Bürgerschaftspreis 2015: Christoph Möller ist die Seele des Orchesters RSM Niederkalbach

19. April 2015
Neuhof/Fulda

Musik ist sein Leben – aber er hat sie nicht zum Beruf gemacht. Vielmehr nutzt Christoph Möller (53) aus Neuhof sein Talent und seine Leidenschaft ehrenamtlich, um vor allem junge Leute für Noten, Töne und das Zusammenspiel zu begeistern. Aber auch in seinem Beruf, der Arbeit mit behinderten Menschen, schafft er es, mit Hilfe der Musik Brücken zu bauen.

Die Liebe zur Musik begann ausgerechnet auf einem Fußballplatz: Ende der 60er Jahre schaut der damals siebenjährige Christoph Möller bei einem Spiel des TV in seinem Heimatort Neuhof zu – und noch mehr als das runde Leder fasziniert ein verbeultes Blech: ein altes Flügelhorn, mit dem ein Verwandter in der „Fan-Kurve“ für den TV zum Angriff bläst. Der kleine Christoph darf auch mal pusten – und quetscht tatsächlich ein paar Töne hervor. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zu allem, was aus Blech ist und sich zum Musikmachen eignet.

Der Großcousin schenkt dem Siebenjährigen das Flügelhorn, später organisiert ein Nachbar eine Trompete. Und dieser Nachbar ist nicht irgendwer: Winfried Möller (übrigens nicht verwandt und nicht verschwägert mit Christoph Möller) ist als Musikpädagoge, Bandleader und Blasmusikexperte eine Kapazität in der Region. Er erteilt dem Jungen sieben Jahre Trompeten-Unterricht, schult sein Gehör und bringt ihm etliche Kniffe bei.

Mit den Berufsmusiker-Plänen wird es nichts

„Ich habe von ihm unheimlich viel gelernt und gerade in Sachen Orchesterleitung einiges abgeschaut“, sagt Christoph Möller heute. Bald ist er auch als Tanzmusiker gefragt, spielt in den späten 70er und frühen 80er Jahren Trompete, Posaune und Tuba in Kapellen wie „Rising Sun“ oder „Soundexplosion“. In diesen Jahren ist sein Traum: Berufsmusiker in einer Formation wie den „Klostertalern“ oder auch in der Militärmusik.

Doch die Pläne zerschlagen sich: Für das Heeresmusikkorps ist er mit 17 noch zu jung, später bietet sich nicht mehr die Möglichkeit. „Ich bin froh, dass es so gekommen ist – ich bin einfach ein Familien- und Vereinsmensch“, sagt er.

Schicksalsschlag mit 24 Jahren verändert das Leben

Also macht Möller nach dem Schulabschluss an der Wernher-von-Braun-Schule zunächst eine Lehre beim Neuhofer Bäcker Happ. Als er dort wegen einer Mehlallergie nicht mehr arbeiten kann, wechselt er zu Kali+Salz in den Schacht. Nebenher ist er nach wie vor als Tanzmusiker unterwegs, ist Gründungsmitglied des Musikvereins und der Big Band Neuhof und hilft auch in anderen Musikvereinen aus.

Doch mit 24 Jahren ereilt ihn ein schwerer Schicksalsschlag: die Diagnose Krebs. Die Prognosen sind düster, wochenlang bangen die Angehörigen um sein Leben. Doch mit seiner positiven Lebenseinstellung und dank des medizinischen Fortschritts kann er die Krankheit besiegen. Noch Jahre später stellt er sich zur Verfügung, wenn das Klinikum Fulda für depressive Krebspatienten jemanden braucht, der Lebensmut verbreiten kann.

Heirat, Haus, Kinder, neue Lehre

„Diese Zeit hat meine Denkweise verändert – wo es früher nur Musik, Musik, Musik gab, lebe ich nun bewusster“, sagt Möller, der sein Leben nach der Krankheit neu in die Hand genommen hat: 1987 heiratet er seine Freundin Ute, die beiden bauen ein Haus, zwei Kinder – Corina (heute 24) und Julian (22) – kommen auf die Welt. 1990 übernimmt er mit nur 28 Jahren das Dirigentenamt beim Blasorchester RSM Niederkalbach. Fast zeitgleich orientiert er sich beruflich noch einmal um und lernt Heilerziehungspfleger. Seither kümmert er sich hauptberuflich um behinderte Erwachsene im Fuldaer Caritas-Wohnheim.

