„Boni-Talk“: Der Chronist mit dem Blick eines Clowns

14. August 2019
Fulda

„Ich weiß, dass ich als Kind in Fulda war, und erinnere mich, dass ich an einem tollen Platz stand“, sagt Alexander von Hugo. „Aber welcher Platz das war? Keine Ahnung.“ Er lacht. Denn inzwischen hat er sich Fulda erobert. Von Hugo gehört zum Ensemble des „Bonifatius“-Musicals und spaziert in seiner freien Zeit durch die Stadt, die „irgendwie aus der Zeit gefallen ist“. Teil 2 unseres „Boni-Talks“.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Er kommt pünktlich zu unserem Treffen am Bonifatiusplatz. Was dieser Tage nicht ganz so selbstverständlich ist. Denn die Proben zu dem Open-Air-Spektakel gehen in die heiße Phase. Der 39-Jährige Sänger und Schauspieler ist in dem Stück Willibald, der die Chronik von Bonifatius schreibt – unter den Argusaugen von Lullus (alias Max Gertsch).

„Das ist spannend. Im Vorlauf habe ich mich über Willibald von Mainz informiert, aber es gibt kaum Infos zu ihm. Er hat die Biografie von Bonifatius geschrieben, aber es ist davon auszugehen, dass ihm von Lullus gesagt wurde, was er zu schreiben hat. Ich glaube, ein begnadeter Autor war er nicht.“ Sagt’s und lacht.

Berlin, Cottbus, Bad Hersfeld – Fulda

Alexander von Hugo wurde in Wuppertal geboren. Bereits als Kind hat er seine Leidenschaft für das Singen und Schauspielern entdeckt. „Nach der Schule hab ich mich dann gefragt: Wenn ich das so gerne tue, warum soll ich daraus nicht meinen Beruf machen?“ Nach seiner Ausbildung an der Ernst-Busch-Hochschule folgten bald diverse Engagements in Berlin, Cottbus, Bad Hersfeld...

Mit Willibald, dem echten, hat er sich näher beschäftigt. „Das ist doch das Tolle an diesem Beruf“, kommentiert Alexander von Hugo, „dass wir immer wieder was Neues lernen und entdecken können und uns mit Themen beschäftigen, die uns ohne eine Bühnenrolle nie untergekommen wären.“ Ohne das Musical „hätte ich nie etwas über Bonifatius gelesen“, gibt er zu. „Klar, das ist bei jemandem, der in Fulda geboren wurde, ganz anders. Vielleicht hatte ich ihn auch mal in der Schule, aber dann habe ich nicht richtig aufgepasst.“ Und wieder lacht er.

Was man am Ende von diesen „fremden Welten“, in die man eintauche, auf der Bühne brauche, stehe auf einem andern Blatt. Und natürlich stelle er keine historische Figur dar. Willibald, der Chronist, und sein Auftraggeber Lullus „blicken von außen auf das Geschehen“, sind eine Art Klammer für das Stück.

Über den Regisseur an die Rolle gekommen

Alexander von Hugo ist über Regisseur Stefan Huber an die Rolle gekommen. Huber hatte mit ihm an einer Beatles-Show gearbeitet. „Seitdem haben wir ein paar mal zusammengearbeitet. Das ist eine große Freude und ein großes Glück für mich. Denn ich schätze die Arbeit mit ihm sehr.“ Nun also „Bonifatius“.

Leichte Wehmut schwingt mit, als er darüber nachdenkt, dass Willibald in der Neuinszenierung eine reine Schauspielrolle ist. „Ich wurde zwar als Schauspieler ausgebildet, doch das Singen habe ich mir im Laufe der Jahre zurückerobert. Genau genommen würde ich mich als Sänger und Schauspieler bezeichnen und nicht anders herum.“ Am Schluss des Musicals aber gebe es ein Stück, „da singe ich aus vollem Halse mit“.

„Hervorragender Sänger“

An diesem Punkt greift spotlight-Produzent Peter Scholz in das Gespräch ein. „Das ist so bedauerlich, denn du bist ein hervorragender Sänger“, lobt er. „Und außerdem: Wie du sprichst, das ist ja fast schon wie Gesang.“ Das sei auch im Sinne von Regisseur Huber, ergänzt von Hugo. „Er arbeitet musikalisch, für ihn ist die Sprache ebenso wichtig wie Musik.“

Und dann wird das Gespräch fast noch ein bisschen philosophisch. Alexander von Hugo hat sich im Zuge seiner Ausbildung auch mit Clownerie beschäftigt. Wir kommen darauf, weil sein Willibald durchaus humoristische Szenen hat. „Auf der Bühne muss man sich sein kindliches Herz bewahren, aber weit genug von der Kindheit entfernt sein.“ Clownerie sei ein bestimmter Blick auf die Welt, eine besondere Art zu spielen. „Die Schwierigste.“ Und wenn Willibald beim Schreiben der Chronik zwischen dem, was er weiß, und dem, was Lullus von ihm verlangt, balancieren muss, „wird das dann im besten Fall clownesk“.

Serie zum Musical: Der „Boni-Talk"

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer Schauspieler zu treffen, deren Namen man parat und von denen man ein Promofoto gesehen hat, ist manchmal etwas schwierig. Denn nicht immer erkennt man sie in natura. Bei Max Gertsch ist das anders. Denn er ist bekannt als Andreas Zielonka aus der Serie „Mord mit Aussicht", einem TV-Favoriten nicht nur des Feuilletons.

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