Bürgerschaftspreis: Lebensretter auf zwei und vier Beinen

17. April 2019
Fulda

Wird ein Mensch in der Region vermisst, kommen die Hunde der ARV Rettungshundestaffel Hessen Ost zum Einsatz. Die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins ist Christine Zapletal. „Mir ist es wichtig, ein Ehrenamt zu bekleiden. Dass ich es mit meiner Liebe zu Hunden verbinden kann, macht mich richtig froh“, sagt die 56-Jährige. Deshalb ist sie für den Bürgerschaftspreis unserer Zeitung nominiert.

Die Fuldaer Zeitung möchte mit dem Preis, der von Dr. Samir Al-Hami unterstützt wird, Menschen für ihr ehrenamtliches Engagement auszeichnen. Wer gewinnt, bestimmen die Leser (siehe unten).

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Gordon zögert nicht. Einmal auf die Spur gebracht, powert der Redbound Coonhound los. Seine Hundeführerin Christine Zapletal lacht. „Um mit ihm mitzuhalten, muss man fit sein“, sagt sie. Fürwahr, der viereinhalbjährige Rüde ist ein Kraftpaket. Aber mehr noch: Er ist in seinem Job auch richtig gut. Denn der Spurensuchhund hat eine hohe Trefferquote. „Einmal auf einen Fall angesetzt, bleibt er richtig dran. Ein toller Kerl.“

Seit 15 Jahren steht Zapletal mit der Hundestaffel Gewehr bei Fuß, wenn jemand verschwunden ist. 25 zweibeinige und 27 vierbeinige Mitglieder hat der Verein, sie alle sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr zur Stelle, wenn ein Notruf eingeht. Dann rücken sie in Teams los, „nie einer alleine“, und es muss schnell gehen. In den meisten Fällen geht es um demente Menschen, die ihre Wohnung, das Krankenhaus oder ein Heim verlassen haben, den Weg zurück nicht mehr kennen und unauffindbar bleiben. Aber auch Kinder werden gesucht, Männer und Frauen, die irgendwie in eine missliche, bedrohliche Lage geraten sind. Gordon und seine bellenden Kollegen müssen zunächst den Geruch des Gesuchten in die Nase kriegen. Ein Kleidungsstück, Rasierapparat, ein Blutstropfen („manchmal werden wir auch zu Unfällen gerufen, bei denen weit und breit niemand zu sehen ist“): Wichtig sei, sagt die Hundeführerin, dass der Gegenstand, an dem die Tiere schnüffeln, möglichst nicht kontaminiert sei. Und dann geht es raus auf die Straße, erklärt Zapletal.

Frische Spuren sind schwieriger für Gordon

Gordon ist ein Mantrailer. Anders als ein Flächensuchhund muss er sich voll und ganz auf die eine Spur konzentrieren, er darf sich nicht ablenken lassen und muss Gerüche unterscheiden können. „Solange eine Spur ganz frisch ist, ist das schwieriger“, sagt Zapletal – und der Laie staunt. Sie erklärt: „Geruchspartikel setzen sich erst nach etwa vier Stunden am Boden ab. Vorher hängen sie noch in der Luft, wenn es windig ist, wird es für den Hund noch schwieriger.“ Mantrailer bleiben an der Leine, der Zweibeiner muss hinterher. Und wenn es so ein Powerkerl ist wie Gordon, ist Kondition gefragt.

Die Hunde der Rettungsstaffel werden ausgebildet und geprüft. Drei Jahre braucht es in der Regel, bis ein Hund so weit ist. „Gordon war schneller“, sagt sein Frauchen. Was muss ein Suchhund eigentlich mitbringen? „Er muss sozialverträglich sein, bei der Suche muss er zwingend bei der Sache bleiben, und körperliche Belastbarkeit ist unumgänglich.“ Vor allem aber muss der Hundeführer ihn kennen und dessen Signale genau deuten können.

„Es geht um Menschenleben“

Die Einsätze der Hundestaffel sind kostenlos. Dass sie manchmal in Grenzsituationen geraten, etwa wenn ein Vermisster seinem Leben ein Ende setzen wollte, ist ihnen allen bewusst. „Wenn wir selbst Hilfe brauche, stehen uns die Malteser zur Seite.“ Wie viel Zeit geht denn für die Staffel drauf, bei der ein permanentes Training unverzichtbar ist? Christine Zapletal überschlägt es: „20 bis 30 Stunden in der Woche sind es schon“, sagt die kaufmännische Angestellte. Zeit für ein Hobby bleibt da nicht. Familie? „Mein Mann Josef macht in der Staffel auch mit.“

Und dann ist da noch Hank. Gordon ist nämlich nicht Zapletals erster Rettungssuchhund, sondern der fünfte. Sein Kumpel, ein Bloodhound mit mächtiger Stimme, ist inzwischen Rentner. Achteinhalb Jahre ist Hank alt, aber genauso ein Powerpaket wie der Jüngere. Einmal aus dem Transporter raus, kann Josef Zapletal ihn kaum halten. Seine Frau lacht: Eines funktioniert bei beiden nicht: Erziehung. „Bei Fuß? Das können sie vergessen!“

Als Staffel-Chefin hat Christine Zapletal den Hut auf. „Anders geht es nicht, wenn wir schnell sein müssen.“ Stress und persönliche Befindlichkeiten werden zudem zweitrangig. „Bei dem, was wir machen, geht es schließlich um Menschenleben.“

So stimmen Sie ab!

Liebe Leser! Sie können ab sofort aus den 15 Frauen und Männern, die wir nach und nach vorstellen, Ihren Favoriten wählen.

So geht’s! Jeder darf nur eine Stimme abgeben. Sie müssen sich also für einen der vorgestellten Kandidaten entscheiden. Schreiben Sie Ihren Favoriten auf eine Karte oder in einen Brief und senden Sie uns den Namen per Post an:

Verlag Parzeller Stichwort: Bürgerschaftspreis 2019, Frankfurter Straße 8, 36043 Fulda. Oder senden Sie ein Fax an (0661) 280 279 – bitte ebenfalls das Stichwort „Bürgerschaftspreis 2019“ angeben.

Wichtig: Wir benötigen dringend Ihren Absender mit vollständiger Anschrift, um Mehrfachnennungen auszuschließen. Anderenfalls ist die eingesandte Abstimmung ungültig. Für Vereine, Familien und andere Gruppen gilt: Wer Listen mit Namen (samt Adressen und Unterschriften) einreichen möchte, darf pro Liste maximal 20 Stimmen abgeben.

Manfred Roth teilt sein Schreinerhandwerk mit Menschen mit Behinderung

30 Jahre lang stellte Manfred Roth in Wickers Karfreitagsklappern her. Jetzt lebt der 70-Jährige in Künzell. Seine Drechselbank steht inzwischen in der Schreinerei von antonius. Hier teilt er sein handwerkliches Geschick ehrenamtlich mit Menschen mit Behinderung. Gemeinsam mit ihnen stellt er die Klappern her.

Bürgerschaftspreis unserer Zeitung geht in die vierte Runde

Die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, ist nicht selbstverständlich. Ein Ehrenamt erfordert Zeit, Mühe und Kraft. Diesen Einsatz möchten wir in diesem Jahr wieder ehren mit dem Bürgerschaftspreis unserer Zeitung. Unterstützt wird der Preis von Dr. Samir Al-Hami. Schlagen Sie uns jetzt bis zum Samstag, 16.