„Die unsichtbare Gefahr“: Aktionswoche zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen

27. Februar 2019
Landkreis Fulda

Popcorn vom Holzkohlegrill – und das im Wohnzimmer: Diese Schnapsidee hätte drei Männer in Fulda fast das Leben gekostet. Jedes Jahr werden laut Ärzteblatt in Deutschland 3900 Menschen wegen Kohlenmonoxid-Vergiftungen in Krankenhäuser eingewiesen und das vor allem in der kalten Jahrezeit.

Auslöser sind seltener gefährliche Grillevents in der Wohnung, sondern eher technische Defekte oder mangelnde Wartung von Gasthermen, Ölheizungen oder Kaminöfen, schreibt der Landkreis Fulda in einer Pressemitteilung. „Immer häufiger sind wir in Shisha-Bars im Einsatz“, sagt Dr. Thomas Plappert, stellvertretender Ärztlicher Leiter des Rettungsdiensts beim Landkreis Fulda.

Kohlenmonoxid ist heimtückisch, darauf hat eine neugegründete Initiative mit einer bundesweiten Aktionswoche hingewiesen, heißt es weiter. CO, das bei unvollständiger Verbrennung entsteht, ist eine tödliche Gefahr: Man schmeckt es nicht, riecht und sieht es nicht, und es reizt nicht zum Husten. Doch wer hohen Konzentrationen des Atemgifts ausgesetzt ist, verliert sehr schnell das Bewusstsein – und wacht, wenn nicht umgehend Hilfe zur Stelle ist, nicht mehr auf. „Beim Einatmen von Kohlenmonoxid bindet es sich an das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen und verdrängt dabei den lebenswichtigen Sauerstoff. Die Organe werden nicht mehr ausreichend versorgt, zuerst ist das Gehirn betroffen“, erklärt Plappert die Wirkung.

„Aber auch geringere CO-Konzentrationen in der Raumluft, denen ein Mensch über einen längeren Zeitraum ausgesetzt ist, können zu Vergiftungen führen, die das Gehirn durch den Sauerstoffverlust dauerhaft schädigen“, sagt Dr. Carsten Dittmann, ebenfalls stellvertretender Leiter des Ärztlichen Rettungsdiensts beim Kreis. Da Kohlenmonoxid mühelos durch Wände und Böden dringt, kann zum Beispiel ein defekter Kaminofen zu CO-Belastungen in angrenzenden Räumen oder Stockwerken eines Hauses führen – und damit zu Vergiftungen. Weil in solchen Fällen die Symptome eher unspezifisch sind – Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit – rät Carsten Dittmann dazu, öfter auftretende Beschwerden auf einen Zusammenhang etwa mit dem Betrieb eines Kaminofens zu überprüfen.

„Das A und O wirksamer Präventionsmaßnahmen sind regelmäßige Wartungen der Heizungen, Gasthermen und Kaminöfen sowie die Reinigung der Schornsteine“, sagt Frank Reith, Fachdienstleiter Gefahrenabwehr beim Landkreis. Und er wirbt für den Einsatz von Kohlenmonoxid-Warngeräten: „Sie sind nicht teuer, einfach zu installieren und können Leben retten. Wenn der Melder anschlägt, sollte man schnell das Haus verlassen und von außerhalb den Notruf 112 wählen.“

Auf sich aufpassen müssen auch die Retter selbst, denn nicht jeder CO-Einsatz ist sofort als solcher zu erkennen. „Wichtig und hilfreich ist es, dass die Leitstelle einen Notruf entsprechend hinterfragt und die Feuerwehr und den Rettungsdienst über eine Vermutung auf Kohlenmonoxid informiert werden“, sagt Kreisbrandinspektor Adrian Vogler und ergänzt: „Höchste Priorität hat die Menschenrettung unter Atemschutz. Anschließend werden Messungen vorgenommen und Lüftungsmaßnahmen eingeleitet. CO-Melder an der Einsatzkleidung sind mittlerweile fast obligatorisch.“ Denn es sei immer wichtiger, dass auch die Retter geschützt sind und sicher an den Einsatzstellen.

Die neugegründete Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen möchte unter dem Slogan „CO macht K.O.“ mit ihrer ersten bundesweiten Aktionswoche für die Gefahr durch das farb-, geruch- und geschmacklose Gas sensibilisieren und die Zahl der CO-Vergiftungen senken. Zu den Mitgliedern der Initiative zählen unter anderen der Deutsche Feuerwehrverband und der Bundesverband der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst. Auf der Homepage gibt es weitere Informationen: www.co-macht-ko.de. / lea