Bürgermeister: Windräder wären der Todesstoß für den Tourismus in Bad Salzschlirf

Bad Salzschlirf fürchtet Einbruch des Tourismus / Experte nährt Sorgen

21. Mai 2015
Bad Salzschlirf

Die Gemeinde Bad Salzschlirf befürchtet, dass Windkraftanlagen in der Umgebung Kur und Tourismus im Ort stark beeinträchtigen würden. „Windräder wären der Todesstoß“, warnt Bürgermeister Matthias Kübel (CDU). Er fühlt sich von Experten bestätigt.

Die Regionalplanung sieht zwei Windflächen im Gemeindegebiet vor. Die der Landesregierung unterstehende Hessen-Agentur hatte Experten nach Bad Salzschlirf geladen, um Hoteliers, Kommunalpolitikern und Bürgern die Sorge vor der Windkraft zu nehmen. Das gelang ganz und gar nicht.

Dr. Heinz-Dieter Quack, Professor am Institut für Tourismus- und Regionalforschung der Hochschule Braunschweig, zitierte einige besorgniserregende Studien. Eine exakte Untersuchung, wie Kurgäste auf Windräder reagieren, gibt es nicht. Quack selbst hat bundesweit Wanderer befragt. 45 Prozent sagten, dass Windräder sie störten. In der Eifel sagten mehr als die Hälfte der befragten Urlauber über 50 Jahren, dass sie sich durch Windräder gestört fühlen. In Bad Salzschlirf sind die meisten Gäste über 50.

Besonders die älteren Besucher stören Windräder

„Es gibt bei Urlaubern eine Sehnsucht nach unberührter Landschaft als Raum für Entschleunigung. Das Empfinden einer Störung durch Windräder wächst mit zunehmendem Alter“, sagte Quack. Eine Befragung von Gesundheitstouristen gebe es nicht. „Aber die Vermutung liegt nahe, dass Kur-Besucher noch empfindlicher als Wanderer sind.“

Bürgermeister Kübel ist alarmiert: „Windräder und Tourismus – das geht nicht zusammen. Wir dürfen nicht riskieren, dass auch nur zehn Prozent der Gäste wegbleiben.“ Dass es keinen wissenschaftlichen Beweis für die Tourismus-schädigende Wirkung von Windrädern gebe, gelte nicht. „Wir sind keine Versuchskaninchen. Es kann nicht sein, dass die Windkraftplanung Rotmilane stärker schützt als Gesundheitstouristen.“

Landkreis will geplante Windflächen überprüfen

Kur und Tourismus
sind für Bad Salzschlirf von überragender Bedeutung: Sie sorgen für 18,3 Millionen Euro Einkommen im Ort. Der Beitrag der Gäste zum Einkommen der Bewohner liegt bei 28,5 Prozent – im Schnitt der hessischen Kurorte aber nur bei 8,2 Prozent.

Vom Landkreis bekommt der Kurort Unterstützung. „Bad Salzschlirf hat als Heilbad eine besondere Situation. Ich kann die Befürchtungen der Bad Salzschlirfer verstehen und werde mir die zwei Gebiete noch einmal genau ansehen – vor allem das Gebiet, das relativ nah am Ort liegt“, erklärt Landrat Bernd Woide (CDU) unserer Zeitung.