Bürgerschaftspreis 2015: Jürgen Fiedler ist für den TV Petersberg sieben Tage pro Woche im Einsatz

17. April 2015
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Petersberg

Mädchen für alles? Dieser Begriff wäre im Falle Jürgen Fiedlers wohl eher noch eine Untertreibung. Sieben Tage pro Woche reibt sich der 75-Jährige für den TV Petersberg auf. Er ist das Nervenzentrum der Gesundheitsabteilung.

Wer Jürgen Fiedler besucht, der erfährt bereits vor dem ersten Händedruck, dem ersten Wort, was sein Leben prägt. „Fiedler / TV Petersberg“ prangt auf dem Klingelschild des 75-Jährigen. Fest verwachsen ist Fiedler mit dem Sportverein und seiner Trainertätigkeit.

Seit nunmehr 20 Jahren leitet Jürgen Fiedler die Herzsportgruppe des TV. „Damals hat mich Dr. Saidu Jalloh angesprochen, weil der Verein Übungsleiter gesucht hat“, blickt Fiedler zurück. „So fing die ganze Geschichte an.“ Gerade in Rente gegangen war er seinerzeit, hatte den eigenen Fleischereibetrieb abgegeben – und begann nun nach und nach, diese Lücke mit der Trainertätigkeit beim TV zu füllen.

Auch wenn es schwer war: Fiedler hielt durch

Zunächst jedoch war der Erwerb der Übungsleiterlizenz nötig. Also pendelte Fiedler an den Wochenenden immer wieder nach Rotenburg, besuchte Kurse und legte schließlich die nötigen Prüfungen ab. „Das war schon ein mords-strammes Programm“, sagt er heute und muss doch schmunzeln beim Blick zurück. „Ganz ehrlich? Nach dem ersten, zweiten Mal dachte ich, dass ich es nicht schaffe. Ich war ja schließlich schon 55.“ Doch Fiedler hielt durch – und bald stellte sich auch das Vergnügen ein. „Es hat dann schon unheimlich viel Spaß gemacht“, ist er immer noch froh, damals nicht aufgegeben zu haben.

Der Spaß am Sport und der Spaß an der Lehre, die sind ihm bis heute geblieben. Und so sind es im Laufe der Jahre immer mehr Tätigkeiten geworden, die Fiedler beim TV Petersberg ausfüllt – so viele, dass inzwischen durchaus behauptet werden darf: Dieser Mann ist sieben Tage die Woche für seinen Verein im Einsatz.

Die ganze Woche im Einsatz

Angefangen hat alles mit der Herzsportgruppe, die sich jeden Donnerstag trifft und inzwischen auf rund 50 Aktive angewachsen ist. Bald bot Fiedler auch einen Rückengymnastik-Kurs an, immer freitags. Montagnachmittags steht Nordic Walking auf dem Programm, abends Herzsport in Großenlüder, dienstags Gymnastik in Kemmerzell, Kinderherzsport am Mittwoch. Und die Wochenenden? Die verbringt Jürgen Fiedler mit dem Papierkram.

Denn nicht nur im sportlichen Bereich betreut Fiedler die Mitglieder, auch den Schriftverkehr mit Ärzten und Krankenkassen übernimmt er. Nicht selten bleibt er daher nach den Trainingseinheiten noch eine Weile länger, bespricht Probleme, füllt Formulare aus, ersucht um Unterschriften. Jürgen Fiedler ist das Nervenzentrum der Gesundheitsabteilung, bei ihm laufen alle Stränge zusammen.

„Die Abrechnungen muss man das ganze Jahr über im Blick haben“, berichtet der vierfache Urgroßvater. „Wenn ich mal 14 Tage im Urlaub bin, dann dauert es eine ganze Weile, ehe ich mich wieder durch den angefallenen Berg gewühlt habe. Da muss man kontinuierlich am Ball bleiben.“

„Als Außenstehender kann man kaum begreifen, wie viel Arbeit das ist“

Erstaunlich sind die Agilität, die Frische des 75-Jährigen, der Drang und die Kraft, mit denen er die Dinge vorantreibt. Während der Kurse hallt seine Stimme klar vernehmbar durch die Halle. Er macht die Übungen vor, die Gruppe folgt. Kommt einmal Unruhe auf, ruft er die Sportler zur Ordnung. Freundlich zwar, doch stets bestimmt. Er findet das richtige Maß zwischen Lockerheit und Ernst. Kurzum: Jürgen Fiedler weiß, was er macht.

Als mitten in unserem Gespräch das Telefon klingelt, dreht es sich, klar, um seine Trainertätigkeit. Ein Kollege will die Organisation der nächsten Tagung besprechen, bittet um Arbeitsmaterial. Jürgen Fiedlers Rat ist gefragt. Während er gewohnt bereitwillig hilft, gesteht seine Frau Helene: „Er sitzt abends schon noch oft lange am Schreibtisch. Als Außenstehender kann man kaum begreifen, wie viel Arbeit das ist“, erzählt die 73-Jährige. „Da macht man sich schon Gedanken und fragt sich: Wer macht das alles, wenn er mal nicht mehr kann?“

Der 75-Jährige will auf jeden Fall noch drei Jahre weitermachen

Noch bis zum kommenden Jahr läuft die aktuelle Übungsleiterlizenz von Jürgen Fiedler. Bis 2018 will er auf jeden Fall noch weitermachen, aktuell besucht er die nötigen Kurse zur Lizenzverlängerung. Fiedler weiß aber auch: „Irgendwann bin auch ich mal in dem Alter, in dem ich aufhören muss“, sagt er. „Ich mache nur so lange, wie ich das, was ich von den Sportlern verlange, auch selbst noch machen kann.“

Längst gesorgt hat Fiedler für die Zeit nach seinem Abschied. Schon jetzt unterstützt ihn das Trio Gabriele Seibert, Christine Sippel und Silke Wagner bei der Arbeit mit der Herzsportgruppe. „Ich bin sehr froh, dass ich sie gefunden habe. Das funktioniert sehr gut“, sagt Fiedler und fügt an: „Sie wissen, dass sie es irgendwann alleine managen müssen.“

Aber eine kleine Tür, die hält er sich dann aber doch offen: „Ich bin ja auch noch Schriftführer, das kann ich ja trotzdem weitermachen.“ Jürgen Fiedler wird nicht aufhören, so viel scheint sicher. Das Klingelschild des 75-Jährigen, es wird seine Berechtigung behalten.

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