Bürgerschaftspreis 2015: Margarethe Schönherr gibt in Fuldaer Haftanstalt und im Altenheim Malkurse

19. April 2015
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Müs

Als die Grundschullehrerin Margarethe Schönherr (82) 1989 in Pension ging, war das Bedauern der Kinder in Müs groß. Doch die Kunstpädagogin drehte danach richtig auf. Seit 1991 malt sie jede Woche mit Gefangenen der Justizvollzugsanstalt in Fulda und mit Senioren im Caritasheim St. Josef.

Margarethe Schönherr ist eine fröhliche Frau und knüpft schnell Kontakt zu anderen Menschen. Sich um andere, schwächere Menschen zu kümmern, ist ihr ein Anliegen – schon seit ihrer Kindheit.

Sie wuchs mit sieben Geschwistern in Bad Salzuflen auf. Ihre ostwestfälische Herkunft hört man noch heute an ihrem Tonfall. Als zweitälteste der acht Kinder musste sie sich um die Kleinsten kümmern. Die selbstverständliche Sorge um andere – sie gehört bis heute zu ihr.

Noch etwas lernte sie als Kind: Um etwas zu erreichen, musste sie selbst aktiv werden. Ihr Ziel war es, aufs Gymnasium zu gehen, was für Mädchen damals die große Ausnahme war, und Grundschullehrerin zu werden. Das war ihr Traumberuf.

Erste Stelle in der Rhön

Und sie schaffte es, machte Fachabitur in Kassel, ihre Ausbildung zur Lehrerin in Darmstadt. Ihre erste Stelle trat sie 1958 in der Rhön an – in Simmershausen, wo sie vier Jahrgänge mit 56 Kindern zugleich unterrichtete.

In der Referendarausbildung lernte sie ihren Kollegen Karl Schönherr kennen und lieben, einen Kleinlüderer. Nach der Heirat 1960 wechselte sie zur Grundschule in Müs, wo sie bis zur Pensionierung 1989 blieb; ihr Mann wurde Rektor an der Grundschule in Hainzell. Sie haben eine Tochter, die als Journalistin arbeitet.

Schon vor der Pensionierung engagierte sie sich bei der Kreis-Volkshochschule sowie im Kunstverein Fulda und organisierte Ausstellungen. Diese Arbeit führt sie bis heute fort. Als sie in Rente ging, vervielfachte sie ihren Einsatz für andere: Sie wurde Mitglied im Pfarrgemeinderat, engagierte sich in der Katholischen Frauengemeinschaft Müs auch als Fastnachterin und wurde in den Ortsbeirat gewählt, dem sie acht Jahre lang angehörte.

Malen im Gefängnis

„Das war amüsant: Alle anderen Mitglieder waren ehemalige Schüler von mir“, erzählt sie. Sie stellte mit Kommunionkindern den Kreuzweg in Bildern dar, die später mehrfach ausgestellt wurden. Sie initiierte das Projekt „Lebendiger Ortsmittelpunkt Großenlüder – Kunst im Café Prüfer“ und stellte dort bis heute 26 Wechselausstellungen auf die Beine.

Zwei Projekte stechen in ihrem Engagement besonders hervor: Seit 1991 geht sie jede Woche freitags in die Justizvollzugsanstalt Fulda und malt mit Gefangenen. Der frühere Gefängnisseelsorger Professor Dr. Balthasar Gareis, ein Bekannter von ihr, hatte sie auf die Idee gebracht.

Ihre herzliche Art und ihr Engagement kommen in der JVA an. Sie bringt Abwechslung in eine oft trostlose Zeit und begegnet den Häftlingen ohne Vorurteile. Manche schreiben ihr nach der Entlassung Briefe voller Dankbarkeit. Die Bilder, die in diesen Stunden entstanden sind, wurden schon mehrfach ausgestellt. Zur Eröffnung kamen jeweils die Justizminister – ein Zeichen der Wertschätzung für ihre Arbeit.

“Ich möchte etwas zurückgeben.“

Licht, Farben und Abwechselung bringt Margarethe Schönherr auch in den Alltag der Senioren des Altenheims St. Josef, mit denen sie seit 1992 jede Woche dienstags malt.

Was motiviert sie für ihr Engagement? Margarethe Schönherr nennt mehrere Gründe: „Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint. Ich möchte etwas zurückgeben.“ Als gläubige Katholikin wolle sie sich um Schwächere kümmern – so wie es Papst Franziskus vorlebe, der auch Gefängnisse besuche.

Durch die Dankesbriefe gäben die Häftlinge ihr viel zurück. Solch ein Brief bedeute ihr mehr als der Landesehrenbrief, den sie 2008 für ihr Engagement erhielt. „Der wichtigste Grund für meinen Einsatz ist aber ein anderer“, sagt Schönherr und strahlt ihren Gesprächspartner an: „Mich um andere zu kümmern, sie für das Malen zu begeistern – das macht mir einfach Spaß.“

Die 20 Nominierten:

– Hugo Barthel (Gersfeld)

– Abdel Bayadrah (Fulda)

– Ernst Claus (Fulda)

– Jürgen Fiedler (Petersberg)

– Alfred Gollbach (Rasdorf-Grüsselbach)

– Silke Gramatzki-Wieczorek (Fulda)

– Yannik Helm (Nüsttal-Silges)

– Angelika Jestädt (Eichenzell)

– Manfred Letsche (Neuhof)

– Karl Liebert (Fulda-Sickels)

– Heinz Lindenthal (Petersberg)

– Michael Lipus (Neuhof)

– Beate Mahr (Kalbach-Mittelkalbach)

– Lothar Mihm (Eiterfeld-Dittlofrod)

– Christoph Möller (Neuhof)

– Elke Müller (Fulda-Harmerz)

– Christine Osafo (Fulda)

– Herbert Post (Bad Salzschlirf)

– Margarethe Schönherr (Großenlüder-Müs)

– Emily Stein (Großenlüder)

Stimmen Sie ab!

Sie, liebe Leserinnen und Leser, können aus den 20 Frauen und Männern, die wir ab dem heutigen Samstag in unserer Zeitung porträtieren, Ihren Favoriten wählen, von dem Sie sagen „Wenn wir DICH nicht hätten ...“.

Und das geht so: Jeder hat nur eine Stimme. Schreiben Sie Ihren Favoriten auf eine Karte oder in einen Brief und senden Sie uns den Namen per Post an: Verlag Parzeller Stichwort: Bürgerschaftspreis 2015, Frankfurter Straße 8, 36043 Fulda. Oder senden Sie ein Fax an (06 61) 28 02 79 – bitte ebenfalls das Stichwort angeben.

Außerdem wichtig: Wir benötigen auf jeden Fall Ihren Absender mit vollständiger Anschrift, um Mehrfachnennungen auszuschließen. Für Vereine, Familien und andere gilt: Wer eine Liste mit Namen (samt Adressen und Unterschriften) einreichen möchte, darf maximal 20 Stimmen abgeben.

Eine Stimmabgabe per Internet ist erst möglich, wenn wir sämtliche Kandidaten in unserer Zeitung vorgestellt haben. Dann werden Sie auf unserer Webseite ein Formular für die Wahl finden.

Der Preis, den unsere Zeitung zum zweiten Mal auslobt, sieht für den Erstplatzierten 1000 Euro vor. Der Zweit- und Drittplatzierte erhält je 500 Euro. Die Plätze vier bis acht werden mit je 200 Euro bedacht, die Plätze 9 bis 20 mit je 100 Euro.