Bürgermeisterwahl Eichenzell: Johannes Rothmund, der Kandidat aus der Rhön

15. Januar 2020
Eichenzell

Der Name Johannes Rothmund fiel als erster, als es im vergangenen Jahr darum ging, wer als Bürgermeister in Eichenzell am 26. Januar 2020 kandidiert. Der 45-jährige Rechtsanwalt ist gebürtig aus Welkers, wohnt aber seit einigen Jahren in Langenbieber. Dass er von außen kommt, sieht er als Vorteil.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

An manchen Tagen waren es 7000 bis 12 000 Schritte, die Johannes Rothmund getan hat, um für sich als Bürgermeister zu werben. Dabei lief er jeden Ortsteil von Eichenzell ab, klingelte an jeder Tür, führte Gespräche und warf seinen Flyer ein. „Zu 98 Prozent habe ich positive Reaktionen erhalten. Viele waren überrascht, dass sich der Kandidat persönlich vorstellt“, sagt Rothmund. Er ist ein geselliger Typ, der auffällt. Nicht nur wegen seiner Tweedsakkos, die er meist trägt. „Die Sakkos stoßen nicht bei jedem auf Gegenliebe, sind aber mein Ding.“

Mit Wahlkampf hat der 45-Jährige Erfahrung. Er ist Vorsitzender der Gemeindevertretung Hofbieber und hat einen Sitz im Kreistag. Im Februar 2018 bewarb er sich beim CDU-Kreisparteitag als Landtagskandidat, schied aber im ersten Wahlgang mit 16 Prozent der Delegiertenstimmen aus. „Es war schon in den Wochen vorher abzusehen, dass das eng wird. Deshalb habe ich es auch am nächsten Tag abgehakt. Außerdem tut sich mit der Bürgermeisterwahl in Eichenzell eine viel reizvollere Aufgabe auf“, erklärt er.

Viele Gestaltungsmöglichkeiten als Bürgermeister

Als Landtagsabgeordneter sei der Handlungsspielraum begrenzt. Als Bürgermeister könne man viel mehr gestalten. Für ihn war klar: „Wenn ich mich irgendwo als Bürgermeister bewerbe, dann in Eichenzell. Es ist meine Heimatgemeinde. Heimat ist das, womit man Kindheitserinnerungen verbindet“, erklärt der 45-Jährige, der in Welkers aufgewachsen ist. Dort praktizierte sein Vater Norbert Rothmund als Landarzt.

2003 zog Johannes Rothmund mit seiner Familie – er hat eine Frau und drei Kinder – nach Langenbieber ins Haus seiner Schwiegermutter. Dass er nicht in der Gemeinde Eichenzell lebt, sieht er als Vorteil: „Ich bin in der Lage, die Dinge von außen anzuschauen. Bei einzelnen Themen bin ich nicht direkt betroffen, und es liegen keine persönlichen Verletzungen vor.“ Aus seiner Sicht müsse ein Bürgermeister nicht in der Kommune wohnen. „Sollte ich aber Bürgermeister werden, will ich mir in Eichenzell eine Wohnung nehmen“, erklärt er. Die Familie bleibe vorerst in Langenbieber wohnen.

Umsetzung guter Ideen

Als Rechtsanwalt sei er es gewohnt, als „Mittler“ zu fungieren. Der 45-Jährige ist Partner in der Fuldaer Rechtsanwaltskanzlei „Dr. Leinweber & Partner“ und kümmert sich schwerpunktmäßig um Insolvenzrecht sowie Bank- und Kapitalmarktrecht. „Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle damit unzufrieden sind.“

Gerade in der Kommunalpolitik sei es wichtig, dass gute Ideen umgesetzt werden – egal, von welcher Partei sie kommen. „Wenn ein guter Antrag von einer anderen Fraktion als der CDU-CWE-Fraktion eingebracht wird, da breche ich mir auch keinen Zacken aus der Krone, wenn ich diesen Antrag unterstütze“, betont Rothmund. Er ist 2005 in die CDU eingetreten, um kommunalpolitisch Dinge voranzubringen. „Ich bin kein JU-Gewächs. Wenn man gestalten will, dann ist die CDU die Partei, die Verantwortung übernimmt“, ist er überzeugt.

Lärmschutz ein wichtiges Thema

Sollte der 45-Jährige am 26. Januar zum Bürgermeister gewählt werden, dann hat er schon einige Ziele formuliert, die er umsetzen möchte: Beispielsweise ist ihm das Thema Lärmschutz wichtig. „Das ist in Eichenzell ein Riesenthema. Hier könnten Flüster-asphalt, ein Lärmschutzwall oberhalb von Rothemann an der A7 und Tempolimits für den Lkw-Verkehr zum Beispiel in der Gersfelder Straße in Eichenzell helfen“, sagt Rothmund.

Auch bei den Themen Kinderbetreuung und Hochwasserschutz möchte Rothmund Akzente setzen. „Beim Hochwasserschutz sollte gemeindeübergreifend gearbeitet werden.“ Und: „Bei der Kinderbetreuung wäre ein besserer Personalschlüssel als der gesetzlich vorgegebene sinnvoll.“ Auf seiner Webseite hat der CDU-Kandidat für jeden Ortsteil Ziele formuliert. So steht die Verbesserung der Rad- und Fußwegverbindungen in vielen Dörfern auf seiner Agenda. Und für Rönshausen und Melters setzt er sich die energetische Sanierung der Sportlerheime, der alten Schule und des Kindergartens zur Aufgabe, ebenso wie ein Lkw-Fahrverbot von Rönshausen nach Melters.

Unterstützung von der Familie

Zum Amtsinhaber Dieter Kolb (parteilos) hat er ein gutes Verhältnis, wie er sagt. „Wir sehen uns ab und zu bei Veranstaltungen. Er hat in Eichenzell viele Dinge vorangebracht. Vor allem beim Breitbandnetz dürften in Zukunft die Erfolge eingestrichen werden. Er hat da mutig und weitsichtig gehandelt“, erklärt Rothmund.

Dass er sich als Bürgermeisterkandidat bewirbt, sei nur durch die Unterstützung der Familie möglich. Mit seiner Frau Britta war er schon zu Schulzeiten befreundet. „Jedem, dem ich dazu ein Tipp geben soll, sage ich: Heirate deinen besten Freund oder deine beste Freundin. Denn nur wer dich gut kennt, kann dich so unterstützen.“

Bürgermeisterwahl Eichenzell: Johannes Rothmund will ein Mittler sein

„Mein Ziel als Bürgermeister ist es, Ihre Themen aufzugreifen. Deshalb möchte ich wissen, wie Sie Ihren Ortsteil sehen", sagt Rothmund und stellt sich an ein großes Flipchart - also einen Tafelschreibblock - vorn im Saal des Bürgerhauses Löschenrod.

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