Bürgerschaftspreis 2015: Manfred Letsche leitet eine Selbsthilfegruppe Prostata

25. April 2015
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Neuhof

Die Diagnose kam unvermittelt und veränderte das Leben von Manfred Letsche von einem Tag auf den anderen: Prostatakrebs. Als Betroffener gründete der Neuhofer eine Selbsthilfegruppe – seitdem stand er rund 300 Betroffenen zur Seite – manchen bis zu ihrem letzten Tag.

Die Vorsorge ist ein Anliegen, das ihm unter den Nägeln brennt: „Ich kämpfe, kämpfe, kämpfe, damit die Männer, diese Vorsorgemuffel, sich des Problems bewusst werden“, erklärt Manfred Letsche energisch. Ihm selbst hat schließlich eine Routineuntersuchung das Leben gerettet.

Sein Hausarzt erklärte dem beruflich stark eingespannten Textilkaufmann damals, dass es Unregelmäßigkeiten gebe. Drei Tage später dann die schlimme Gewissheit: Prostatakrebs. Sein Arbeitsleben war damit auf einen Schlag beendet. Geschäftlich war Letsche oft für mehrere Wochen in Fernost unterwegs gewesen – an einen weiteren Flug war nicht mehr zu denken. „Nun konnte ich dort nicht einmal mehr die Dinge zu Ende bringen, die ich angefangen hatte.“

Unfreiwilliger Rentner

Sein Leben bekam mit der Erkrankung sofort einen neuen Rhythmus. Als unfreiwilliger Rentner begann sich der damals 60-Jährige in das Thema Prostatakrebs einzulesen. „Ich wollte immer wissen: Was bedeutet das?“ Also suchte er zunächst im Internet nach Hintergründen. „Dort habe ich mir das erste Wissen angeeignet, um selbst Fragen zu beantworten und Tipps zu geben“, erzählt er. Das macht er bis heute, etwa auf der Ratgeber-Seite www.gutefrage.de.

Doch das Korrespondieren im Netz allein reichte ihm bald nicht mehr aus. Bis dahin sei er kein sonderlich sozial engagierter Mensch gewesen, erklärt der 76-Jährige. „Doch ich habe so viel Glück im Leben gehabt, dass es an der Zeit war, etwas zurückzugeben.“ Manfred Letsche engagierte sich zunächst im Vorstand einer Fuldaer Selbsthilfegruppe. 2008 gründete er einen eigenen Verein, den er bis heute leitet. Die Betroffenen kommen häufig aus der nahen Umgebung, aber auch aus 50, 60 Kilometern Entfernung zu den Treffen. Und auch in der Rhön hat er eine Gruppe gegründet, die er einmal im Monat betreut.

Das Engagement hat seinen Preis. „Rund fünf Stunden am Tag bin ich damit beschäftigt“, erzählt er. „Der Terminkalender ist manchmal voller als zur Zeit meines Berufslebens.“ So richtig in die Rente ist Manfred Letsche also vor gut 15 Jahren nicht gewechselt.

„Schließlich sind wir eine Schicksalsgemeinschaft“

Aber er will aufklären, aus eigener Erfahrung informieren: „Ich will einfach sagen, was ich weiß!“ Entsprechend werden bei den Gruppentreffen Fragen besprochen und diskutiert, Ratschläge und Tipps bereitgehalten, Filme gezeigt und auch manchmal Fachleute eingeladen. „Und wenn die Experten gut sind, dann besteht höchstens die Hälfte ihrer Vorträge aus lateinischen Fachbegriffen“, sagt der Neuhofer lachend. Damit alle Mitglieder den Themen und Thesen folgen können, recherchiert er viel und häufig selbst – um es dann allgemeinverständlich an den Mann (und manchmal auch die Ehefrau) zu bringen. Dazu bietet er jedem, der etwas zum Thema wissen will, zunächst Einzelgespräche in seinen vier Wänden an. Erst dann nimmt er seine Besucher mit zu einem Gesprächskreis. Und auch dort müssen sie ihr eigenes Problem nicht gleich offenbaren. Erst wenn sie sehen, wie es in der Gruppe läuft, öffnen sich viele.

Meistens geht es um Impotenz und Inkontinenz. Themen, die noch immer für viele, vor allem ältere Männer mit Scham behaftet seien. Aber es geht oft genug auch um die richtige Therapie und den besten Urologen. Häufig hat er einen Rat parat. „Schließlich sind wir eine Schicksalsgemeinschaft“, sagt er.

Aber manchmal hilft alles Kämpfen nichts. Wenn der Krebs nicht mehr zu besiegen ist, begleitet Manfred Letsche die Patienten auch bis zuletzt, besucht sie im Krankenhaus, bringt ihnen ihre Lieblingsmusik mit oder hält den Sterbenden einfach die Hand.

Sein außergewöhnliches Engagement, seine Begeisterungsfähigkeit blieb unter den bislang rund 300 Mitgliedern nicht unbemerkt. Manche schreiben noch Jahre nach der ersten Begegnung Dankeskarten oder gratulieren Manfred Letsche zum Geburtstag. Und im Flur hängt eine von der Gruppe überreichte Urkunde – für den „Medicus Prostatus“.

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