drei Fällen davon wurden Freiheitsstrafen verhängt. / dpa

Bei unseren Kollegen von move36 konnte man die Pressekonferenz im Liveticker verfolgen:

Liveticker: Missbrauch in kath. Kirche | Studie in Fulda vorgestellt

"Die Skandale der Vergangenheit haben sich nicht direkt auf meine Arbeit ausgewirkt. Eltern sind nicht zurückhaltender geworden. Aber in der Gesellschaft wird natürlich diskutiert", so Buß. Ob der Zölibat eine der Ursachen für Missbrauch in der katholischen Kirche ist, wisse Buß nicht. "Viele Missbrauchsbrauchsfälle ereignen sich in Familien."

Hier lesen Sie weitere Hintergründe:

Ergebnisse aus Missbrauchsstudie zum Download

Die Bistümer in Hessen trafen sich am Dienstag, um sich zum Ausmaß des sexuellen Missbrauchs unter dem Dach der katholischen Kirche zu äußern. Die Studie, auf die sich die Bistümer dabei beziehen, finden Sie in diesem Artikel.

Kardinal Marx bittet um Entschuldigung fürs Wegschauen und Vertuschen

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat die Opfer des massenhaften sexuellen Missbrauchs unter dem Dach der Kirche in aller Form um Entschuldigung gebeten.

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