Die Einheit von Bühne und Kostüm beim Bonifatius-Musical

16. August 2019
Fulda

Gut gelaunt kommen sie mit ihren Rollkoffern am Bonifatius-Platz an und sind auch sonst ganz euphorisch. Okarina Peter und Timo Dentler schwärmen von Fulda, dass es nur so eine Art hat. Mediterran ist noch der zurückhaltendste Begriff, den die Kostümbildnerin und der Bühnenbildner nutzen. Vierter Teil unseres „Boni-Talks“.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Sie kommen direkt aus Berlin, aber natürlich nicht, um in der Barockstadt Urlaub zu machen. Peter und Dentler – sie: „ich bin ein paar Tage lang noch 45 Jahre alt“, er: „ich muss immer auf Facebook nachsehen, wie alt ich bin, ich glaube, 48“ – sind für die Kostüme und das Bühnenbild von „Bonifatius“ zuständig. Und wer nun meint, das seien zwei verschiedene Paar Schuhe, der irrt. Denn wie ihre Vorstellungen und Ideen ineinandergreifen und einander befeuern, wird bereits im Gespräch unmittelbar erfahrbar. In der Realisation dann dürfte ein optisches Kunstwerk sondergleichen entstehen. Die Musical-Besucher werden es erleben...

Aber von vorne: Okarina Peter wurde in Konstanz geboren und studierte in Düsseldorf an der Kunstakademie. Dort lernte sie den gebürtigen Ulmer Timo Dentler kennen und schätzen, später auch lieben. „Dass wir schon früh gemeinsam ins kalte Wasser geworfen wurden und unter anderem für Peter Zadek arbeiteten“, sagt er, „hat uns einfach verbunden“.

Von der Musik inspiriert

Es dauerte nicht lange, da entdeckten sie ihre Leidenschaft für das Musiktheater. Warum? „Beim Musiktheater geht es unserer Meinung darum, im Bild eine Dramaturgie zu entwickeln. Im Schauspiel muss man eine Situation für das Spiel schaffen. Da wir beide aber sehr bildgewaltig sind, liegt uns ersteres näher. Außerdem lieben wir es, von Musik inspiriert zu werden!“

Was hält sie davon ab, sich gegenseitig auf den Keks zu gehen? Dentler lacht: „Die Arbeit.“ Dem stimmt Peter zu. „Unser Glück war, dass wir uns zunächst beim Studium und der Arbeit kennengelernt haben und dann erst zusammenkamen. Ich denke, wenn es anders gewesen wäre, wäre unsere Beziehung heute eine andere.“ Zumal beide um den Stress wissen, den ihre Jobs mit sich bringen. „Das macht vieles leichter“, erklären sie unisono. „Und die Wege sind kurz. Außerdem kommen wir künstlerisch aus dem gleichen Stall.“

Geschichte erlebbar machen

Der Kontakt zu spotlight kam über Regisseur Stefan Huber zustande. „Mit ihm haben wir hier um die Ecke schon gearbeitet“, sagt Peter und meint Bad Hersfeld. Den Umgang mit gewaltigen Kulissen kennen sie also, wissen um Open-Air-Bedingungen. Dennoch: Wie verhindert man, dass die Fassade des Fuldaer Doms alles erschlägt? „Die Umgebung, der Ort, spielt die Hauptrolle“, sagt Peter. Und Dentler fügt hinzu: „Wir würden sonst immer verlieren.“ Hinzu komme in Fulda, dass es ja auch die historische Stätte zu dem Stück sei. Deswegen haben sie überlegt, was die Kulisse brauche, um die Geschichte erlebbar zu machen. Peter: „Was uns besonders bewegt hat: Alles beginnt mit dem Fällen einer Eiche. Das ist der erste Höhepunkt. Bonifatius fällt einen Baum. Und auf die Bühnensprache übersetzt entsteht so eine Spielfläche. Das ganze Stück spielt doch auf dem gefällten Baum.“

Extreme Kopfbedeckungen

Das also ist der Scheibe Kern. Denn im Marianum ist der Mittelteil Bühne für die Proben aufgebaut. Dentler erklärt: „Um nicht in Konkurrenz mit dem Realismus zu treten, brauchten wir eine Vereinfachung. Deswegen haben wir diese Fläche erfunden.“ Die Maserungen als Baumringe, die Treppen als Wurzeln. Und weil der Sage nach Teile der Donar-Eiche im Vorgängerbau des Doms verbaut sein sollen, „wird das Ganze nochmal faszinierender.“ Dass mit Sven Sauer ein Videokünstler mit ins Boot geholt wurde und das Lichtdesign (Pia Virolainen) ebenso frühzeitig in sämtliche Überlegungen eingebunden wurde, freut beide ungemein. „Jetzt sind wir selber ganz aufgeregt, wie das aussehen wird.“

Wie fügen sich die Kostüme in das Konzept? „Die brauchen natürlich Fernwirkung“, erklärt Okarina Peter und verweist unter anderem auf „extreme Kopfbedeckungen“. „Bedeutend ist, dass das Stück eine Art Klammerhandlung hat, und die spielt im Hier und Jetzt.“ Das Ensemble werde als solches sichtbar, die Schauspieler schlüpften dann in die einzelnen Rollen. Deswegen würden die Gewänder „wie Ikonen über eine Art Grundkostüm gestülpt“. Bewusst würden die Darsteller Kostüme an- und ablegen. Zudem seien es auch keine historischen Kleider. „Von einem musealen Gedanken haben wir Abstand genommen.“

„Gespannt auf das, was wir da entwickelt haben“

Gab es Ideen zu „Bonifatius“, von denen die beiden Abstand nehmen mussten? „Nein“, sagt Timo Dentler, und Okarina Peter stimmt zu. „Wir mussten keine Kompromisse machen. Und wenn es mal einen Kompromiss gab, hat er sich so entwickelt, dass er als solcher nicht mehr wahrzunehmen ist.“

Dann lachen sie. Denn etwas am Modell zu entwerfen, ist das eine. Das Musical in natura vor dem Dom zu erleben, etwas anderes. Peter fasst zusammen: „Wir sind jetzt extrem gespannt auf das, was wir da entwickelt haben.“

Von Gärten und Strandkörben - Viele Ideen rund um „Bonifatius-Musical" umgesetzt

Mit dem Open-Air-Spektakel „Bonifatius" setzen Fulda und spotlight zum Stadtjubiläum eine einmalige Marke. Bühne, Lichtshow, Chor, Orchester, überhaupt die Inszenierung vor dem Dom. „Ganz klar, dass wir uns um die besonderen Vorstellungen herum ein ebenso besonderes Angebot ausgedacht haben", sagt Elisabeth Schrimpf vom Tourismusbüro. Die Caterer Sven und Marie-Christin Nelles nicken.