Doch wie könnte es anders sein: Auch in seinem neuen Beruf spielt die Musik sofort eine wichtige Rolle. Möller gründet ein Caritas-Betriebsorchester, initiiert Feste und Karnevalsabende für die Bewohner, sitzt bei der Caritas-Theatergruppe am Mischpult – und nimmt jeden Mittwoch eine Gruppe von Behinderten mit in die Probe nach Niederkalbach. Mit den Musikern sind echte Freundschaften entstanden. Gelebte Inklusion.

„Ich kann schlecht Nein sagen.“

Auch bei Auftritten in Festzelten sind Möllers Caritas-Schützlinge ganz selbstverständlich dabei – und beim „Prosit der Gemütlichkeit“ überlässt er ihnen auch schon mal den Taktstock. Möllers Lob gilt dabei seinem Arbeitgeber. Seine ungewöhnlichen Arbeitszeiten im Wohnheim kommen der ehrenamtlichen Arbeit zusätzlich entgegen. Und die ist durchaus umfangreich.

„Ich kann schlecht Nein sagen“, sagt Möller und lacht. Schließlich kümmert er sich auch um das RSM-Vereinsheim, leitet „nebenher“ den Fanfarenzug Neuhof und ist Kopf der „Dixie-Pigs“. Oder geht in den örtlichen Kindergarten, zeigt, wie man mit einem Gartenschlauch und einem Mundstück Töne erzeugen kann. Graswurzelarbeit für den Musik-Nachwuchs.

Seine Familie liebt auch die Musik

Aber sein Engagement scheint keine Belastung für das Energiebündel Möller zu sein – und auch die Familie trägt die bisweilen ausufernde Begeisterung für die Musik mit. Ehefrau Ute hat selbst jahrelang als Sängerin bei den Niederkalbachern mitgewirkt, Sohn Julian spielt E-Bass und Bariton, Tochter Corina spielt Querflöte, Tenorhorn und Klavier – und tritt auch beim Arrangieren von Stücken schon in Vaters Fußstapfen.

Ausspannen? „Das machen wir bei Wohnwagentouren“, erzählt Möller. Dann geht es nach Kroatien. Oder auch ins Zillertal ... wobei dort natürlich kaum an Urlaub von der Blasmusik zu denken ist ...

Stimmen Sie ab!

Sie, liebe Leserinnen und Leser, können aus den 20 Frauen und Männern, die wir ab dem heutigen Samstag in unserer Zeitung porträtieren, Ihren Favoriten wählen, von dem Sie sagen „Wenn wir DICH nicht hätten ...“.

Und das geht so: Jeder hat nur eine Stimme. Schreiben Sie Ihren Favoriten auf eine Karte oder in einen Brief und senden Sie uns den Namen per Post an: Verlag Parzeller Stichwort: Bürgerschaftspreis 2015, Frankfurter Straße 8, 36043 Fulda. Oder senden Sie ein Fax an (06 61) 28 02 79 – bitte ebenfalls das Stichwort angeben.

Außerdem wichtig: Wir benötigen auf jeden Fall Ihren Absender mit vollständiger Anschrift, um Mehrfachnennungen auszuschließen. Für Vereine, Familien und andere gilt: Wer eine Liste mit Namen (samt Adressen und Unterschriften) einreichen möchte, darf maximal 20 Stimmen abgeben.

Eine Stimmabgabe per Internet ist erst möglich, wenn wir sämtliche Kandidaten in unserer Zeitung vorgestellt haben. Dann werden Sie auf unserer Webseite ein Formular für die Wahl finden.

Der Preis, den unsere Zeitung zum zweiten Mal auslobt, sieht für den Erstplatzierten 1000 Euro vor. Der Zweit- und Drittplatzierte erhält je 500 Euro. Die Plätze vier bis acht werden mit je 200 Euro bedacht, die Plätze 9 bis 20 mit je 100 Euro.